# taz.de -- Freiwilligendienste und Zivildienst: Frühe Verweigerung kann sinnvoll sein
       
       > Die Zahl der Kriegsdienstverweigerungen nimmt zu, auch ohne Wehrpflicht.
       > Manche wollen so einen künftigen Zivildienst vermeiden.
       
 (IMG) Bild: Immer mehr junge Männer wollen den Kriegsdienst verweigern
       
       Die [1][Zahl der Kriegsdienstverweigerungen nimmt zu], auch ohne
       Wehrpflicht. Manche wollen so einen künftigen Zivildienst vermeiden. Wer
       ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) plant und auf keinen Fall zur
       Bundeswehr möchte, sollte vor dem FSJ zunächst den Kriegsdienst verweigern.
       Denn nur dann wird nach aktueller Rechtslage der Freiwilligendienst auf
       einen möglichen späteren Zivildienst angerechnet.
       
       [2][Obwohl es noch keine Wehrpflicht gibt], steigt schon jetzt die Zahl der
       Kriegsdienstverweigerungen (KDV). Allein in den ersten vier Monaten 2026
       stellten bereits 3.350 Männer einen KDV-Antrag; fast so viele wie im ganzen
       Jahr 2025, da gab es 3.867 Anträge. Viele wollen ein Zeichen setzen, andere
       wollen auf keinen Fall etwas verpassen.
       
       Ein Grund für die erhöhten KDV-Zahlen dürfte aber auch sein, dass ein FSJ
       nur dann auf einen [3][späteren Zivildienst] angerechnet wird, wenn zuvor
       der Kriegsdienst verweigert wurde. Geregelt ist das im Zivildienstgesetz.
       Dessen Paragraf 14c wurde 2002 von der damaligen rot-grünen Koalition
       eingeführt, um das FSJ attraktiver zu machen. Der Paragraf gilt auch für
       das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), auch Umweltjahr genannt, und den
       Bundesfreiwilligendienst.
       
       Derzeit machen pro Jahr etwa 50.000 junge Leute ein FSJ und weitere knapp
       4.000 ein FÖJ. Hinzu kommen jährlich rund 35.000 Bundesfreiwillige, von
       denen etwa 25.000 im wehrdienstfähigen Alter (bis 27) sind. In allen
       Freiwilligendiensten liegt der Männer-Anteil bei etwa einem Drittel, sodass
       Paragraf 14c für etwa 27.000 junge Männer pro Jahr relevant sein könnte.
       
       ## Persönliche Erläuterung im Antrag
       
       Über die KDV-Anträge entscheidet das Bundesamt für Familie und
       zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Köln. Die Anträge müssen
       allerdings beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
       (BAPersBw), ebenfalls in Köln, gestellt werden, das die Anträge dann an das
       BAFzA weiterleitet. Derzeit kann über KDV-Anträge auch ohne vorherige
       Musterung entschieden werden.
       
       Der KDV-Antrag muss durch eine ausführliche persönliche Erläuterung der
       Gewissensgründe für die Verweigerung untermauert werden. Das Einreichen von
       Mustervorlagen aus dem Internet genüge nicht, betont das Bundesamt. Eine
       mündliche Anhörung ist in der Regel nicht vorgesehen. Die Entscheidung
       trifft ein:e Sachbearbeiter:in des BAFzA. Die Bearbeitung dauert in
       der Regel „mehrere Wochen bis wenige Monate“, so das Amt. Die
       Anerkennungsquote liegt bei rund zwei Dritteln.
       
       Ob und wann eine Wehrpflicht eingeführt wird, ist derzeit noch offen.
       Dementsprechend ist es auch noch offen, ob Kriegsdienstverweigerer einen
       Ersatzdienst, das heißt den Zivildienst, leisten müssen. Auch für die Länge
       des Zivildienstes gibt es verschiedene Vorschläge, insbesondere zwischen 6
       und 10 Monaten. Bei der Abschaffung von Wehrdienst und Zivildienst 2011
       dauerten beide Dienste 6 Monate. Für die Anrechnung des
       Freiwilligendienstes auf den Zivildienst nach Paragraf 14c ist wichtig,
       dass der Freiwilligendienst mindestens 2 Monate länger dauern muss als der
       Zivildienst. FSJ, FÖJ und Bundesfreiwilligendienst dauern derzeit jeweils
       12 Monate.
       
       Die Anrechnung eines Freiwilligendienstes auf den Wehrdienst bei der
       Bundeswehr war noch nie möglich und ist auch bislang nicht vorgesehen.
       
       3 Jun 2026
       
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