# taz.de -- Regierung in Dänemark: Kopenhagens Koalition der Kompromisse
> Ungeachtet des schlechten Wahlergebnisses für die Sozialdemokraten
> startet Mette Frederiksen in ihre dritte Amtszeit. Dazu braucht sie viele
> Partner.
(IMG) Bild: Ihre Regierung steht: die amtierende dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen
Es hat eine Weile gedauert, aber nun steht Mette Frederiksen vor ihrer
dritten Amtszeit als [1][dänische Ministerpräsidentin]. Und das, obwohl die
Sozialdemokraten bei der Wahl im März so schlecht abgeschnitten hatten wie
seit 120 Jahren nicht. Alles ist relativ: Mit ihren knapp 22 Prozent
Stimmenanteil blieben sie mit Abstand größte Partei.
Die Ära klarer Mehrheiten und einfacher Regierungsbildungen ist nicht nur
in Deutschland lange vorbei. Im dänischen [2][Folketing] tummeln sich sage
und schreibe elf weitere Parteien mit Anteilen von 11,6 bis 2,6 Prozent.
Und auch dort gilt so etwas natürlich als komplizierte Ausgangslage.
Aber anders als in Deutschland hat sich in Dänemark längst eine politische
Kultur rund um Minderheitsregierungen etabliert. Solange im Parlament keine
Mehrheit dagegen ist, kann in Unterzahl regiert werden. Das Wort Kompromiss
spielte auch bei diesen Verhandlungen eine große Rolle. Frederiksens neue
Links-Mitte-Regierung aus vier Parteien kann nun mit 82 Sitzen loslegen, wo
90 eigentlich die magische Grenze wären.
Die neue Koalition setzt auf die Unterstützung der linken Partei
Enhedslisten. Wie weit die Kompromissbereitschaft in Dänemark geht, zeigt
sich wohl auch daran, dass die Moderaten sich darauf einlassen. Deren Chef,
der erfahrene Profi [3][Lars Løkke Rasmussen], hatte sich eigentlich für
eine Regierung „über die Mitte hinweg“ starkgemacht. Durch entscheidende
Mandate und die Position seiner Partei in der politischen Mitte konnte er
die Mega-Verhandlungen zwar prägen und in gewissem Maße steuern. Aber er
stand deshalb nicht über den Dingen.
Niemand könne alles haben, wenn die Dänen so wählen, wie sie wählen, fasste
es Frederiksen zusammen. Løkke Rasmussen hat nun deutlich mehr als seine
bisherigen rechtsliberalen Koalitionskollegen – er wird auch in der neuen
Regierung sitzen. Der Vorwurf von der politischen Rechten, seine
Kompromissbereitschaft sei aus Machthunger zu weit gegangen, dürfte ihn
kaum treffen.
2 Jun 2026
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(DIR) [3] /Lars-Loekke-Rasmussen/!t5205773
## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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