# taz.de -- Rekord-Verhandlungen in Dänemark: Regierung verzweifelt gesucht
> Nach dem Scheitern der Konservativen ist jetzt die Sozialdemokratin
> Frederiksen wieder am Zug. Weitere 60 Tage soll es nicht dauern,
> verspricht sie.
(IMG) Bild: Dänischer Königinnenmacher: Lars Løkke Rasmussen von der moderaten Partei
Und da ging der Ball zurück zu Mette Frederiksen: 60 Tage nach der
Parlamentswahl in Dänemark bekommt die Sozialdemokratin und
geschäftsführende Ministerpräsidentin eine zweite Chance, dem Land endlich
eine neue Regierung zu verschaffen. Nach dem Scheitern eines zweiwöchigen
Versuchs auf der konservativen Seite wurde Frederiksen am Samstag erneut
beim dänischen König vorstellig, um sich den Auftrag zur Regierungsbildung
abzuholen.
Der Rechtsliberale Troels Lund Poulsen hatte seine Idee von einer
konservativen Minderheitsregierung am Freitagabend aufgeben müssen. Ihm
fehlte die Zustimmung des Mannes, der bei dieser rekordlangen Suche nach
einer neuen Regierung am längsten Hebel sitzt: sein bisheriger
Koalitionskollege Lars Løkke Rasmussen.
Weder das linke noch das rechte Parteispektrum kann ohne dessen mittige
Moderate eine eigenständige Koalition bilden. Løkke Rasmussen, der sich
immer wieder für eine Koalition „über die Mitte hinweg“ ausspricht, hatte
zunächst Mette Frederiksen unterstützt.
Nach ergebnislosen sechs Wochen machte er klar, nun solle es Lund Poulsen
versuchen. Politische Beobachter in Dänemark hielten es da für denkbar,
dass auch er scheitern würde. Zudem gehen sie davon aus, dass Løkke
Rasmussen in einer zweiten Runde mit Frederiksen in einer besseren
Verhandlungsposition steht.
Warum ist das so kompliziert? Lange Verhandlungen, Kompromisse und
Minderheitsregierungen haben in Dänemark Tradition. Mit derzeit sage und
schreibe zwölf Parteien im Parlament ist die Herausforderung noch
gewachsen. Mehrheiten sind äußerst knapp, und auf beiden politischen
Außenseiten gibt es Parteien, die für jeweils andere hinter der roten Linie
stehen – Zusammenarbeit ausgeschlossen.
## Rote Linien oder Kompromisse?
Der Moderaten-Chef hatte in seiner Königsmacher-Rolle immer wieder betont:
Es gehe um die Sache, nicht um Personalien. Daran erinnerte ihn Lund
Poulsen diese Woche mehrfach, als er seine Idee einer konservativen
Minderheitsregierung vorstellte. Die Moderaten sollten nicht dazugehören,
aber das politische Programm streckte sich teilweise weiter in Richtung
Mitte als erwartet. Wenn es ihm nur um gute Politik gehe, sollte Løkke
Rasmussen ihm doch wohl seinen Segen geben können?
Er tat es nicht. Die Konservativen warfen ihm daraufhin Scheinheiligkeit
vor – es ginge ihm wohl doch nicht nur um die Sache, sondern auch um eigene
Macht.
Mette Frederiksen, deren Sozialdemokraten trotz starker Verluste im März
mit Abstand stärkste Kraft im Parlament sind, strebt nun eine
Vierer-Koalition mit Linksliberalen, Linksgrünen und Moderaten an. Sie
erinnerte am Samstag daran, dass Kompromisse nötig seien und dass niemand
alles bekommen könne, nachdem die Dänen so viele verschiedene Parteien
gewählt hätten. Nochmal 60 Tage solle es jedenfalls nicht dauern, bis eine
neue Regierung steht, versprach sie laut Dänischem Rundfunk DR.
Ihre neue Verhandlungsrunde soll schon am Sonntag starten. Und diesmal
verhandeln laut dänischen Medien alle vier vorgesehenen Parteien von Anfang
an miteinander, nicht zuerst einzeln. Das gilt nun als Zeichen, dass es mit
einer neuen Regierung tatsächlich bald klappen könnte.
23 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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