# taz.de -- Bundesmarine in der Straße von Hormus: Deutsche Minenräumer als Zielscheibe
       
       > Durch den Deal zwischen Trump und dem Mullah-Regime könnten bald deutsche
       > Soldaten nach Hormus entsandt werden. Das wäre ein riskantes Manöver, um
       > den USA Stärke vorzugaukeln.
       
 (IMG) Bild: Europäische Truppen wurden in die Straße von Hormus verlegt, hier der französische Flugzeugträger Charles de Gaulle
       
       Was die Sicherung der Straße von Hormus angeht, ist Europa zu fast allem
       bereit. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „fast“, denn bei einer
       zentralen Frage wollen Frankreich, Großbritannien und Deutschland ganz
       bestimmt nicht mitmachen: die Meerenge im Zweifel freizuschießen, sollte
       Iran die Weltgemeinschaft nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg
       weiterhin mit einer Seeblockade bestrafen. Das Vertrauen der europäischen
       Staaten, die den [1][Hormus-Einsatz] vorbereiten, in den skrupellosen
       US-Präsidenten ist groß.
       
       Seit der vollmundigen Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz,
       Deutschland könne sich an einer Mission beteiligen, wiederholt die ganze
       Regierung jedoch ein Mantra: Die deutsche Marine rückt erst aus, wenn die
       Kampfhandlungen in Iran enden. Mit dem Deal zwischen Donald Trump und dem
       Mullah-Regime am Freitag würden die Waffen dort tatsächlich erst einmal
       schweigen. Es könnte also wirklich bald zu einem Mandat für die Bundeswehr
       kommen.
       
       Doch das Abkommen zwischen Iran und den USA ist keine Basis für eine
       europäische Mission. Es gefährdet das Leben der Soldat*innen auf
       eklatante Weise, während es gleichzeitig kaum etwas zu gewinnen gibt. Wer
       glaubt denn ernsthaft, dass sich das iranische Regime von ein paar
       französischen Kampfjets und deutschen Minentauchern so sehr abschrecken
       lässt, dass es mit der Meerenge sein größtes Faustpfand gegen die USA aus
       der Hand gibt?
       
       Die Führung in Teheran nimmt Israel für die Offensive im Libanon in
       Verantwortung. Premierminister Benjamin Netanjahu hält von Trumps
       Alleingang jedoch nicht viel und betrachtet das Abkommen mit Iran als für
       Israel nicht bindend. Durchaus denkbar wäre also, dass Iran das aggressive
       Vorgehen Netanjahus mit einem Angriff auf Israels engsten europäischen
       Partner rächt. Deutsche Minenräumer werden hier leichtfertig zur
       potenziellen Zielscheibe. Ein Angriff auf sie würde eine komplett neue
       Eskalationsstufe in dem Krieg bedeuten.
       
       [2][Der geplante Einsatz] ist ein Harakiri-Manöver, das dazu dient, den USA
       europäische Kraft vorzugaukeln. Die hoffnungsvolle Gleichung lautet: Europa
       unterstützt die USA in Hormus, damit die USA [3][in der Ukraine] weiterhin
       zu Europa halten. Dass Trump dazu bereit ist, auch Alliierte unter den Bus
       zu werfen, ist spätestens seit dem Fiasko in Afghanistan bekannt, als er im
       Alleingang über den Abzug der US-Truppen entschied. Wer ein ähnliches Drama
       verhindern will, darf sich nicht auf diese undurchdachte Mission einlassen.
       
       Anmerkung der Redaktion: Die Regierung von Donald Trump entschied mit dem
       Doha-Abkommen im Februar 2020, ohne die Nato-Partner einzubeziehen, über
       den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan. Der Abzug wurde im August 2021
       jedoch erst unter der Regierung von US-Präsident Joe Biden vollzogen. Wir
       haben die entsprechende Stelle im Text leicht präzisiert und bedanken uns
       für die Hinweise in den Kommentaren.
       
       17 Jun 2026
       
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