# taz.de -- Fotoband über Lee Perrys Studio: Mit Kleopatra in der schwarzen Arche
       
       > Reggaeproduzent Lee Perry machte sein Black-Ark-Studio zum Instrument.
       > Ein opulent gestalteter Fotoband unternimmt eine Inventur dieses
       > Klanguniversums.
       
 (IMG) Bild: Lee „Scratch“ Perry im Garten seines Black-Ark Studios in Kingston, 1978
       
       Herumlungern auf dem Offbeat, das hat der jamaikanische Künstler Lee
       „Scratch“ Perry als Reggaeproduzent meisterhaft kultiviert. Perry arbeitete
       sich in den 1960ern vom Boten für Plattenfirmen zum Komponisten für Bob
       Marley hoch. Als wandlungsfähiger Sänger feierte er erste Erfolge. Seine
       künstlerische Handschrift verfeinerte er im Studio „Black Ark“, das er von
       1973 bis 1979 in seinem Haus in Kingston betrieb.
       
       Im eben erschienenen, opulent aufgemachten Buch „Black Ark“ wird eine
       „visuelle Inventur“ des „Black Ark“-Studios vorgenommen. Dazu sind
       instruktive Essays gesammelt (u. a. von Veerle Poupeye, Kodwo Eshun und
       John Corbett), die bisher nur verstreut erhältlich waren. Die Fotos
       basieren auf einer Reportage auf dem Grundstück von Perrys einstigem
       Wohnhaus, das nach einer Brandstiftung 1980 nur noch als Ruine erhalten
       ist. Es wurde nie geklärt, ob Perry sein Haus selbst angezündet hat.
       
       Auf der Höhe seines Ruhms hatte der jamaikanische Produzent den Künstler
       Jah Wise als Fassadenmaler beschäftigt, der Mauern, Hinterhof und Studio
       mit spirituellen Wandgemälden und Deckenfreskos verzierte: „Yard Art“, wie
       sie in den 1970ern auf der karibischen Insel überall verbreitet war und
       heute zum jamaikanischen Kulturerbe zählt.
       
       ## Zebras, Löwen, Blitz und Donner
       
       Zu sehen sind Zebras und Löwen, Himmelsdarstellungen mit Wolken, Blitz und
       Donner. Dazu Porträts von Haile Selassie, Marcus Garvey und Kleopatra,
       [1][wichtige Figuren im Pantheon der jamaikanischen Kultur]. Altes
       Testament und Ägypten clashen mit moderner Technik und einem prekären
       Alltag auf Jamaika, dessen geopolitische Frontstellung zwischen Kuba und
       den USA mitverantwortlich für die Armut der Bevölkerung war und ist.
       
       Am Mischpult erhob Perry die spukhaften Versionierungen von Reggaesongs zu
       eigenständigen ekstatischen Kunstwerken. Wo Dubmixe zuvor nur B-Seiten
       einzelner Reggae-Singles zierten, brachte sie Perry als eigenständige
       Erzählungen auf Albumlänge. Im „Black Ark“-Studio wurden eigene Riddims
       aufgenommen, nie mit Versionen konkurrierender Studios gearbeitet. Ein
       Novum auf Jamaika und [2][ein Zeichen von Perrys Standing,] das ihn
       weltberühmt machte. [3][Selbst Paul McCartney kam 1977 zu ihm ins Studio].
       
       Wann Instrumente am Mischpult aus dem Mix entfernt und wieder hinzugefügt
       wurden, weshalb Perry sie durch „anbratende“ Effekte wie Reverb und Geräte
       wie das Roland-Space-Echo jagte und warum diese Dubversionen trotzdem
       eingängig klingen, darüber hirnen Toningenieur:Innen bis heute.
       
       Lee Perry konnte am Mischpult das Raumzeitkontinuum aus- und auf eigene
       Zeitrechnung umschalten. Rum- und Cannabiskonsum lösten bei ihm Ende der
       1970er eine Psychose aus. Er vergrub Tonbänder im Garten, urinierte auf
       seine Effektgeräte und begann, die Wände des Studios mit Hieroglyphen zu
       versehen. „Why you write up the place?“, fragte ihn die Sängerin Susan
       Cadogan. „If you don’t write, you wrong“, antwortete Perry.
       
       5 Jun 2026
       
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