# taz.de -- Deutsche Pleite: Was hat Sie bloß so irritiert?
       
       > Nach Deutschlands gescheiterter Wahl in den UN-Sicherheitsrat wird über
       > Verantwortliche und Konsequenzen diskutiert.
       
 (IMG) Bild: Außenminister Johann Wadephul war nach der Schlappe bei der UNO erst mal ratlos
       
       Wo fing das an? Was ist passiert? Was hat dich bloß so ruiniert?“
       Wahrscheinlich kann Johann Wadephul [1][das Lied der Sterne] im Geiste
       mitsingen. [2][Nur 104 von 191 Staaten hatten am Mittwoch in der
       UN-Generalversammlung für Deutschland gestimmt], den Zuschlag für die
       beiden freien Sitze im Sicherheitsrat in der Gruppe der Westeuropäischen
       Länder erhielten Portugal und Österreich. Nach sechs erfolgreichen
       Bewerbungen als gewähltes Mitglied im wichtigsten UN-Gremium erlebt
       Deutschland nun zum ersten Mal eine Niederlage.
       
       [3][Der deutsche Außenminister war sichtbar ratlos, als er am Mittwoch in
       New York die Nichtwahl Deutschlands kommentierte.] War es Russland, „das
       gegen uns gearbeitet hat“, weil es im Rat nicht dem stärksten Unterstützer
       der Ukraine gegenübersitzen wolle?, fragte sich Wadephul. War es die
       relativ späte Bewerbung – 2020 hatte Deutschland sein Handtuch ausgeworfen,
       Portugal und Österreich schon 2011 und 2013. Deutschland hatte, Wadephul
       zufolge, ein gutes Angebot gemacht, „für die Werte, die wir für richtig
       halten, Völkerrecht und Menschenrechte“.
       
       Vielleicht wollten andere Länder, um die Sterne zu zitieren, ja einfach
       „nicht zuhören oder nichts glauben“? Denn viele Beobachter:innen
       führen die Janusköpfigkeit der deutschen Regierung in beiden Punkten nun
       als Gründe für das Scheitern an. So auch der grüne Außenpolitiker Boris
       Mijatović. „Wir vertreten leider keine klare Linie mehr beim Völkerrecht“,
       sagt der für die UN zuständige Abgeordnete der taz. Es passe eben nicht
       zusammen, dass man im Oval-Office vor Trump buckle und Geschenke verteile
       und keine klare Haltung zu den völkerrechtlichen Verstößen der USA habe,
       wie der Entführung des venezolanischen Präsidenten oder den Angriffen auf
       Iran. Mit „man“ ist der Kanzler gemeint, dem Mijatović die Verantwortung
       für Deutschlands Blamage gibt: „Der Hauptgrund ist Friedrich Merz.“
       
       Auch Angela Merkels ehemaliger außenpolitischer Berater, Christoph Heusgen,
       der Deutschland von 2018 bis 2020 als UN-Botschafter im Sicherheitsrat
       vertrat, übte Kritik am Kanzler. Es sei ein Fehler gewesen, dass Merz nicht
       persönlich zur UN-Vollversammlung im September reiste. „Too little, too
       late“, sagte er [4][dem Deutschlandfunk zur deutschen Kandidatur].
       
       Mijatović, der einige Wochen vor der entscheidenden Wahl zusammen mit
       anderen Abgeordneten New York besucht hatte und dort mit
       Botschafter:innen der USA, Chinas und Großbritanniens sprach, vermutet,
       dass auch von den fünf ständigen Mitgliedern nicht nur Russland gegen
       Deutschland war. „Alle hatten uns versichert, wie wichtig eine starke
       Stimme Deutschlands im Sicherheitsrat sei.“ Aber er glaube nicht, dass sich
       das wirklich alle wünschten. Genau wird man es nie wissen, denn die Wahl
       ist geheim.
       
       Ein Glaubwürdigkeitsproblem habe Deutschland aber auch in Bezug auf seine
       Entwicklungsausgaben, meint die entwicklungspolitische Sprecherin der
       SPD-Fraktion Sanae Abdi. „Die Kürzungen in diesem Bereich waren ein
       entscheidender Faktor“, vermutet sie. Deutschland habe sich da aus einer
       Rolle der Führung und der Verantwortung zurückgezogen.
       
       Die Bundesrepublik ist immer noch der zweitgrößte Zahler der UN, doch der
       Etat der Entwicklungsministerin schrumpft seit vier Jahren – pro Jahr um
       rund 1 Milliarde Euro. Das innerhalb der UN vereinbarte Ziel, dass reiche
       Länder jährlich 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung zur Unterstützung
       ärmerer Länder ausgeben, verfehlte Deutschland im vergangenen Jahr
       deutlich.
       
       Für Abdi liegen die Konsequenzen aus der Pleite auf der Hand. Statt
       Entwicklungsausgaben weiter zu kürzen, müssten diese nachhaltig aufgestockt
       werden. „Die Entwicklungszusammenarbeit ist unser wichtigstes
       außenpolitisches Instrument beim Aufbau langfristiger Partnerschaften“,
       sagt Abdi. Auch Mijatović ist überzeugt: „Wir brauchen jetzt mehr UN statt
       weniger und müssen unser Engagement ausbauen.“
       
       Aus der CDU kommen andere Töne. Wadephuls Parteifreund, der hessische
       Minister Manfred Pentz, warf die Frage auf, warum Deutschland weiter so
       viel Geld in die UN investieren sollte. Der Außenminister, der sich
       zunächst zweideutig äußerte, stellte nun klar: „Wir bleiben bei den UN
       genauso engagiert wie bisher.“
       
       5 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=b4qeYfFSVS8
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 (DIR) [3] /Kein-Sitz-im-UN-Sicherheitsrat/!6184355
 (DIR) [4] https://www.deutschlandfunk.de/nach-der-entscheidung-ueber-sitz-im-us-sicherheitsrat-interv-christoph-heusgen-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
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