# taz.de -- Plutonium-Experiment in USA: Vom Sprengkopf zum Reaktorbrennstoff
       
       > Die US-Regierung will Plutonium aus dem Kalten Krieg für Mini-AKWs
       > recyclen – und riskiert so Jahrzehnte der Politik gegen Verbreitung von
       > Kernwaffen.
       
 (IMG) Bild: Reaktor in Hanford, Washington
       
       Die US-Regierung treibt einen umstrittenen Plan voran, privaten Firmen
       überschüssiges waffenfähiges Plutonium aus dem Kalten Krieg anzubieten, um
       daraus Brennstoff für Reaktoren der nächsten Generation herzustellen. Das
       [1][Energieministerium hat nun fünf Unternehmen für weitere Verhandlungen
       ausgewählt].
       
       Befürworter erklären, mit dem Vorhaben könnten die USA ihre Abhängigkeit
       von anderen Ländern reduzieren – rund 90 Prozent des in Atomkraftwerken in
       den USA verwendeten Urans kommen aus dem Ausland. Kritiker halten dagegen,
       dass das Sicherheitsrisiko zu hoch sei und die internationalen Bemühungen
       zur Nonproliferation – zur [2][Nichtverbreitung von Atomwaffen]
       –untergraben werden könnten.
       
       Die USA setzen schon länger auf den [3][Ausbau der Atomenergie] und hoffen
       vor allem auf neue Reaktorkonzepte wie sogenannte Mini-AKWs, also modulare
       Reaktoren. Zuletzt hat Präsident Donald Trump mehrere
       Durchführungsverordnungen erlassen, die die Genehmigungsverfahren für
       Reaktoren verkürzen, die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Atomkraftwerke
       vorantreiben und eine bessere Versorgung mit Kernbrennstoffen sichern
       sollen.
       
       Das waffenfähige Plutonium aus dem Kalten Krieg könnte als Brennstoff für
       solche Reaktoren dienen. Jacob DeWitte von der kalifornischen [4][Firma
       Oklo], einem Entwickler von Mini-Reaktoren, betont: Der Mangel an
       radioaktivem Brennstoff ist eines der größten Probleme für diese neuen
       Atomkraftwerke. „Dieses Programm eröffnet einen Weg, vorhandenes
       überschüssiges Material als Übergangsbrennstoff für eine neue
       Reaktorgeneration zu nutzen. Material, das eigentlich zur Entsorgung
       vorgesehen war, kann stattdessen in Brennstoff umgewandelt werden“, sagte
       er.
       
       ## Sicherheitsfragen ungeklärt
       
       Auch das im vergangenen Jahr gestartete Programm für die kommerzielle
       Nutzung von waffenfähigem Plutonium ist das Ergebnis einer Verordnung von
       Trump. Das Energieministerium hatte Firmen aufgefordert, sich zu melden,
       wenn sie Interesse daran hätten, Plutonium zu recyclen, aufzubereiten und
       daraus atomare Brennstoffe herzustellen.
       
       Der Vorstoß hatte umgehend Kritik geerntet. Mehrere demokratische
       Abgeordnete erklärten in einem Schreiben an das Ministerium, das Programm
       werfe ernsthafte Sicherheitsfragen auf, besonders in Bezug auf die
       ungewollte Verbreitung von Waffen. Die USA hätten jahrzehntelang die
       kommerzielle Nutzung von Plutonium vermieden, weil Staaten mit AKWs nicht
       in der Lage sein sollten, Plutonium aus abgebrannten Brennelementen zu
       extrahieren – und es so für den Bau von Waffen verwendbar zu machen. Der
       US-Plan würde diese erfolgreiche Nichtverbreitungspolitik umkehren.
       
       Auch Ernest Moniz, Ex-Energieminister und Co-Vorsitzender der
       [5][unabhängigen Sicherheitsorganisation Nuclear Threat Initiative], warnte
       vor konkreten Risiken: mehr waffenfähiges Material im Umlauf, ein Anreiz
       für andere Staaten, entsprechende Technologien zu entwickeln, neue
       radioaktive Abfallströme und höhere Kosten für die Atomenergie.
       
       ## Fehlendes Endlager
       
       Neben Oklo wählte das Ministerium auch Exodys Energy, Shine Technologies,
       Standard Nuclear und Flibe Energy für die weiteren Verhandlungen aus.
       Sollte sich das Ministerium mit ihnen einigen, wäre es der erste bekannte
       Fall, dass die US-Regierung waffenfähiges Plutonium für private Unternehmen
       zugänglich machen würde.
       
       Das Energieministerium verfügt über mehr als 50 Tonnen an überschüssigem
       Plutonium aus früheren Atomwaffenprogrammen. Berichten zufolge sind fast
       die Hälfte davon, knapp 20 Tonnen, für das Projekt vorgesehen.
       
       Die US-Regierung will so auch [6][das Entsorgungsproblem] lösen. Denn das
       Land hat lediglich ein Endlager für militärische Transuran-Abfälle in New
       Mexico. Bevor waffenfähiges Plutonium dort eingelagert werden könnte,
       müsste es verdünnt und in eine zulässige Abfallform überführt werden. Ob
       das technisch möglich ist, ist umstritten. Auch politisch und
       sicherheitstechnisch gibt es Bedenken, weil [7][das Endlager für einen
       anderen Abfalltyp ausgelegt ist und 2014 bei einem Zwischenfall bereits
       Americium und Plutonium freigesetzt] wurden.
       
       2 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://edition.cnn.com/2026/05/26/climate/trump-administration-plutonium-deal-energy-companies
 (DIR) [2] https://www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/207392/b38bbdba4ef59ede2fec9e91f2a8179b/nvv-data.pdf
 (DIR) [3] /Milliarden-fuer-Mini-Reaktoren/!6164346
 (DIR) [4] https://oklo.com/newsroom/news-details/2024/Oklo-Inc.-Begins-Trading-on-the-New-York-Stock-Exchange/default.aspx
 (DIR) [5] https://www.nti.org/
 (DIR) [6] /Wohin-mit-dem-Atommuell/!6172317
 (DIR) [7] /Nach-Strahlungsleck/!5047438
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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