# taz.de -- Porträt über den OB von Görlitz: Mit Bündnis und Trompeten
       
       > Der Kulturpolitiker und Musiker Octavian Ursu (CDU) hat sich in Görlitz
       > gegen den AfD-Kandidaten durchgesetzt. Ein breites Bündnis stand hinter
       > ihm.
       
 (IMG) Bild: Zu nett für den Wahlkampf? Oberbürgermeister Octavian Ursu ist wiedergewählt worden
       
       Es gibt Politiker, die können noch gewinnend lächeln und strahlen. Nicht
       nur, wenn sie gerade für eine zweite siebenjährige Amtszeit als
       Oberbürgermeister von Görlitz bestätigt worden sind. „Der ist doch viel zu
       nett“, hörte man es 2019 schon raunen, als die Görlitzer CDU ihren
       Stadtvorsitzenden und [1][Solotrompeter der Neuen Lausitzer Philharmonie]
       Octavian Ursu zu ihrem Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt nominierte.
       Und das ausgerechnet gegen einen so harten Hund, wie den Polizisten
       Sebastian Wippel von der AfD. Doch Ursu gewann damals in der Stichwahl fast
       mit dem gleichen Ergebnis von 55,8 Prozent wie jetzt am Sonntag, wenn auch
       vor allem dank eines klugen Unterstützerbündnisses.
       
       Lächeln sah man den Musiker zuvor schon meist, wenn man mit ihm als einem
       der wenigen CDU-Kulturpolitiker im Landtag über Kulturfinanzierung
       diskutierte. Nicht immer freundlich und verbindlich konnte er bleiben, wenn
       er als Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates des Gerhart-Hauptmann-Theaters
       Görlitz-Zittau die Interessen seiner Kollegen vertrat. Im Wahlkampf später
       auch nicht, wenn ihn die AfD wegen seiner Herkunft aus Rumänien
       attackierte.
       
       Denn Octavian Ursu wurde 1967 in Bukarest geboren und studierte dort an der
       Nationalen Musikuniversität Musik und Pädagogik. Nach dem Staatsexamen
       siedelte er 1990 nach Deutschland über. Für den Weg in die CDU brauchte er
       immerhin 19 Jahre, zog 2009 für sie in den Görlitzer Stadtrat ein. 2015
       avancierte er gar zum CDU-Vorsitzenden im Landkreis Görlitz. Der aktive
       Musikant blieb den Künsten auch im Ehrenamt treu, engagiert sich für
       Kultureinrichtungen im Raum Görlitz und wurde 2015 in den Sächsischen
       Kultursenat und in das Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung
       gewählt.
       
       ## Investitionen, Kultur und die Grünen
       
       Für einen Sieg bei der OB-Wahl 2019 schien die eher stille, bescheidene Art
       Ursus zunächst nicht zu genügen. Im ersten Wahlgang lag er mit 30,3 Prozent
       rund sechs Punkte hinter dem AfD-Konkurrenten Sebastian Wippel. Über diese
       Figur und indirekt über den Wahlkampf schrieb der junge ostdeutsche und in
       Görlitz lebende Erfolgsautor Lukas Rietzschel das Theaterstück [2][„Das
       beispielhafte Leben des Samuel W.“] Mit Blick auf die Stichwahl am 31. Mai
       nahm das Hauptmann-Theater das Stück nochmals in den Spielplan.
       
       Die Analogien zwischen 2019 und 2026 fallen ins Auge. Diesmal führte der
       Amtsinhaber zwar schon im ersten Wahlgang, aber erst der Rückzug von Sabine
       Christian (Die Linke) und dem Parteilosen Hagen Jeschke nach dem ersten
       Wahlgang und ein breites Unterstützerbündnis sicherte den Erfolg. Aber auch
       als Pragmatiker hat Ursu erstaunlich gepunktet mit einem 2020 vorgelegten
       Sieben-Punkte-Programm. 300 Millionen Investitionen soll er in die Stadt
       geholt haben, wobei Parteifreund und Ministerpräsident Michael Kretschmer
       gewiss ein wenig geholfen hat.
       
       Wenn Ursu am Wahlabend versicherte, Oberbürgermeister aller Görlitzer sein
       zu wollen, klang das nicht wie die übliche Floskel. Und wer die
       ungewöhnlich bunte Maifeier vor einem Jahr auf dem Platz vor dem Theater
       erlebte, vernahm den Beifall unterschiedlichster Seiten für das
       Stadtoberhaupt. Auch die Grünen schlossen sich mit der CDU zum gemeinsamen
       Bündnis „Motor für Görlitz und Bürger für Görlitz“ zusammen, um Ursu zu
       stützen. Görlitz habe sich „für Zusammenhalt und Verlässlichkeit
       entschieden“, konstatierten sie nun nach der Wahl.
       
       Die Neiße teilt Görlitz in einen polnischen und einen deutschen Teil. Es
       bezeichnet sich oft als Europastadt, und für die ist der gebürtige Rumäne
       eine ideale Besetzung im Amt.
       
       1 Jun 2026
       
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 (DIR) [1] https://www.alles-lausitz.de/octavian-ursu-holt-am-24-die-trompete-hervor.html
 (DIR) [2] https://www.g-h-t.de/de/spielplan/das-beispielhafte-leben-des-samuel-w./
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Bartsch
       
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