# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Mindestens 18 Tote nach massiven Luftangriffen
       
       > In Kyjiw wurden Wohnhäuser durch Raketen getroffen. Orte in Grenzregion
       > zu Russland werden evakuiert. Ungarns neuer Präsident will Streit mit
       > Ukraine beilegen.
       
 (IMG) Bild: Rauch und Flammen: die ukrainische Hauptstadt Kyjiw in der Nacht zu Dienstag
       
       ## Behörden lassen Orte in Grenzregion evakuieren
       
       afp | Wegen fortgesetzter russischer Angriffe haben die Behörden in der
       Ukraine am Dienstag mehr als 7.000 Menschen in der im Nordosten gelegenen
       Grenzregion von Charkiw aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. „Angesichts
       der Sicherheitslage und der systematischen Angriffe des Feindes weiten wir
       die Zone der verpflichtenden Evakuierung aus“, erklärte der
       Regionalgouverneur Oleg Synegubow im Onlinedienst Telegram.
       
       Die Bewohner mehrerer Ortschaften waren betroffen.
       
       ## Magyar: Ungarn und Ukraine können noch diese Woche Differenzen beilegen
       
       rtr | Ungarn ‌und die ‌Ukraine können nach Ansicht des neuen
       Ministerpräsidenten Peter Magyar in Kürze ihre Differenzen beilegen. „Wir
       hoffen, dass wir diese Woche diese Verhandlungen auf technischer Ebene
       bereits abschließen können“, sagte Magyar am Dienstag nach seinem
       Antrittsbesuch bei Kanzler Friedrich Merz in Berlin.
       
       Magyar bezeichnete es als Voraussetzung für die ungarische Normalisierung
       des Verhältnisses mit der Ukraine, dass die dortige Regierung den 100.000
       ungarisch-stämmigen Einwohnern des Landes Minderheitenrechte zugesteht.
       Magyar betonte, dass Ungarn auch unter seiner Regierung keine Waffen oder
       Soldaten in die Ukraine schicken werde. ‌Nach seinem Wahlsieg gegen den
       moskaunahen Viktor Orban hatte Magyar aber Widerstand Ungarns gegen die
       Auslösung des 90-Milliarden-Euro-Kredits an die Ukraine beendet.
       
       Merz ⁠drängt darauf, dass die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine
       schnell beginnen sollen. „Wir verstehen, dass Budapest zunächst bilaterale
       Fragen klären will, wie etwa die Rechte der ungarischen ‌Minderheit in ‌der
       Ukraine“, sagte er. „Das darf aber ⁠nicht zu Lasten der europäischen
       Unterstützung gehen und uns nicht von dem Ziel abbringen, die
       Beitrittsverhandlungen mit ‌der Ukraine jetzt auch ‌mit dem ersten Kapitel
       förmlich zu eröffnen“, fügte er hinzu.
       
       ## Opferzahl steigt: Mindestens 18 Zivilisten getötet
       
       ap | Bei russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf die Ukraine sind
       mindestens 18 Zivilisten getötet worden. Mehr als 100 weitere Menschen
       wurden in der Nacht zum Dienstag verletzt oder unter Trümmern
       eingeschlossen, wie die ukrainischen Behörden mitteilten. Neben der
       Hauptstadt Kiew sei die Metropole Dnipro besonders schwer getroffen worden.
       Dort bargen Retter die Leichen eines dreijährigen Kindes, eines
       Achtjährigen und seiner Mutter.
       
       Einschläge habe es auch in Poltawa, Charkiw und Saporischschja gegeben,
       hieß es. Explosionen waren bis zum Morgengrauen zu hören. Präsident
       Wolodymyr Selenskyj sprach von einem groß angelegten Angriff. Nach Angaben
       der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland 73 Raketen ab und setzte 656
       Drohnen ein, von denen die Flugabwehr 40 Raketen und 602 Drohnen abfing. An
       mindestens 38 Orten wurden Treffer verzeichnet, darunter auch von
       Marschflugkörpern.
       
       ## Russland verzeichnet Gebietsverluste in Ukraine
       
       afp | Russland hat im zweiten Monat in Folge Gebietsverluste in der Ukraine
       verzeichnet. Wie aus einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage
       von Daten des in den USA ansässigen Institute for the Study of War (ISW)
       hervorgeht, verlor die russische Armee im Mai unter dem Strich die
       Kontrolle über rund 282 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums. Demnach
       erzielte die ukrainische Armee vor allem in der östlichen Region Donezk und
       in der Region Saporischschja im Süden des Landes Erfolge.
       
       Der Vormarsch der russischen Armee hatte sich der Analyse zufolge bereits
       in den Monaten zuvor erheblich verlangsamt: Im November 2025 hatte Russland
       noch 579 Quadratkilometer in der Ukraine eingenommen, im März waren es nur
       noch 23 Quadratkilometer. Im April verzeichneten die russischen Truppen
       dann erstmals seit fast drei Jahren Netto-Gebietsverluste und büßten unter
       dem Strich die Kontrolle über rund 120 Quadratkilometer ukrainischen
       Territoriums ein.
       
       Kiews Gebietsgewinne im April und Mai machen allerdings nur etwa 0,4
       Prozent des gesamten von Russland kontrollierten Gebiets in der Ukraine
       aus.
       
       Vielen Menschen in Kyjiw hatten sich in der Nacht in U-Bahnhöfe geflüchtet.
       Auch taz-Korrespondent Bernhard Clasen fand dort nach längerer suche einen
       Schlafplatz. [1][Hier sein Bericht].
       
       Mindestens vier Tote bei Angriffen auf Kyjiw
       
       afp/dpa/taz | Bei neuen russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die
       Ukraine sind in der Nacht zum Dienstag mehrere Menschen getötet und
       dutzende weitere verletzt worden. Allein in der Hauptstadt Kyjiw gab es
       nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens vier Todesopfer
       und 58 Verletzte, darunter zwei Kinder. Auch in anderen Landesteilen der
       Ukraine gab es massive russische Angriffe.
       
       Bei den nächtlichen Angriffen habe die russische Armee auch ballistische
       Raketen eingesetzt, erklärte die Militärverwaltung von Kyjiw. Mehrere
       Brände seien ausgebrochen. Russland hatte Kyjiw erst vor knapp zehn Tagen
       massiv mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Der ukrainische
       Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte seit Ende vergangener Woche mehrmals
       vor einem weiteren massiven russischen Luftangriff.
       
       Aus dem Stadtzentrum der Hauptstadt stieg laut dem Bericht von
       AFP-Korrespondenten eine große Rauchwolke auf, Einwohner eilten mit Taschen
       und Decken in die Schutzräume.
       
       In Kyjiw stürzte im Bezirk Podilskyj ein mehrstöckiges Wohnhaus nach einem
       Angriff ein, wie Bürgermeister Klitschko auf Telegram schrieb. Es werde
       befürchtet, dass Menschen unter den Trümmern verschüttet sind. Anderswo
       habe ein Angriff die oberen Stockwerke eines 15-stöckigen Wohnhauses
       beschädigt.
       
       „Explosionen in der Stadt. Die Luftabwehr ist aktiv“, erklärte
       Bürgermeister Klitschko. Zugleich rief er die Bevölkerung auf, unbedingt in
       Schutzräumen zu bleiben.
       
       Weitere Opfer in Dnipro und Charkiw
       
       dpa/taz | In der Stadt Dnipro wurden bei dem nächtlichen Angriff
       Behördenangaben zufolge mindestens fünf Menschen getötet und 25 weitere
       verletzt. Davon würden 23 aktuell im Krankenhaus behandelt, darunter ein 13
       Jahre altes Mädchen. In der östlichen Stadt Charkiw wurden dem
       Bürgermeister zufolge mindestens zehn Menschen verletzt.
       
       Russland griff auch Ziele in der Stadt Saporischschja an, [2][wo in der
       Nähe ein Atomkraftwerk steht].
       
       Russland meldet ukrainische Drohnenangriffe
       
       rtr | Zugleich meldeten russische Behörden am Dienstag ukrainische Angriffe
       auf eigenem Gebiet. In der südrussischen Region Krasnodar geriet demnach
       die Ölraffinerie Ilsky nach einem Drohnenangriff in Brand. In der an die
       Ukraine grenzenden ‌Region Belgorod sei ein elfjähriger ‌Junge verletzt
       worden, nachdem eine ukrainische Drohne ein Wohnhaus getroffen habe,
       teilten die Behörden auf Telegram mit. ⁠Zudem habe die Luftabwehr Drohnen
       über dem russischen Flottenstützpunkt Sewastopol auf der annektierten
       Halbinsel Krim abgewehrt. Insgesamt habe Russland in der vergangenen Nacht
       148 ukrainische Drohnen abgeschossen, meldeten russische
       Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium.
       
       Die ‌Angaben der Behörden beider Staaten aus den verschiedenen Regionen
       ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
       
       2 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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