# taz.de -- Wim Wenders und Nastassja Kinski: Wenders’ Trick
       
       > Der Starregisseur filmte Nastassja Kinski einst als Kind halbnackt. Seine
       > Verteidigungsstrategie bei der Filmpreisverleihung ist äußerst
       > fragwürdig.
       
 (IMG) Bild: Fragwürdige Verteidigungsstrategie: Wim Wenders bei der Preisverleihung
       
       Eine 13-Jährige muss sich bei Dreharbeiten halbnackt ausziehen und bekommt
       von einem Mann, nur mit Unterhose bekleidet, eine Ohrfeige verpasst. Das
       Kind war auf die Szene nicht vorbereitet. Die Darstellerin der verstörenden
       Szene aus dem vielfach prämierten Film „Falsche Bewegung“ von 1975,
       Nastassja Kinski, verlangt vom Regisseur Wim Wenders seit Jahren, dass er
       die Szene aus dem Film entfernt. Außerdem fordert sie eine Entschädigung.
       Der blockt ab.
       
       Altstar Wenders glaubte nun wohl bei der Verleihung des Deutschen
       Filmpreises, dass er mit einem Gang an die Öffentlichkeit das Thema
       abräumen könnte – aber das ist gründlich danebengegangen. Der 80-Jährige
       gab [1][bei seiner Rede auf der Filmpreisgala] – er erhielt den
       Ehren-„Lola“ für sein Lebenswerk – den zerknirschten Altmeister: Es sei
       damals eine andere Zeit gewesen, dem 29-jährigen Wenders von damals könne
       er keinen Vorwurf machen. Er will die Frage, ob und wie an Filmen
       nachträglich Hand angelegt werden darf, nun mit jüngeren FilmemacherInnen
       „diskutieren“. Er könne das Ganze nicht allein tragen.
       
       Ernsthaft jetzt? Es ist nicht bekannt, dass junge Regisseure demnächst
       vorhaben, 13-jährige Kinder halbnackt zu filmen. Die Causa ist eine Sache
       zwischen ihm und Nastassja Kinski, doch er weicht der direkten
       Auseinandersetzung mit ihr seit Jahren aus, [2][wie die Süddeutsche Zeitung
       recherchierte.]
       
       Wenders gab ein seltsames Beispiel, dass ein nachträgliches Schneiden von
       Filmen nicht gut sei: Stephen Spielberg entfernte einst eine martialische
       Szene aus seinem Film „E.T.“, was dieser später bereute. Aber da wurden
       nicht Kinder sexualisiert, da ging es um schwer bewaffnete Soldaten.
       
       Das Publikum aus Filmschaffenden spendete Wenders übrigens frenetischen
       Applaus. Sie sind dessen Trick, sein Problem an eine diffuse
       Diskussionsrunde zu delegieren, auf den Leim gegangen. Es war ein in jeder
       Hinsicht befremdlicher Moment. Es bleibt zu hoffen, dass Nastassja Kinski
       nun den Klageweg einschlägt, den sie bislang vermeiden wollte.
       
       31 May 2026
       
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 (DIR) [1] https://www.ardmediathek.de/video/deutscher-filmpreis-2026/deutscher-filmpreis-2026-die-gala/ard/Y3JpZDovL2FyZC5kZS9wbGFuQVJEX2U0Y2U1YzI5LTM2Y2ItNDQ4Ny1hYmJhLTFiMzFhMTY3M2E4YV9nYW56ZVNlbmR1bmc
 (DIR) [2] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/wim-wenders-nastassja-kinski-nacktszene-mit-13-jahren-in-handke-verfilmung-e711490/?reduced=true
       
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