# taz.de -- Hitzeduell bei French Open: „Das Wetter ist sein größter Gegner“
> Der Tennisweltranglistenerste Jannik Sinner scheidet in der Mittagshitze
> bei den French Open frühzeitig aus. Auch Ärzte können ihm nicht helfen.
(IMG) Bild: So schwach gefühlt wie noch nie: Jannik Sinner kann sich beim Spiel gegen Francisco Cerundolo kaum noch gerade halten
taz/dpa | Völlig erschöpft schleppte sich [1][Jannik Sinner] zum Netz,
gratulierte fair seinem Gegner und winkte ein letztes Mal ins Publikum. Der
Topfavorit hat bei den French Open nach einem körperlichen Einbruch
sensationell in der zweiten Runde verloren und damit die Titelchancen von
Alexander Zverev drastisch erhöht. Der 24 Jahre alte Italiener musste sich
bei größter Hitze in Paris von Krämpfen und Schwindelgefühlen geplagt dem
Argentinier Juan Manuel Cerundolo mit 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6 geschlagen
geben.
„Ich hatte keine Energie. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das
letzte Mal so schwach gefühlt habe. Aber es ist, was es ist“, erklärte
Italiens Tennisstar nach der Partie.
Sinner hatte im dritten Satz schon mit 5:1 geführt – ehe sein Körper
streikte und sich dramatische Szenen auf dem Court Philippe Chatrier
abspielten. Danach gewann der Weltranglistenerste nur noch zwei Spiele.
Damit sind die Hoffnungen des deutschen Tennisstars Zverev auf den
ersehnten Grand-Slam-Turniersieg deutlich größer geworden. Sinner, der
Zverev neunmal in Serie in direkten Duellen geschlagen hat, galt als
größter Titelkonkurrent des Hamburgers. Zverev war am Mittwochabend mit
einem souveränen Dreisatzsieg gegen den Tschechen Tomas Machac in die
dritte Runde eingezogen.
## „Sehr schwindelig“
Für Sinner war es die erste Niederlage nach zuvor 30 Siegen in Serie. Als
auf dem Court Philippe Chatrier alles schon nach einem Zweitrundensieg im
Eiltempo aussah, kam es zu einer drastischen Wendung: Die Mittagshitze mit
30 Grad und viel Sonne bereiteten Sinner nun doch riesige Probleme. Er
humpelte, dehnte sich und massierte sein linkes Bein bei einer Pause auf
der Bank selbst. Nach einem Ballwechsel lehnte er sich völlig erschöpft an
eine Bande.
„Es muss wirklich extrem schlimm sein, er bewegt sich ja keinen Millimeter
mehr“, sagte Philipp Kohlschreiber am Donnerstag. Beim Stand von 5:4 und
0:40, nachdem Sinner 15 Punkte in Serie verloren hatte, beantragte er eine
medizinische Auszeit. Ihm sei auch „sehr schwindelig“, sagte der Südtiroler
zu einem Physiotherapeuten. Und der Schiedsrichterin sagte er, dass er sich
dehydriert fühle und sich übergeben müsse.
Auch nach der Pause litt Sinner, und so verlor er fast ohne Widerstand den
dritten Satz. Danach verließ er wieder den Platz für eine Kabinenpause.
Nach der Rückkehr bewegte sich der Italiener etwas besser, gut fühlte er
sich aber nicht. Teilweise kauerte er im Schatten und musste sich fast
übergeben. Immer wieder beugte er sich auf seinen Schläger und atmete
schwer.
„Wie er sich jetzt da seit eineinhalb Stunden rumschleppt und quält, das
ist schon richtig, richtig bitter“, sagte Kohlschreiber. Der angeschlagene
Favorit versuchte, die Ballwechsel so kurz wie möglich zu halten. Er
spielte phasenweise nur noch aus dem Stand. Cerundolo spielte clever, er
streute zahlreiche Stopps ein und spielte mit viel Spin. Nach 3:36 Stunden
stand die größte Überraschung des bisherigen Turniers fest.
Bei ähnlichen Bedingungen hatte Sinner zuletzt einige Male körperliche
Probleme gehabt. In der vergangenen Saison musste Sinner bereits [2][bei
einem Turnier im US-amerikanischen Cincinnati ein Spiel wegen zu großer
Hitze aufgeben.] „Wir Rothaarigen tun uns bei großer Hitze schwer“, hatte
Tennisidol Boris Becker schon vor dem Zweitrundenmatch gesagt: „Das Wetter
ist sein größter Gegner.“
Das letzte Mal, dass Sinner in der zweiten Runde bei einem
Grand-Slam-Turnier ausgeschieden war, war vor drei Jahren – ebenfalls in
Paris. Sein Gegner damals war der deutsche Profi Daniel Altmaier.
29 May 2026
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