# taz.de -- Profisport und Klimakrise: Wenn sogar die Sneakers schmelzen
       
       > Beim Tennisturnier in Cincinnati hielt Sinner im Finale der Hitze nicht
       > stand. Für die meisten Sportverbände spielt die Klimakrise dennoch keine
       > Rolle.
       
 (IMG) Bild: Total am Ende: der Italiener Jannik Sinner gab am Montag in Cincinnati frühzeitig im Finale gegen den Spanier Carlos Alcaraz auf
       
       Berlin taz | Irgendwann trifft sie uns alle, die Klimakrise. Ja, auch die
       wohlhabenden Tennisliebhaber und die von ihnen bejubelten Profis. Das
       Finale des Cincinnati Open (unter anderem gesponsert durch Cadillac,
       Emirates u. v. m.) am Montag endete nach nur etwa 20 Minuten.
       
       Die Fans, die bestimmt nicht wenig für die Karten gezahlt hatten – hatten
       sich wohl ein spektakuläreres Spiel erhofft, vielleicht sogar ein Finale
       wie beim diesjährigen Roland Garros, bei dem Jannik Sinner und Carlos
       Alcaraz ganze fünfeinhalb Stunden grandiosen Tennis spielten.
       
       Die beiden traten auch diesmal gegeneinander an, doch Sinner hielt den
       Temperaturen über 30 Grad nicht lange stand. Bei einem Rückstand von 5:0
       gab er auf. Man kann darüber jetzt natürlich schadenfreudig schmunzeln.
       
       Denn Tennis zählt vermutlich zu einer der Sportbranchen mit den höchsten
       CO2-Emissionen. Allein die vielen Reisekilometer, die die Profis in kurzer
       Zeit – also mit dem Flugzeug – zurücklegen. „The climate strikes back“
       also.
       
       ## Kollabierende Balljungen
       
       Ja, das Klima schlägt zurück. Und zwar ziemlich heftig und schon seit
       Längerem. Es ist nicht das erste Mal, dass Tennisspieler in der Hitze fast
       kollabieren. Während der Australian Open 2014 lagen die Temperaturen teils
       bei über 40 Grad, mehrere Spieler gaben auf, ein Balljunge kollabierte,
       über 1000 Fans erlitten einen Hitzschlag, Wasserflaschen und Sneakers
       schmolzen in der Hitze. 2018 zeigten während der US Open die Thermometer
       zeitweise sogar 49 Grad an.
       
       [1][Doch nicht nur der Tennis leidet unter den steigenden Temperaturen.]
       Hitzewellen können für jede:n Sportler:in lebensbedrohlich werden. 2019
       wurde aufgrund der Hitze vorsichtshalber der New York Triathlon abgesagt.
       
       Beim der deutschen Tischtennis-Meisterschaft brachen die Spielerinnen des
       TTC Berlin Eastside im Juni das Rückspiel gegen Weinheim ab und verloren
       dadurch, in der Halle soll die Temperatur fast 39 Grad betragen haben. Und
       natürlich hat die Klimakrise beträchtliche Auswirkungen auf den
       Wintersport: Es fehlt der Schnee.
       
       Ganz genau kann man den sportlichen ökologischen Fußabdruck übrigens nicht
       festmachen, und das, obwohl die Welt des Sports doch so sehr auf Zahlen und
       Statistiken fixiert ist. Die einzigen einigermaßen gründlichen Studien gibt
       es nur im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen, Fußball-WM und EM.
       
       ## CO2-Reduzierung? Fehlanzeige
       
       Der deutsche Tennisprofi Alexander Zverev ließ vor einigen Jahren den
       CO2-Fußabdruck seines Teams untersuchen: zwischen Mai 2021 und Mai 2022
       legte dieses rund 500.000 Kilometer zurück, das macht etwa 250 Tonnen CO2.
       So viel verursachen 27 Durchschnittsdeutsche im Jahr.
       
       Schätzungen zufolge liegt der ökologische Fußabdruck des weltweiten Sports
       bei über zehn Millionen Tonnen CO2. Doch auch wenn ihre Profis regelrecht
       drohen, [2][an den Emissionen zu ersticken,] spielt das Thema bei den
       meisten Sportverbänden keine große Rolle. Fossile Unternehmen sind beliebte
       Sponsoren. Nachhaltigkeitsstrategien oder Versprechen zur CO2-Reduzierung
       gibt es selten.
       
       [3][Selbst bei der Anpassung an die Klimafolgen tut man sich schwer.]
       Immerhin sind Trinkpausen im Fußball mittlerweile normalisiert. Die
       Verschiebung eines Tischtennisspiels, weil es fast 39 Grad in der Halle
       hat, eher nicht. Im Tennis ist es normal, ein Match wegen Unwetter und
       Starkregen zu unterbrechen und am nächsten Tag fortzusetzen. Bei extremer
       Hitze nicht. Man sollte aber mal darüber nachdenken.
       
       Am Sonntag startet die US Open, das beliebte Grand-Slam-Turnier auf dem
       Hartplatz, der sich bekanntlich besonders stark erhitzt. Während des
       Turniers 2023 warnte der russische Spieler Daniil Medvedev aufgrund der
       Hitze: „Ein Spieler wird sterben.“ Da wäre dann wirklich niemanden mehr zum
       Schmunzeln zumute.
       
       22 Aug 2025
       
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