# taz.de -- Verhandlungen um Frieden in Gaza: Warum es weiter an der Entwaffnung der Hamas scheitert
       
       > Die Friedensgespräche zum Gazastreifen sind in eine Sackgasse geraten.
       > Nun erwägt der Friedensrat Alternativen. Doch kann das was werden?
       
 (IMG) Bild: Die Lage im Gazastreifen bleibt katastrophal: Nach einem Angriff am 20. Mai in Gaza
       
       Der Friedensrat für den [1][Gazastreifen] des US-Präsidenten Donald Trump
       hat den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Donnerstag aufgefordert,
       von der Hamas eine Entwaffnung zu verlangen. So soll die weitere Umsetzung
       des Waffenstillstandsabkommens aus dem vergangenen Herbst ermöglicht
       werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bleibe das Haupthindernis für die
       vollständige Umsetzung des Waffenstillstands die Weigerung der Hamas, eine
       überprüfte Entwaffnung zu akzeptieren, so der Friedensrat in einem Bericht.
       Dieser liegt der taz vor.
       
       Am 21. Mai informierte der Hohe Vertreter des Friedensgremiums, Nikolai
       Mladenow, den UN-Sicherheitsrat über den Bericht. Und legte einen Fahrplan
       vor, in dem die Verpflichtungen Israels und der Hamas zur Umsetzung eines
       dauerhaften Waffenstillstands dargelegt sind.
       
       Die Hamas wies den Bericht unterdessen zurück. Die Gruppe sei angeblich
       bereit, die Macht an ein technokratisches Komitee zu übergeben. Der Bericht
       erschien, nachdem mehrere Verhandlungsrunden in Kairo im April und Mai
       nicht in die entscheidende zweite Phase von Trumps
       20-Punkte-Waffenstillstandsplan übergehen konnten – insbesondere was die
       Entwaffnung der Hamas betrifft.
       
       Der Waffenstillstand sieht außerdem einen Rückzug Israels, die Einsetzung
       eines neuen technokratischen palästinensischen Komitees, die Stationierung
       einer internationalen Sicherheitskraft sowie den Wiederaufbau großer Teile
       des palästinensischen Gebiets nach mehr als zwei Jahren Krieg vor.
       
       Mladenow legte der Hamas Anfang März einen Entwaffnungsvorschlag vor, der
       eine Entwaffnung im Austausch dafür vorsah, dass Israel seinen
       Verpflichtungen nachkommt. Dazu zählen etwa die Einfuhr von Baumaterialien
       nach Gaza.
       
       ## Hinter den Kulissen der Gespräche
       
       Mladenow und der US-Berater Aryeh Lightstone hielten in Kairo mehrere
       Treffen mit einer Hamas-Delegation unter der Leitung von Khalil al-Hayyah
       ab, um den in zwölf Punkten dargelegten Entwaffnungsvorschlag zu erörtern.
       Die Hamas bestand jedoch laut eigener Erklärung auf „der Umsetzung aller
       Bestimmungen der ersten Phase“, um einen „ernsthaften Dialog“ über die
       zweite Phase zu ermöglichen.
       
       Lightstone und Mladenow strebten eine Zustimmung der Hamas zum
       Entwaffnungsvorschlag „ohne Garantien oder einen Weg zu einem unabhängigen
       palästinensischen Staat“ an, sagt Mohamed Khayal – ein ägyptischer
       Journalist, der als den Verhandlungskreisen nahestehend gilt – der taz.
       
       [2][Die Hamas] wolle, „dass ihre Waffen unter arabischer oder
       internationaler Aufsicht beiseitegestellt oder gelagert würden, um
       sicherzustellen, dass sie während eines langfristigen Waffenstillstands von
       10 bis 15 Jahren bis zur Gründung eines palästinensischen Staates nicht
       eingesetzt werden“, sagte Khayal. Dies stehe im Widerspruch zu Mladenows
       Vorschlag, der die „Entwaffnung und vollständige Vernichtung der Waffen“
       der Hamas und anderer Gruppen fordert.
       
       Während der Gespräche legte die Hamas zudem dar, was sie als israelische
       Verstöße gegen den Waffenstillstand in der ersten Phase bezeichnete: die
       fast täglichen Angriffe und die anhaltenden Einschränkungen bei
       Hilfslieferungen.
       
       ## Ägypten macht zusätzliche Vorschläge
       
       Die Hamas und andere Fraktionen werfen Mladenow vor, eine israelische
       Position einzunehmen, die sich ausschließlich auf die Entwaffnung
       konzentriere. Sie forderten, die Verhandlungen wieder in den traditionellen
       Vermittlungsrahmen unter der Führung von Ägypten, Katar und der Türkei
       zurückzuführen.
       
       Um die Verhandlungen am Leben zu erhalten, habe Ägypten nun drei weitere
       Verhandlungspunkte vorgeschlagen. So solle für die Fortsetzung der
       Verhandlungen guter Wille geschaffen werden, sagte Khayal.
       
       Zu diesen gehört ein sofortiger Rückzug Israels hinter die sogenannte
       orangefarbene Linie. Damit ist das Gebiet gemeint, das Israel unter
       Verletzung des Waffenstillstandsabkommens seit Beginn der Waffenruhe neu
       erobert hatte. Dabei hatte es seine Kontrolle auf etwa 60 Prozents des
       Gebiets ausgedehnt, während Israel gemäß dem Abkommen nur etwa 53 Prozent
       gestattet wären. Die Vorschläge sehen außerdem die Einfahrt der
       vereinbarten 600 Hilfs-Lastwagen sowie ein Ende der Angriffe vor, sagte
       Khayal.
       
       Dass Israel nun 60 Prozent Gazas kontrolliert, hatte Premier [3][Benjamin
       Netanjahu] letzte Woche während einer Veranstaltung zum Jerusalem-Tag
       bestätigt. Er sagte: „Heute kontrollieren wir 60 Prozent, morgen werden wir
       sehen.“
       
       ## Ein alternativer Weg?
       
       Dass der Krieg wieder in vollem Ausmaß in Gaza beginnt, gilt als wenig
       wahrscheinlich: Die USA teilten Israel laut dem amerikanischen
       Nachrichtenportal Axios jüngst mit, dass sie das nicht unterstützen würden.
       
       Unterdessen trafen sich Mladenow und der US-Diplomat Lightstone mit
       Netanjahu, um einen „alternativen Plan“ zu erörtern, wie man ohne die Hamas
       vorankommen könnte. Also: Trumps Plan nur in den Gebieten fortzusetzen, die
       nicht unter der Kontrolle der Hamas stehen. In diesem israelisch besetzten
       Teil Gazas leben aber nur wenige palästinensische Zivilisten.
       
       22 May 2026
       
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