# taz.de -- Lobbytreffen der Bundesregierung: Vonovia willkommen als Gast
       
       > Die Immobilienlobby wird von der Bundesregierung öfter zu Gesprächen
       > eingeladen als die Mieterlobby. Das hat die Linkenpolitikerin Caren Lay
       > erfragt.
       
 (IMG) Bild: Proteste gegen Vonovia in Berlin im Jahr 2024
       
       Seit Amtseintritt am 6. Mai 2025 führte die schwarz-rote Bundesregierung 51
       Gespräche mit Vertreter*innen der Immobilienlobby. Im gleichen Zeitraum
       fanden nur 34 Gespräche mit Vertreter*innen der Mieterlobby statt. Das
       geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der
       Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Linke) hervor, die der taz vorliegt.
       
       Aufgeschlüsselt wird darin nur, wie viele Treffen in welchem Ministerium
       stattgefunden haben, aber nicht, wer genau eingeladen wurde. „Eine
       Verpflichtung zur Erfassung sämtlicher Gespräche – einschließlich
       Telefonate – beziehungsweise deren Ergebnisse“ bestehe nicht, heißt es in
       der Antwort.
       
       Was im Prinzip heißt: Es könnten mehr sein und über die Inhalte wird nichts
       verraten. Es wird sogar explizit darauf hingewiesen, dass die Daten
       „möglicherweise nicht vollständig sind“. Die Angaben erfolgten auf
       Grundlage „der vorliegenden Erkenntnisse sowie vorhandener Unterlagen und
       Aufzeichnungen, die im Rahmen der vorgegebenen Beantwortungsfristen zur
       Verfügung“ stünden. Berücksichtigt wurden die zehn größten privaten
       Wohnungskonzerne sowie sechs Verbände der Wohnungswirtschaft.
       
       Die Bundestagsabgeordnete Lay fragte nochmal explizit nach, wie oft im
       gleichen Zeitraum der private Wohnungskonzern Vonovia zu Gesprächen
       eingeladen war. Vonovia ist Deutschlands größter Vermieter, nach
       Unternehmensangaben hat der Konzern knapp 471.000 Wohnungen in Deutschland.
       
       ## Lückenhafte Angaben
       
       Seit Regierungsantritt durfte der Konzern insgesamt 12 Mal vorsprechen.
       Jeweils einmal direkt mit der Wohnungsministerin Verena Hubertz (SPD) und
       dem Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). Zehnmal wurde Vonovia auf der
       Ebene von Staatssekretär*innen empfangen, davon zweimal sogar im
       Kanzleramt.
       
       Auffällig ist: In der ersten Antwort der Bundesregierung tauchte kein
       einziges Treffen der Immobilienlobby im Kanzleramt auf. Und das, obwohl
       Vonovia zu jenen zehn größten Wohnungskonzernen gehört, die bei der
       Beantwortung berücksichtigt worden waren. Auf die widersprüchlichen Angaben
       angesprochen, antwortete das Kanzleramt der taz, dass in der Antwort
       bereits darauf hingewiesen wurde, dass die Angaben „möglicherweise nicht
       vollständig“ sein.
       
       Vonovia fällt immer wieder mit Tricksereien auf. Der Wohnungskonzern
       verschickte schon mehrfach unzulässige Mieterhöhungen. Allein im
       vergangenen Jahr wurden laut MDR [1][500 Klagen in Dresden verhandelt], bei
       denen Vonovia versuchte, eine Mieterhöhung zu erzwingen. Laut Gericht hat
       der Konzern die meisten Prozesse verloren. Auch in Berlin wehrten sich
       Mieter*innen, [2][die durch die Linkspartei vernetzt wurden, erfolgreich
       gegen Mieterhöhungen.]
       
       Angesichts dieser Missstände sei „unverständlich, warum die Bundesregierung
       dem Immobilienkonzern ein so großes Ohr schenkt“, sagte Caren Lay der taz.
       Sie hoffe, dass die Bundesregierung in den Gesprächen darauf dränge, die
       Missstände zu beheben und „sich nicht vom Immobilienriesen in die
       Gesetzgebung reinreden“ lasse.
       
       ## Regelmäßige Anfrage
       
       Auf Nachfrage der taz im Bundeskanzleramt und im Bundesbauministerium, ob
       die unzulässigen Mieterhöhungen thematisiert wurden, hieß es nur, dass dazu
       „keine Auskünfte gegeben werden“.
       
       Lay erfragt seit Jahren, wie oft sich die Bundesregierung mit verschiedenen
       Interessensvertreter*innen der Immobilienlobby und der Mieterlobby
       trifft. Deswegen lässt sich auch sagen: Die schwarz-rote Bundesregierung
       [3][trifft sich nicht häufiger mit der Immobilienlobby als zuletzt die
       Ampelregierung im Jahr 2024.]
       
       Lay fordert mehr Transparenz über die Gespräche. Wenn die Bundesregierung
       den Wohnungskonzernen und der Lobby der profitorientierten
       Wohnungswirtschaft mehr Gesprächszeit schenke als Mieter*innen, dann werde
       nachvollziehbar, „warum der Mieterschutz so langsam vorankommt“.
       
       Um den Einfluss von Lobbyverbänden auf die Politik deutlicher offenzulegen,
       müsse „das Lobbyregistergesetz verschärft werden“. Derzeit berät eine von
       der Bundesregierung eingesetzte Kommission, wie man besser gegen Verstöße
       gegen die Mietpreisbremse und Wuchermieten vorgehen kann. Ergebnisse soll
       es Ende des Jahres geben.
       
       28 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dresden-radebeul/vonovia-miete-streit-klagen-gericht-100.html
 (DIR) [2] /Mietenprotest-zeigt-Wirkung/!6135139
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/caren.lay/p/DGV38DgM99Z/?locale=bz-hans&hl=am-et&img_index=2
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasmin Kalarickal
       
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