# taz.de -- Linke über Vonovia: Dem Kopf der Mietmafia an den Kragen
> Die Linke hat unter dem Motto „Schluss mit der Abzocke“ mit
> Vonovia-Mieter:innen gesprochen. Am Ende steht echte Hilfe statt reinem
> Wahlkampf.
(IMG) Bild: Vonovia zockt Mieter ab. Dagegen regt sich Widerstand
Der Saal des Theaters an der Parkaue ist voll. Rund 100 Menschen sind zur
[1][Mieter:innenversammlung] in Lichtenberg gekommen, die die
Linkspartei in mehreren Berliner Stadtteilen organisiert. „Wer ist Mieter
bei Vonovia?“, fragt Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner ins Publikum. Fast
alle heben die Hand. „Und wer hat sich schon einmal über die geärgert?“
Lachen erfüllt den Raum.
Zumindest alle hier anwesenden Vonovia-Mieter:innen haben schon einmal
Probleme gehabt. Der Wohnungskonzern ist der größte Europas. Alleine in
Berlin [2][besitzt Vonovia 140.000 Wohnungen]. An seine Aktionär:innen
hat er im vergangenen Jahr etwa eine Milliarde Euro an Dividende
ausgeschüttet. Geld, das von den Mieter:innen stammt.
Vonovia ist aber nicht einfach nur ein finanziell erfolgreiches
Unternehmen. „Der Konzern fällt immer wieder durch Abzocke auf“, sagt Elif
Eralp, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und Spitzenkandidatin der
Partei. Etwa mit Heizkostentricks oder illegalen Mieterhöhungen.
Etwa ein Viertel der Anwesenden sind aus Lichtenberg, der Rest aus anderen
Bezirken – geklärt natürlich basisdemokratisch per Handzeichen. Zum
Aufschlag laden die Politiker:innen aber erst mal zur „Murmelrunde“ –
zum Austausch mit den Sitznachbar:innen. Gemurmelt wird fleißig, der
Redebedarf ist hoch.
## Vonovia als schlechtes Vorbild
Dass die Probleme für Mieter:innen keine Einzelfälle sind, ist
offensichtlich. Es sei sogar Strategie von Vonovia, sagt Niklas Schenker,
mietenpolitischer Sprecher der Fraktion. „Wir sind hier, um zu verstehen,
welche das ist und was wir dagegen tun können.“ Vonovia sei nämlich nicht
nur „einer der dreistesten Vermieter der Stadt“, sondern auch Vorbild für
andere. Vieles, was der Konzern tut, werde von anderen Unternehmen kopiert.
„Vonovia ist der Kopf der Mietmafia“, so Schenker. Dass die Linke das so
sagen darf, hat das Landgericht im Januar bestätigt.
Letzten Winter sei seine Heizung monatelang ausgefallen, erzählt Martin in
das ihm gereichte Mikrofon. Auch sein Anwalt ist dabei. „Wenn man sich
wehrt, kann man auch gegen die Vonovia einiges rausholen“, sagt er. Die
Linke unterstützt Mieter:innen bundesweit bei Widersprüchen gegen
Mieterhöhungen oder unrechtmäßigen Forderungen. Das ist Wahlkampf, aber es
zeigt auch Wirkung: „Gerade vor zwei Monaten haben wir wieder gegen Vonovia
gewonnen“, berichtet Spitzenkandidatin Eralp.
Sich zu wehren, lohnt sich, sagt auch Birgit Stenzel, ebenfalls
Parteimitglied. Die Rechtsanwältin ist Beraterin beim Berliner Mieterverein
im Bezirk. Im Winter habe sie so viele Heizungsausfälle erlebt wie noch
nie. „Vonovia ist mein Lieblingsgegner, gegen die gewinnt man fast immer.“
Deshalb müssten Mieter:innen sich zusammenschließen. Nicht alle aus dem
Publikum können ihre Geschichte ins Mikro sprechen. Damit niemand ungehört
bleibt, werden die Anwesenden auf die Bühne gebeten. Drei Stehtische
inklusive Ansprechpartner:innen der Partei stehen dort bereit.
Auch Mieterin Ines ist schon wegen der Nebenkostenabrechnung erfolgreich
gegen den Konzern vorgegangen, sagt sie der taz. „Aber es gibt noch mehr
Probleme, dafür brauche ich die anderen Mieter.“ Sie habe nicht das Geld
für weitere Prozesse. Eine Rentnerin erzählt von jahrelangem Briefwechsel
mit Vonovia, den sie nur wegen ihrer Nachbar:innen durchgehalten habe:
„Schließt euch zusammen, man ist nicht mehr so alleine und hat keine Angst
mehr vor den Briefen“, empfiehlt sie.
Nach dem Austausch ist klar, viele Überraschungen hat es nicht gegeben:
Tricksereien, falsch abgelesenen Zähler, dubiose Nachzahlungsforderungen.
„Was wir in anderen Vonovia-Siedlungen antreffen, hat sich auch in
Lichtenberg gezeigt“, sagt Elif Eralp, um deren Rolle bei den Wahlen im
September es nur gekonnt beiläufig geht. Wenn alles klappt mit der
Wegner-Nachfolge, sagt sie der taz, ist es die Mietenfrage, an der sie sich
messen lassen will.
Nach der Veranstaltung bleibt ein großer Teil des Publikums noch vorm
Theater in Gespräche vertieft. [3][Mit ihrer Wahlkampfveranstaltung hat die
Linke] an diesem Abend auf jeden Fall eines erreicht: Mieter:innen
zusammenzubringen. Und gegen die Mietkonzerne ist nichts wirkungsvoller.
6 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Marco Fründt
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