# taz.de -- Sparprogramm in Österreich: Bildung wird zu Grabe getragen
       
       > Tausende Studierende protestierten in Wien gegen geplante Budgetkürzungen
       > bei den Universitäten. Hochschulvertreter sprechen von einem „Super-GAU“.
       
 (IMG) Bild: Studierende in Wien tragen bei ihrem Protest am Mittwoch die Hochschulbildung zu Grabe
       
       Mehrere junge Männer und Frauen tragen einen Sarg bis direkt vor das
       Bundeskanzleramt in Wien. Die Menge der Demonstrierenden teilt sich und
       lässt sie durch, applaudiert und pfeift. Es ist die Forschung, die hier
       symbolisch zu Grabe getragen wird. Rund um den Sarg: Transparente,
       Trillerpfeifen, Trommeln.
       
       Tausende überwiegend junge Menschen sind am bisher heißesten Tag des Jahres
       nicht zu Hause geblieben, sondern haben am Mittwoch gegen den geplanten
       Kahlschlag protestiert. Auf ihren Schildern steht, was viele denken:
       „Stirbt die Bildung, stirbt die Zukunft“ und „Dummheit ist teurer als
       Bildung“.
       
       [1][Die Koalition aus konservativer ÖVP, sozialdemokratischer SPÖ und
       liberalen Neos] hat sich seit ihrer Regierungsübernahme vor gut einem Jahr
       [2][einen Sparkurs auf die Fahnen geschrieben]. Dabei sind für die
       Universitäten besonders tiefe Einschnitte vorgesehen: Für die Periode 2028
       bis 2030 soll das Budget um 1 Milliarde Euro gekürzt werden, von derzeit
       16,5 Milliarden auf 15,5.
       
       Die Hochschulen hatten eigentlich mit einer Erhöhung gerechnet, um
       wenigstens die Inflation auszugleichen. Die Universitätenkonferenz sprach
       von einem „Super-GAU“, der zum Wegfall Tausender Stellen und zum Einstellen
       ganzer Studiengänge führen könne.
       
       ## Studiengebühren wieder im Gespräch
       
       Auch Studiengebühren, die 2008 unter der SPÖ abgeschafft wurden, sind
       plötzlich wieder im Gespräch. Für viele Studierende wäre das angesichts der
       ohnehin gestiegenen Lebenshaltungskosten kaum zu stemmen.
       
       „Ich bin mir ziemlich sicher, dass unser Studiengang einer der Ersten sein
       würde, die weggespart werden“, sagt Orientalistikstudent Moritz (22) bei
       der Demo. Und wenn? „Dann studiere ich halt woanders. In Deutschland,
       Italien, der Schweiz. Dann haben die halt den Vorteil, dass ich dort bin.“
       Dabei wäre Österreich gern ein Land, das schlaue Köpfe aus aller Welt
       anzieht. Nur sei die Politik nicht dementsprechend.
       
       Der 32-jährige Physikdoktorand Jakob von der TU Wien sieht es strukturell:
       „Wenn man mitten in der Krise steckt, sollte man in die Zukunft
       investieren. Aber die Regierung hat keine Zukunftsvision.“ Sein Kollege
       nickt: Hätte es das geplante Budget vor vier Jahren schon gegeben, hätte er
       heute keine Doktorandenstelle.
       
       Noah und Isabella, beide 25, fürchten um ihren Studiengang Klassische
       Philologie: „Unsere Masterstudierenden haben schon heute kaum mehr Aussicht
       auf Doktoratsstellen.“ Auch die angebotene Spezialisierung im Studiengang
       würde bei Einsparungen wohl wegfallen.
       
       Auf der Bühne spricht Brigitte Hütter, Präsidentin der Österreichischen
       Universitätenkonferenz. Was mit dem neuen Budget drohe, seien drastischer
       Personalabbau, schlechtere Studienbedingungen, weniger Forschungsleistung –
       all das bei Institutionen, die für gerade einmal 4 Prozent des
       Staatsbudgets „Enormes“ leisteten. Dass ausgerechnet jetzt gespart werde,
       während Europa die Forschungsausgaben erhöhe, mache die Schieflage noch
       deutlicher.
       
       ## Studierendenvertretung fordert Kurswechsel
       
       Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) formuliert es in einer Erklärung
       noch schärfer: Was gerade passiere, sei „ein direkter Angriff auf unsere
       Hochschulen, auf unsere Bildung und auf die Zukunft von uns allen.“ Während
       Unibudgets zusammengestrichen würden, blieben große Vermögen und
       klimaschädliche Subventionen in Milliardenhöhe unangetastet. Die
       Studierendenvertretung fordert einen Kurswechsel und kündigte an, falls
       nötig den Druck zu erhöhen.
       
       Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) versuchte am Tag davor
       im ORF-Interview zu beruhigen: Sie strebe für 2028 bis 2030 ein Budgetplus
       an, die Verhandlungen liefen erst im Herbst. Die ÖH lässt das nicht gelten:
       Die Vertagung schaffe keine Sicherheit, es brauche jetzt Klarheit.
       
       Manuel (25) aus Mainz schließt gerade seinen Master in Environmental
       Sciences ab. Valerie (28) aus dem Ahrtal beendet ihr Doktorat im selben
       Studiengang nächstes Jahr. Dann also, wenn die Kürzungen schon greifen
       dürften. Beide betonen, ihr Fach wachse gerade, was die drohenden Kürzungen
       besonders paradox mache. Für Manuel ist klar: „Es ist wichtig, ein Zeichen
       zu setzen.“
       
       Insgesamt seien 28.000 Studierende gekommen, heißt es später von der ÖH.
       Für den Donnerstag sind weitere Proteste in den Landeshauptstädten Linz,
       Klagenfurt, Salzburg und Graz angekündigt.
       
       28 May 2026
       
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