# taz.de -- Motorradhersteller KTM unter Verdacht: Volle Power, falsche Papiere
> Geländemotorräder des österreichischen Herstellers KTM sollen illegal
> umgebaut und falsch zugelassen worden sein. Das Kraftfahrt-Bundesamt
> ermittelt.
(IMG) Bild: Gefälschtes Kennzeichen, Nummer weggekratzt: Der Fahrer dieses KTM-Krads hat Regeln gebrochen – wohl unabhängig vom aktuellen Fall
Ein Motorrad, das im Auslieferungszustand niemand fahren will: Hinter
diesem Widerspruch steckt ein Geschäftsmodell, das den österreichischen
Hersteller KTM nun in die Kritik bringt. Eine internationale Recherche,
unter anderem von [1][ZDF], Spiegel, Der Standard und Le Monde zeigt:
KTM-Händler sollen in sieben europäischen Staaten Enduro-Geländemotorräder
verkaufen, die zwar offiziell für die Straße zugelassen sind, im
tatsächlichen Betrieb aber den Anforderungen nicht gerecht werden.
Um das zu dokumentieren, gingen die Reporter 15-mal verdeckt als
Kaufinteressenten zu KTM-Händlern. Das Ergebnis sei überall das gleiche
gewesen berichten sie: Kunden bekamen aufgerüstete Maschinen mit
Zulassungsdokumenten, die über die tatsächlichen Eigenschaften
hinwegtäuschen. Koordiniert wurde die Recherche von der Organisation
[2][„Climate Whistleblowers“].
Werkseitig kommen die Maschinen gedrosselt und straßenzugelassen beim
Händler an. Was aber direkt mitgeliefert wird, ist der komplette Umbausatz,
mit dem sich die Leistung von 15 auf 50 PS erhöhen lässt. Nicht selten
kümmert sich direkt der Händler darum. Die deutlich stärkeren Maschinen
entsprechen jedoch nicht den Vorschriften für den Straßenverkehr.
[3][Messungen der Tschechischen Agraruniversität Prag] machen den
Unterschied zwischen Papier und Realität greifbar: Die KTM 300 EXC TPI
etwa, die der Hersteller als „Zweitakt-Kraftpaket“ bewirbt, überschreitet
im Betrieb ohne Drosselung die zulässigen Abgaswerte um mehr als das
Zehnfache. Auch der Lärm liegt weit jenseits der erlaubten Grenzwerte.
## Mögliche Straftatbestände
In Österreich waren 2025 rund 11.000 Enduros der KTM-Gruppe zugelassen. Für
Deutschland fehlen vergleichbare Zahlen, das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat
jedoch Ermittlungen aufgenommen.
Armin Kaltenegger vom [4][österreichischen Kuratorium für
Verkehrssicherheit] zählte im Gespräch mit dem ORF auf, was Fahrern solcher
Maschinen droht: Die Bremsen entsprächen nicht den Vorschriften, oft fehle
zudem die passende Führerscheinklasse für die tatsächliche Motorleistung.
Wer wissentlich mit falschen Zulassungsangaben unterwegs sei, begehe
Versicherungsbetrug. Strafbar machen könnten sich auch Händler, die beim
Umgehen der Vorschriften mithelfen.
Für KTM kommt die Enthüllung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Erst Ende 2024
hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet und die Produktion in
Mattighofen monatelang stilllegen müssen. Der indische Fahrzeughersteller
Bajaj Auto sicherte das Überleben mit einer Finanzspritze und übernahm
dabei die Kontrollmehrheit. Der neue Skandal trifft das Unternehmen mitten
in seiner Erholungsphase.
## Hersteller reagiert gelassen
KTM weist die Vorwürfe vollständig zurück. Alle Fahrzeuge verließen das
Werk im vorschriftsgemäßen Zustand, so das Unternehmen. Umbauten erfolgten
stets auf ausdrücklichen Kundenwunsch. Käufer würden dabei klar darauf
hingewiesen, dass die Straßenzulassung damit erlischt. Den Emissionsvorwurf
relativiert der Konzern mit dem Hinweis, dass Motorräder in Deutschland
gerade einmal 0,3 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen verursachten.
Doch auch politisch wird der Druck bereits größer. Die grüne EU-Abgeordnete
Lena Schilling zieht einen historischen Vergleich: Sollten sich die
Vorwürfe bestätigen, wäre das ein neuer Abgasskandal. Die Österreicherin
kritisiert zudem, dass KTM europäische Fördermittel in Millionenhöhe
erhalten und möglicherweise [5][europäische Umweltregeln] umgangen habe.
Schilling fordert eine lückenlose Aufklärung, auch darüber, warum
bestehende Kontrollmechanismen womöglich nicht gegriffen haben.
27 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.zdfheute.de/wirtschaft/abgasskandal-motorrad-hersteller-europa-ktm-100.html
(DIR) [2] https://www.climatewhistleblowers.org/unrestricted-motorcycle-giant-ktm-facilitated-widespread-emission-evasion/
(DIR) [3] https://theicct.org/publication/exhaust-and-noise-emissions-unrestricted-enduro-motorcycle-may26/
(DIR) [4] https://www.kfv.at/
(DIR) [5] /EU-Vorgaben-fuer-Abgase/!6035808
## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
## TAGS
(DIR) Abgase
(DIR) Verkehr
(DIR) Schwerpunkt Motorradlärm
(DIR) Motorrad
(DIR) Zulassung
(DIR) Österreich
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Österreich
(DIR) Schwerpunkt Stadtland
(DIR) Schwerpunkt Motorradlärm
(DIR) Lesestück Recherche und Reportage
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Sparprogramm in Österreich: Bildung wird zu Grabe getragen
Tausende Studierende protestierten in Wien gegen geplante Budgetkürzungen
bei den Universitäten. Hochschulvertreter sprechen von einem „Super-GAU“.
(DIR) Aktivistin über Autos in der Stadt: „Wir müssen Verbote aussprechen“
Anne Gläser will weniger Autos in der Stadt. Sie engagiert sich deswegen in
der Initiative Berlin autofrei, die dafür einen Volksentscheid anstrebt.
(DIR) Schädliche Motorrademissionen: Knatter-Kritiker fordern besseren Lärmschutz
In Berlin haben sich Motorradlärm-Gegner zu einer Tagung getroffen. Zu viel
Krach kann nicht nur stören, sondern sogar krank machen.
(DIR) Unnötig laute Motorräder und Autos: Schummelklappen im Auspuff
Firmen wie BMW bauen Motorräder und Autos so, dass sie lauter sind als
nötig wäre. Das ermöglichen realitätsferne Zulassungstests.