# taz.de -- Besiedelung des Westjordanlands: Israel enteignet erstmals heilige Stätte im Westjordanland
> Das Grab des Propheten Samuel wird nahe Jerusalem verortet. Nun ist es
> unter israelischer Kontrolle – und ähnliche Pläne soll es für den
> Tempelberg geben.
(IMG) Bild: Nabi Samuel liegt wenige Kilometer nördlich von Jerusalem im sogenannten C-Gebiet des besetzten Westjordanlands
kna/taz | Mit dem Grab des Propheten Samuel hat Israel erstmals eine
islamische heilige Stätte in den besetzten palästinensischen Gebieten
enteignet. Nach Angaben der israelischen Friedensorganisation Peace Now
erließ Israels Zivilverwaltung einen Enteignungsbeschluss für insgesamt
knapp 11 Hektar Land in Nabi Samuel nahe Jerusalem. Auf dem Gebiet befinde
sich auch die Moschee mit der als Grab des Propheten Samuel verehrten
Stätte. Sie ist bisher im Besitz der islamischen Behörde Waqf, [1][die auch
die heiligen islamischen Stätten auf dem Tempelberg verwaltet].
2018 war nach Einsprüchen von Anwohnern zunächst ein 2013 vorgelegter
Bebauungsplan für das Gebiet abgelehnt worden. Nun setzte die israelische
Koordinationsstelle für Regierungsaktivitäten in den besetzten Gebieten
(Cogat) das Vorhaben durch.
Auf dem enteigneten Gebiet liegen laut Peace Now auch ein
[2][archäologischer Park], Ackerflächen, eine Quelle sowie Zufahrtsstraßen.
Die Organisation wirft der Behörde unter Finanzminister Bezalel Smotrich
(Religiöser Zionismus) vor, auf diese Weise die Annektierung des
Westjordanlands voranzutreiben. Die Enteignung einer religiösen Stätte
drohe „einen politischen Konflikt in einen Religionskrieg zu verwandeln“.
Cogat verwies auf mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens des Waqf bei
Renovierungsplänen. Die aufgrund von Sicherheitsbedenken notwendigen
Arbeiten geschähen in Übereinstimmung mit dem Gesetz und zum Wohle aller
Gläubigen, teilte die Behörde auf Anfrage der Katholischen
Nachrichten-Agentur (KNA) mit.
## Nabi Samuel liegt im C-Gebiet
Das palästinensische Gouvernement Jerusalem, auf dessen Gebiet Nabi Samuel
liegt, warf Israel laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa vor,
unter dem Deckmantel von Entwicklung und Restaurierung systematisch die
Übernahme palästinensischer archäologischer Stätten anzustreben. Sie solle
dazu dienen, die von Israel beanspruchte Souveränität über ganz Jerusalem
durchzusetzen sowie die palästinensische und islamische Präsenz aus dem
öffentlichen Raum der Stadt auszuschließen.
Nabi Samuel, arabisch Nabi Samwil, liegt wenige Kilometer nördlich von
Jerusalem im sogenannten C-Gebiet des besetzten Westjordanlands, das nach
den Oslo-Abkommen unter ziviler wie militärischer Kontrolle Israels steht.
Israel hatte 1971 die um die Stätte lebenden palästinensischen Bewohner
vertrieben, das Gelände 1995 zum Nationalpark erklärt und archäologische
Ausgrabungen begonnen.
Juden, Christen und Muslime verorten an dieser Stelle das Grab des
biblischen Propheten Samuel. Seit den 1980er Jahren gibt es auf dem Gelände
getrennte muslimische und [3][jüdische Gebetsbereiche].
Eine ähnliche Enteignung gab es auch 2025: Damals war ein Innenhof [4][an
den Patriarchengräbern in Hebron] betroffen. Seinerzeit argumentierte die
Behörde, es handele sich bei dem enteigneten Bereich um eine Freifläche und
der jüdische Gebetsbereich benötige ein Dach. Im vergangenen November
enteignete Cogat zudem 180 Hektar rund um die archäologische Stätte
Sebastia im Norden des besetzten Westjordanlandes.
## Medienbericht zum Al-Aqsa-Plateau sorgt für Aufregung
[5][Das Medium Middle East Eye berichtete am Montag], dass die USA und
Israel „aktiv daran“ arbeiteten, „die Autorität des von Jordanien
unterstützten Islamischen Waqf“ über den Al-Aqsa-Komplex in der Altstadt
von Jerusalem zu beenden. Dieser befindet sich auf einem Plateau, an das
die Klagemauer grenzt. Der Al-Aqsa-Komplex solle dann zu einem
„interreligiösen Zentrum“ erklärt werden, die Verwaltung der Stätte auf
diese Weise „eng an israelische Interessen angepasst“ werden, schreibt das
Medium.
Unter der neuen Regelung solle jüdischen Gläubigen „gleichberechtigter
Zugang“ zu dem Komplex gewährt werden, jüdische Gebete sollen offiziell
zugelassen werden. Derzeit ist dies eigentlich Muslimen vorbehalten. Die
dort stationierten Polizisten lassen jüdische Gläubige aber bereits heute
immer wieder ihre Gebete verrichten – [6][darunter den rechtsextremen
Minister für Innere Sicherheit, Itamar Ben Gvir].
Eine Bestätigung des Berichts seitens Israels gibt es bislang nicht. Middle
East Eye gilt als von Katar finanziert. Dem Medium wird immer wieder
vorgeworfen, der Muslimbruderschaft nahezustehen. Middle East Eye bezieht
sich in seinem Bericht auf verschiedene Quellen aus den USA, Jordanien, den
Golfstaaten und den palästinensischen Gebieten.
27 May 2026
## LINKS
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(DIR) [5] https://www.middleeasteye.net/news/palestine-al-aqsa-us-israel-strip-jordan-custodianship-sources-say
(DIR) [6] https://www.timesofisrael.com/in-first-ben-gvir-openly-leads-prayers-on-temple-mount-in-violation-of-status-quo/
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