# taz.de -- ÖPNV in Schweden: 50 Prozent Rabatt auf Monatstickets
> Die rechte Regierung in Stockholm setzt auf ein traditionell linkes Thema
> – und verbilligt das Pendeln mit Bus und Bahn. Muss einen das ärgern?
(IMG) Bild: 6,5 Milliarden Kronen (rund 600 Millionen Euro) will die Regierung zur Entlastung beim Pendeln mit Bus und Bahn bereitstellen
Monatskarten zum halben Preis: Wer in Schweden den öffentlichen Nahverkehr
seiner Region nutzt, kann ab Juli von einer Rabattaktion der Regierung
profitieren. Vorübergehend bis Ende Dezember bekommen regionale
Verkehrsverbände eine entsprechende Förderung, wenn sie ihre Monatstickets
50 Prozent billiger machen.
Das teilten die liberal-konservative Regierung von Ministerpräsident Ulf
Kristersson und ihr Kooperationspartner, die rechten Schwedendemokraten, am
Dienstag mit. Sie begründeten die Maßnahme mit der [1][durch den Krieg im
Nahen Osten entstandenen Treibstoffkrise]. 6,5 Milliarden Kronen (rund 600
Millionen Euro) will die Regierung zur Entlastung beim Pendeln mit Bus und
Bahn bereitstellen.
Bislang hatte sie vor allem den Autoverkehr gefördert. Benzin und Diesel
waren in Schweden schon vorher durch politische Maßnahmen vergleichsweise
günstig, in der aktuellen Krise werden die Preissteigerungen mit
zusätzlichen vorübergehenden Abgabesenkungen in Schach gehalten. „Wir
versuchen, das schwedische Volk durch eine sicherheitsmäßig und ökonomisch
ziemlich komplizierte Zeit zu bringen“, sagte Kristersson bei der
Vorstellung der neuen ÖPNV-Maßnahme.
Zielgruppe seien nun Pendler im öffentlichen Nahverkehr in ganz Schweden,
als Gegenstück zur bisherigen Unterstützung für diejenigen, die mit dem
Auto zur Arbeit führen. [2][Mehr ÖPNV-Nutzung senke auch den Druck auf den
Benzinverbrauch], so Kristersson. Zahlen dazu nannte er nicht.
## Strohfeuer für den ÖPNV
Experten sagten schwedischen Medien, die Zahl der auf öffentliche
Verkehrsmittel umsteigenden Pendler dürfte sich, Erfahrungen aus anderen
Ländern zufolge, in Grenzen halten.
Der Verband der Busunternehmer reagierte mit eingeschränktem Lob: Dass die
Regierung durch eine gezielte Aktion die Bedeutung des ÖPNV anerkenne,
nannte die Branchenvertretung einen positiven ersten Schritt, „dem
natürlich langfristige Maßnahmen folgen müssen“.
Punktuelle Einsätze in Wahlkampfzeiten [3][mache das System nicht robust
für die Zukunft]. Unklar sei außerdem, wer für mögliche Kostensteigerungen
durch mehr Fahrgäste aufkäme.
## Linkes Thema besetzt
In Schweden ist der Wahlkampf längst im Gange, gewählt wird im September.
Dass diese Regierung sich plötzlich einem traditionell eher linken Thema
wie [4][bezahlbarem ÖPNV] widmet, sorgte auch deshalb für starke Reaktionen
aus der Opposition.
Die Sozialdemokraten sprachen der Regierung die Glaubwürdigkeit ab, sie
habe gegen alle sozialdemokratischen Vorschläge zu einem besseren und
günstigeren ÖPNV gestimmt. Jetzt kämen sie mit einer vorübergehenden
Preissenkung, „desperat angesichts der Unzufriedenheit in der Bevölkerung“,
sagte Generalsekretär Tobias Baudin dem Sender TV4.
Auch die schwedischen Grünen und die Linkspartei nennen die Maßnahme ein
„Wahlkampfmanöver“ und kritisieren, dass die rechte Regierung den
ÖPNV-Sektor bislang ignoriert habe. Sie loben dennoch die Maßnahme an sich
– und betonten dabei, ihre Parteien seien dafür, die Preise für
Monatskarten dauerhaft zu senken. Ein Schwedenticket nach [5][Vorbild des
Deutschlandtickets] gehört längst zu den Maßnahmen im Parteiprogramm, mit
denen die Grünen den ÖPNV stärken wollen.
27 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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