# taz.de -- Kölner Punkband Grenzkontrolle: Ziemlich divenhafter Punk
       
       > Roh, düster und selbstbewusst: Die Kölner Punkband Grenzkontrolle
       > erinnert mit ihrer krachigen neuen EP an die Anti-NS-Widerstandsgruppe
       > Edelweißpiraten.
       
 (IMG) Bild: Grenzkontrolle mit Laster
       
       Eines Morgens schlägt Don L. Gaspár Ali die Zeitung auf. „Steht da einfach:
       Katy Perry war im Weltall“, berichtet der Sänger der Kölner Band
       Grenzkontrolle der taz. „Und dann erzählt sie auch noch etwas davon, wie
       schützenswert die Erde ist, obwohl sie mit ihrem Flug ins All die Umwelt
       massiv zerstört.“
       
       Aus Wut darüber, dass Medien so etwas erwähnenswert finden, ist der
       Grenzkontrolle-Song „Katyperry!“ entstanden. Gesellschaftliche Missstände
       treiben das Quartett aus Köln zu immer neuen Songs an. „Wo kommen wir
       dahin?“, fragen sie, wenn sie über Wohnungsnot, Polizeigewalt, Rassismus,
       abwesende Väter und die ausbleibende Revolution singen.
       
       „Wir sehen uns als Spiegel der Gesellschaft“, erklärt Don. „Wir leben in
       einer Zeit, in der wir nicht viel Gutes in den Nachrichten lesen. Darüber
       müssen wir Musik machen.“ Grenzkontrolle will Veränderung oder die
       „Revolution“, wie ihre Debütsingle heißt. Passend dazu heißt ihre zweite
       EP, die am 29. Mai erscheint, „Piraten“. Damit erinnern Grenzkontrolle an
       die Kölner-Jugend-Widerstandsgruppe „Edelweißpiraten“, die in der NS-Zeit
       gegen die Nazis ihr Leben aufs Spiel setzte.
       
       Gegründet hat Don L. Gaspár Ali die Band 2025, weil er nach einem neuen
       Ventil für seine Gedichte suchte. Inzwischen spielen bei Grenzkontrolle
       Schlagzeugerin Roza Rot, Gitarrist Kodia Funk und Bassist Schuttland mit
       Don. Gemeinsam kreieren sie einen basslastigen, düsteren Sound, der
       teilweise sehr roh klingt. Musikjournalist:Innen verglichen die Songs
       von Grenzkontrolle bereits mit Meisterwerken von Fehlfarben und DAF.
       
       ## In hedonistischer Tradition
       
       Mit einer orthodoxen Auslegung von Punk will sich die Band aber nicht
       aufhalten. „Wir mischen viel miteinander– Dark Wave, Rap, alles“, sagt Don.
       Außerdem spiele Grenzkontrolle schon „sehr divenhaften Punk“, erklärt der
       Sänger und meint damit neben der Musik eine Lebenseinstellung.
       
       Die Band inszeniert sich in einer eigenen Ästhetik: mal im strasssteinigen
       Ed-Hardy-Shirt, mal in feinsten Anzügen. Die hedonistische Tradition von
       Ausgehen und Sich-dafür-Auftakeln gibt es in den unterschiedlichen
       Kulturen, in denen die Bandmitglieder von Grenzkontrolle aufgewachsen sind.
       Die vielfältigen Backgrounds der KünstlerInnen prägen auch ihre
       erfrischende Klangmischung: Der Gitarrist arbeitet nebenher als
       Performance-Tänzer, Roza Rot produziert Musik und experimentiert mit
       elektronischen Sounds, Don spielt jenseits von Grenzkontrolle auch Theater.
       
       Außerdem sei ihnen der Bezug zur Community mindestens so wichtig, wie die
       Musik, sagt Don. So schreibt die Band passend auf ihrer Website: „Was ist
       eine Band ohne ihre Gemeinschaft? Richtig, eine tote Band!“ Auch Köln
       spielt dabei eine wichtige Rolle. Don ist hier aufgewachsen „Wir Kölner
       sind wirklich stolz auf unsere Stadt, denn sie hat immer ihre Türen offen,
       egal, wer du bist.“ Passend dazu heißt der Titelsong aus ihrer neuen EP
       „Neumarkt“, ein zentraler Ort in Köln.
       
       ## Schwarze Punx
       
       Die Menschen bei ihren Konzerten müssten das meist erst einmal verarbeiten,
       was sie da sehen, so Don. [1][Obwohl Punk schon von Beginn an von Schwarzen
       Menschen geprägt wurde], ist Grenzkontrolle in der mehrheitlich weißen
       deutschen Punkszene eine Ausnahme. „Wir passen nicht ins Bild, das die
       Leute von Punk haben.“ Dabei stehen Grenzkontrolle mit der gleichen
       Selbstverständlichkeit und Attitüde auf der Bühne, wie alle anderen auch.
       Nur: „So wie wir aussehen, ist es unabdingbar, politisch zu sein“, bemerkt
       Don.
       
       Ihre Songs sind dabei auch immer Appelle: Organisiert euch, „There is no
       Planet B“, Die Band will aber nicht in ihren Songtexten moralisieren. „Wir
       wollen mit unserer Musik Leute ohne Fingerzeig dazu bringen, sich mit
       Themen auseinanderzusetzen, um ins Gespräch zu kommen“, sagt Don. „Für uns
       ist es nur wichtig, dass wir die Regeln darüber, was wir machen und wie wir
       es sagen, selbst aufstellen.“ Trotz der Themenschwere verliert
       Grenzkontrolle dabei nie den Humor. Die Band schafft es, das Absurde der
       Gegenwart sichtbar zu machen, ohne daran zu zerbrechen.
       
       „Wir zeigen, dass es sich lohnt, sich für positive Belange einzusetzen, und
       zu versuchen, das Hier und Jetzt besser zu machen.“ Im September kommt
       Grenzkontrolle auch nach Berlin. Bislang ist ihr Konzert im Badehaus in
       Friedrichshain geplant, doch Don hofft auf eine größere Bühne. Sein Traum:
       einmal im Kreuzberger „SO36“ zu spielen. Das wäre ein passender Ort für
       eine Band, die Punk nicht als Nostalgie versteht, sondern als
       künstlerischen Ausdruck einer offenen, widersprüchlichen und lebendigen
       Gegenwart.
       
       28 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ann-Kathrin Leclère
       
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