# taz.de -- Elektroautos stabilisieren das Stromnetz: Geld verdienen mit dem E-Auto
       
       > Konzerne legen erste Tarife für die Rückgabe von Strom aus der Batterie
       > ins Netz vor. Die Stabilisierung des Stromnetzes wird vergütet.
       
 (IMG) Bild: Elektrisch tanken: Die Ladestation der Zukunft kann Strom nicht nur ein-, sondern auch ausspeichern
       
       Lange war alles nur Theorie, jetzt drängen die ersten Angebote auf den
       Markt: Besitzer eines Elektroautos können Geld verdienen, indem sie ihre
       Fahrzeugbatterie während des Stillstands des Autos an der Landestation dem
       Stromnetz zur Verfügung stellen, um dieses zu stabilisieren.
       
       BMW kooperiert dabei mit Eon, Volkswagen vermarktet den konzerneigenen
       Stromtarif „Volkswagen Naturstrom“. Auch Mercedes plant, noch 2026 in
       dieses Geschäftsmodell einzusteigen. Die bedarfsgerechte Rückspeisung aus
       der Autobatterie ins Netz, das „bidirektionale Laden“, sei „[1][für die
       Autoindustrie] eine der zentralen Zukunftstechnologien“, sagt Marcus
       Bollig, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA).
       
       Notwendig ist dafür eine bidirektionale Ladeinfrastruktur, also eine
       Wallbox, die Energie nicht nur ins Fahrzeug, sondern auch zurück ins Netz
       oder Gebäude liefern kann. Speisen Nutzer den Strom ins Netz, wird das
       Konzept als V2G (Vehicle-to-Grid) bezeichnet. Verbrauchen sie den Strom aus
       der Autobatterie im eigenen Haushalt, heißt es V2H (Vehicle-to-Home).
       
       Der Konzern BMW teilt mit, sein Angebot sei nutzbar von „Elektrofahrzeugen
       der Neuen Klasse mit der 6. Generation BMW eDrive Technologie, beginnend
       mit dem neuen BMW iX3“. Um Energie aus dem Hochvoltspeicher des Fahrzeugs
       zurück ins Stromnetz zu speisen, benötigten Nutzer eine BMW Wallbox
       Professional, sowie ein intelligentes Messsystem, ein Smart Meter. Dieses
       Messsystem ist ein digitaler Stromzähler. Anders als herkömmliche Zählern
       erfasst es den Stromverbrauch und die Einspeisung in Echtzeit und
       übermittelt die Daten automatisch an den Netzbetreiber oder Stromanbieter.
       
       ## Bonus pro Stunde an der Wallbox
       
       Der Stromverkauf durch Eon an den Kunden erfolgt bei diesem Paket zu einem
       fixen Arbeitspreis, der je nach Region in Deutschland etwas unterschiedlich
       ist und bei durchschnittlich rund 33 Cent pro Kilowattstunde liegt. Für
       jede zurückgespeiste Kilowattstunde erhält der Kunde eine Vergütung in Höhe
       von 40 Cent. Die Vorteile [2][eines dynamischen Stromtarifs] – also das
       bevorzugte Laden der Autobatterie bei niedrigen Börsenstrompreisen –
       bleiben dem Kunden in diesem Fall verwehrt. Hier nutzt der Stromanbieter
       die Preisschwankungen im Großhandel für sein Geschäft.
       
       Der wesentliche Erlös ergibt sich für den Fahrzeugbesitzer aus einem Bonus,
       den er für jede Stunde erhält, in der das Fahrzeug mit der bidirektionalen
       Wallbox verbunden und die Funktion V2G aktiviert ist. Der Bonus beläuft
       sich auf 24 Cent pro Stunde und ist auf 60 Euro pro Monat gedeckelt; er ist
       unabhängig davon, ob tatsächlich Strom ins Netz gespeist wird oder nicht.
       In der zugehörigen App kann der Kunde den gewünschten Ladezustand seiner
       Autobatterie zu einem bestimmten Zeitpunkt hinterlegen. Denn natürlich soll
       auch die Mobilität stets gewährleistet sein.
       
       Ganz ähnlich ist das Angebot, das der Volkswagen-Konzern entwickelt hat und
       über seine Marke Elli abwickelt. Kunden werden auch hier „einen
       Fixpreistarif erhalten und für ihre Ansteckzeit belohnt“, erklärt eine
       Sprecherin des Unternehmens. Zu den konkreten Konditionen und
       Abrechnungsmodellen werde das Unternehmen „im Rahmen der finalen
       Vorstellung im Juni detailliert informieren“. Ab dem vierten Quartal soll
       das Produkt verfügbar sein.
       
       Die Angebote sind bisher nur für das Laden ins Netz konzipiert, noch nicht
       für V2H. „Wir arbeiten derzeit an einem V2H-Produkt für eine breite
       Nutzergruppe, und werden zu gegebener Zeit darüber informieren“, teilt Eon
       auf Anfrage mit. Bei Volkswagen heißt es ebenso, das Unternehmen betrachte
       V2H „als komplementären Anwendungsfall“; er werde aktuell in Pilotprojekten
       erprobt. Die Erkenntnisse daraus flössen in die Weiterentwicklung eines
       kommerziellen Angebots ein, denn perspektivisch sehe man V2G und V2H „als
       Teil eines integrierten Gesamtsystems“.
       
       Unterdessen setzen Forscher sich auch bereits mit dem bidirektionalen Laden
       von Nutzfahrzeugen auseinander. Das Fraunhofer-Institut für
       Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE untersucht gemeinsam mit MAN
       Truck & Bus, wie [3][batterieelektrische LKW] zu einem aktiven Bestandteil
       des Energiesystems werden können. Dazu entwickelt das Institut ein System,
       das die Fahrzeuge über die Ladeinfrastruktur von Logistikstandorten
       anbindet und die Flexibilität, die sich durch variable Lade- und
       Entladezeiten ergibt, an den Spotmärkten der Börse vermarktet.
       
       Der VDA betont, die deutsche Automobilindustrie sei „von den Potenzialen
       des bidirektionalen Ladens überzeugt“ und arbeite „mit Hochdruck an der
       Standardisierung des Gesamtsystems“. Es seien bereits mehr als 30 in
       Deutschland verfügbare Fahrzeugmodelle für die Rückspeisung ins Stromnetz
       vorbereitet.
       
       Ab 2027/28 erwartet der VDA „eine umfassende Interoperabilität“: Es sei das
       Ziel, dass jedes Fahrzeug an jeder Ladestation oder Wallbox laden und
       Energie zurückspeisen kann. „Der VDA und seine Mitglieder treiben diese
       Entwicklung mit Nachdruck voran“, sagt Geschäftsführer Bollig. Die Norm ISO
       15118 definiere dabei die Kommunikation zwischen Fahrzeug und
       Ladeinfrastruktur und sei „ein zentraler Baustein für den Erfolg des
       bidirektionalen Ladens“.
       
       ## Deutschland liegt noch immer zurück
       
       Allerdings liege Deutschland bei der kommerziellen Anwendung von V2G im
       internationalen Vergleich noch zurück, so der VDA. Der entscheidende Grund
       dafür sei der bislang fehlende regulatorische Rahmen. Zwar habe der
       Bundestag Ende des vergangenen Jahres mit der Novelle des
       Energiewirtschaftsgesetzes wichtige Weichen zur Abschaffung der
       Doppelbelastung gestellt. Denn bislang fallen Stromnebenkosten im Falle
       einer Rückspeisung in das öffentliche Versorgungsnetz auf ein- und dieselbe
       Kilowattstunde doppelt an. Doch die Umsetzung der Beschlüsse durch die
       Bundesnetzagentur stehe weiterhin aus.
       
       Seinen potenziellen Kunden erklärt Eon zudem eine Einschränkung: Das
       V2G-Angebot gelte „ausschließlich für Fahrzeuge in reiner Privatnutzung“.
       Firmenwagen kämen auch bei erlaubter Privatnutzung aus steuerlichen Gründen
       nicht in Frage. Denn während beim Privatfahrzeug die Einnahmen aus der
       Stromvermarktung als sogenannte Liebhaberei bei der Ertragsbesteuerung
       nicht relevant sind, ist das bei Firmenfahrzeugen anders. In diesem Fall
       rät der Stromversorger Interessierten, steuer- und arbeitsrechtliche Folgen
       vorab mit dem Arbeitgeber und einem Steuerberater zu klären.
       
       26 May 2026
       
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