# taz.de -- Nachruf auf Slow-Food-Gründer Petrini: Mit links genießen
> Carlo Petrini, genannt Carlin, hob ein Gegenmodell zum Fast Food aus der
> Taufe. Inzwischen arbeitet das Netzwerk global. Und wird weiterleben.
(IMG) Bild: Der „Slow Food“-Gründer Carlo Petrini, hier während der Berlinale 2015 in Berlin, ist im Alter von 76 Jahren gestorben
dpa Es begann mit einem Protest gegen eine McDonald's-Filiale in Rom,
daraus wurde ein weltweites Netzwerk für gute Ernährung: Der Gründer der
weltweiten Genussbewegung Slow Food, Carlo Petrini, ist [1][im Alter von 76
Jahren gestorben.] Der Italiener starb am Donnerstagabend nach langer
Krankheit in seiner Heimatstadt Bra, einer 30.000-Einwohner-Gemeinde in der
norditalienischen Region Piemont, wie die Organisation mitteilte.
Petrini hatte erheblichen Anteil daran, dass heutzutage in vielen Ländern
auf eine bessere Ernährung geachtet wird. Vielfach wurde er als
„Genuss-Rebell“ bezeichnet. Slow Food (Langsam Essen) hatte er Mitte der
1980er Jahre mit dem Ziel gegründet, ein „Recht auf Genuss“ sowie auf gute,
saubere und faire Lebensmittel für alle zu fördern.
Inzwischen ist die Bewegung in mehr als 160 Ländern vertreten, auch in
Deutschland. Sie versteht sich ausdrücklich als Gegenmodell zum sogenannten
Fast Food (Schnelles Essen) aus den USA. Die Bewegung lebt von lokalen
Gruppen, die Kochkurse, Verkostungen und Besuche bei Herstellern
organisieren.
Petrini – oder „Carlin“, wie ihn die meisten nannten – wurde 1949 in Bra
geboren. Als Linker verstand er sich als Teil der 1968er-Bewegung. Nach
einem abgebrochenen Soziologie-Studium arbeitete er als Gastronom,
Journalist und Schriftsteller. Im Juli 1986 hob er in seiner Heimat die
Initiative Agricola aus der Taufe, aus der dann Slow Food Italia wurde.
## Ein Essen an der Spanischen Treppe
Anlass war, dass der US-Konzern McDonald's eine Filiale an der Piazza
Navona eröffnen wollte, einem der bekanntesten Plätze der italienischen
Hauptstadt. Zusammen mit Freunden aus dem Piemont – die Gruppe nannte sich
nach dem dortigen gleichnamigen Wein „Freunde des Barolo“ – organisierte
Petrini ein großes Essen an der Spanischen Treppe in Rom. Daraus wurde dann
Slow Food.
Als Grundlagen seiner Ernährungsphilosophie nannte er drei Begriffe:
„Buono, pulito e giusto.“ („Gut, sauber und fair“.) Das Logo von Slow Food
ist eine Weinbergschnecke als Symbol der Langsamkeit. Im Dezember 1989
unterzeichneten dann in Paris Delegationen aus 20 verschiedenen Ländern ein
Manifest, mit dem Slow Food international wurde. Als erster nationaler
Verein gründete sich 1992 Slow Food Deutschland mit heute mehr als 13.000
Mitgliedern.
Bis 2022 war Petrini Präsident der internationalen Organisation. Aus
Gesundheitsgründen zog er sich dann zurück. In der Mitteilung zu seinem Tod
hieß es: „Seine Energie, sein außergewöhnliches Einfühlungsvermögen, sein
Tatendrang und sein Lebensbeispiel werden die Kraft sein, die uns alle
leiten wird.“
Petrini gehörte auch zu den Gründern der Universität der Gastronomischen
Wissenschaften im italienischen Städtchen Pollenzo, die einen
interdisziplinären Ansatz für das Studium der Ernährung verfolgt. Heute
studieren dort mehrere Hundert Studenten aus aller Welt. Auf ihn geht auch
das internationale [2][Netzwerk Laudato si'] zurück, das Menschen
verschiedener Glaubensrichtungen vereint. Benannt ist es nach einer
Enzyklika des im vergangenen Jahr verstorbenen Papstes Franziskus. Petrini
selbst bezeichnete sich als nicht gläubig.
2004 wurde er vom US-Magazin Time zu einem der „Helden Europas“ ernannt.
2008 nahm ihn die britische Tageszeitung The Guardian als einzigen
Italiener in eine Liste von 50 Menschen auf, die die Welt retten könnten.
Mehrfach trat Petrini bei großen internationalen Treffen wie
Veranstaltungen der Vereinten Nationen oder Klimagipfeln auf.
Dabei warb er immer wieder für eine Ernährung mit regionalen Produkten. So
erklärte er: „Es ist verantwortungslos, Tomaten aus Süditalien zu kaufen,
die von Afrikanern [3][für drei Euro die Stunde] geerntet werden. Oder eine
Biobirne aus Argentinien, die über Kontinente eingeflogen wird.“ Man dürfe
nie vergessen, wie wichtig auch in modernen Zeiten eine gute Ernährung sei.
„Wir essen keine Computer. Wir essen Auberginen und Tomaten.“
Zu seinen Leitsprüchen gehörte auch der Satz: „Wer Utopie sät, wird
Realität ernten.“ Petrini war bereits seit längerer Zeit krank. In einem
seiner letzten Interviews sagte er der italienischen Zeitung [4][Corriere
della Sera:] „Ob ich daran denke, dass ich einmal nicht mehr da sein werde?
Ja, aber ich hoffe, dass ich die Grundlagen dafür gelegt habe, dass die
Arbeit weitergeht.“
22 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ansa.it/sito/notizie/topnews/2026/05/22/morto-carlo-petrini-fondatore-di-slow-food-e-terra-madre_31860f11-590b-41c5-8428-c33b00af4ffb.html
(DIR) [2] /Klimaschutz-der-katholischen-Kirche/!6161124
(DIR) [3] /Ausbeutung-indischer-Landarbeiter/!5939889
(DIR) [4] https://torino.corriere.it/notizie/food/26_maggio_22/addio-a-carlin-petrini-quando-parlava-di-diritto-al-piacere-e-essenziale-anche-il-mio-amico-papa-francesco-e-d-accordo-0b1ef8df-9f7a-4e9a-b294-9c109421bxlk.shtml
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