# taz.de -- Chinesische Dating-Show: Verliebt in die Producerin
       
       > „LeLaLes“ ist die erste chinesische queere Realityshow, die es so gar
       > nicht geben dürfte. Aber am Ende ist die Liebe doch das Stärkste, was es
       > gibt.
       
 (IMG) Bild: Teilnehmerinnen der Datingserie LeLaLes
       
       [1][LeLaLes: Fluid Love“] beweist: Wenn man queere Menschen in einen Raum
       steckt und sie miteinander reden lässt, wird vieles besser.
       
       Und es entsteht gutes Fernsehen. Ein Ort ohne patriarchale Dynamiken klingt
       fast zu schön, um wahr zu sein – die chinesische Datingserie kommt dieser
       Vorstellung aber erstaunlich nahe. Selbst das Team von Out China, das die
       Serie produziert hat, ist queer.
       
       Dass sie überhaupt existiert, macht sie besonders. In China ist queere
       Lieb[2][e stigmatisiert.] Gleichgeschlechtliche Paare können nicht
       heiraten, und der rechtliche Schutz vor Diskriminierung oder Gewalt
       aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität ist begrenzt.
       
       Deshalb sei die Show in Thailand gedreht worden, sagte die Produzentin
       Ashley Jiang in einem Insta-Video. Sie übernimmt später sogar eine
       unerwartete Rolle. Spoiler: Eine der Teilnehmerinnen verliebt sich in sie.
       
       ## Auch chaotische Momente
       
       Das Konzept erinnert an andere Datingformate: Acht Lesben verbringen etwas
       mehr als eine Woche in einem Haus in Chiang Mai. Sie sprechen über ihre
       [3][Coming-outs,] erzählen skurrile Geschichten (eine Person wurde etwa
       kurzzeitig zur Schafhirtin, weil sie eine Frau beeindrucken wollte), sie
       gehen zum Thaiboxen oder Skateboardfahren. Dabei entstehen auch chaotische
       Momente. Als die Zimmer nicht reichen, wird kurzerhand ein Produktionsraum
       geräumt. Bei der Begrüßung singen einige vor Nervosität „Happy Birthday“,
       obwohl niemand Geburtstag hat.
       
       Gerade diese Ungezwungenheit macht die Serie aus, Menschen schlüpfen
       spontan in neue Rollen. Klar, aus westlicher Perspektive wirken manche
       Momente befremdlich. So erzählt Teilnehmerin Stella von einer emotionalen
       Beziehung zu einer KI-Freundin.
       
       Die NYT schrieb kürzlich, dass KI-Chatbots für viele Frauen in China eine
       Lücke in einer weiterhin stark patriarchal geprägten Gesellschaft füllen.
       Nicht alles lässt sich von außen vollständig verstehen. Aber genau darin
       liegt die Stärke von LeLaLes: Die Serie ermöglicht Einblicke in queere
       Lebensrealitäten, die im eigenen Land oft nur eingeschränkt gelebt werden
       können. Und das kostenlos, crowdfinanziert und frei zugänglich auf Youtube.
       
       12 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/playlist?list=PLxMWQgRUlODaMvk_TXLAn7GmIrIG2XpRD
 (DIR) [2] /Club-Schliessung-Wie-die-queere-Szene-in-China-weiter-lebt/!6096170
 (DIR) [3] /Der-Hausbesuch/!6028999
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ann-Kathrin Leclere
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Dating
 (DIR) lesbisch
 (DIR) China
 (DIR) Kolumne Die Woche
 (DIR) Reiseland China
 (DIR) China
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Xi, Frontex, NSDAP-Kartei: Opas China-Reise
       
       Trump besucht Peking, irreguläre Grenzübertritte gehen zurück und beim
       Eurovision sind die Songs vielfältiger geworden. Das war die Woche.
       
 (DIR) China ist hypermodern und autoritär: Eigentlich ganz schön hier
       
       Während Trump und Xi in Peking Deals aushandeln, wird das hypermoderne
       China immer beliebter. Zeit, sich an den Wert der Demokratie zu erinnern.
       
 (DIR) China-Ausstellung in Hamburg: Wider das Klischee des rückständigen „ewigen China“
       
       Hamburgs ethnologisches Museum zeigt erstmals seine chinesischen
       Offsetdrucke aus den 1920ern. Sie galten als zu „modern“ und blieben lange
       unbeachtet.