# taz.de -- Xi, Frontex, NSDAP-Kartei: Opas China-Reise
       
       > Trump besucht Peking, irreguläre Grenzübertritte gehen zurück und beim
       > Eurovision sind die Songs vielfältiger geworden. Das war die Woche.
       
 (IMG) Bild: Trump und Xi Jinping auf dem roten Teppich
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in dieser Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: „Tänze sind heute der Schlüssel zum Erfolg beim
       [1][ESC]“, schreibt der Spiegel.
       
       taz: Und was wird besser in der nächsten? 
       
       Küppersbusch: Ich tanze die Kolumne. Obacht.
       
       taz: [2][Trump und Xi überschütten sich in Peking] mit Komplimenten und
       Staatsbanketten, konkrete Ergebnisse bleiben rar. Ist Weltpolitik
       inzwischen nur noch geopolitisches Influencer-Marketing? 
       
       Küppersbusch: Wenn der Russe für ein bisschen Heuchelhuldigung die Krim und
       den Donbass geschenkt bekommt, versuchen wir's bei Trump doch auch mal. Mag
       Xi Jinping das Frühlingsfest der Rektalbepuderung angeordnet und als
       Belohnung Taiwan vorgeschlagen haben. In einer besseren Welt würde man Opa
       nicht mehr alleine reisen lassen.taz: Die irregulären Grenzübertritte in
       die EU gehen laut Frontex massiv zurück. Warum klingt die Migrationsdebatte
       trotzdem weiter nach Ausnahmezustand?
       
       Küppersbusch: Neben-aber-Widerspruch: Das ist kein „Rückgang“, sondern eine
       Abwehr: Zöllnerdeals mit Anrainerstaaten, Wetterbedingungen, Frontex
       selbst. Kanzler Merz rühmt sich eines „Rückganges“ vulgo Zurückdrängung der
       Asylbewerberzahlen um 60 Prozent. Und jedes Mal vergisst er, dabei zu
       sagen, „das war übrigens schon die völlig beknackte Ampel, wir mussten nur
       noch abkassieren“. Verträumt! Schön übrigens für die Grünen, die sogar
       „GEAS“ abnickten, das ab diesem Jahr die Abschottung verstetigen wird.
       Vollendete Unfallflucht. Und dann aber schwallt Merz vom „Stadtbild“, geht
       jahrzehntealte Arbeitsmigration mit aktueller Bürgerkriegsflucht in einen
       Sack, und auf den wird unterschiedslos draufgedroschen. Anständige Deutsche
       brauchen für eine Migrationsdebatte keine Migranten.
       
       taz: Beim Katholikentag in Würzburg treten auffällig viele Unionspolitiker
       auf. Sucht die CDU spirituelle Autorität? 
       
       Küppersbusch: Adenauers Vision war, Christen mögen einander nicht nach
       Geschmacksrichtungen sortiert politisch bekämpfen, sondern vereint – als
       „Union“ eben – wirken. Keine 80 Jahre später wird die Union in einer
       mehrheitlich unchristlichen Gesellschaft wach und, der Alte hat mal wieder
       recht gehabt, trifft sich gern zum Showfrömmeln bei Kirchentagen. Gastgeber
       Söder nutzt seine Inselbegabung als Protestant und puhlt in katholischen
       Missbrauchsskandalen, heute wieder ganz Mobbing Dick. Kanzler Merz auf
       seiner aktuellen Ohrfeigentournee hält auch hier die andere Wange hin
       (Lukas 6,29). Und ruft, What-a-mess-Diener, zu Demut auf. Offensichtlich
       kennt er das Wort. Das Bedürfnis nach Spiritualität mag sich heute auch in
       Klimaaktivismus, wokem Engagement und anderen politischen Innigkeiten
       ausdrücken, es ist kein Monopol der Kirchen mehr. Die Organisatoren von
       Würzburg hatten eine bemerkenswert klare Kante gegen völkische Inbrunst
       gezogen – so gab es auch für Christdemokraten dort eine etwas heilere Welt
       als drumherum.
       
       taz: [3][Spiegel und Zeit haben ein Tool gebaut], mit dem einfacher und
       zugänglicher nach der NSDAP-Mitgliedschaft der Großeltern suchen kann, aber
       nur, wenn man dafür bezahlt. Endlich richtige Erinnerungskultur oder
       Ahnenforschung als Abo-Modell? 
       
       Küppersbusch: Das Bundesarchiv – Hüterin der beiden originalen Zentral- und
       Gaukarteien – verweigerte bisher den direkten digitalen Zugriff: „wegen
       noch bestehender personenbezogener Schutzfristen“, 100 Jahre nach der
       Geburt oder zehn Jahre nach dem Tod. Die zu missachten, muss keine
       Heldentat sein. Noch zumal, wenn's Geld bringt. Einen Volkssport
       „gegenseitig Nazi-Opa nachweisen“ stelle ich mir ungesund vor und kann ich
       mir leider lebhaft als Waffe im Entmündigungswettbewerb ausmalen. Etwa,
       wenn AfD-Faschos Linken ihre rechte Oma um die Ohren hauen. Scheint
       allerdings bisher nicht ausgebrochen. taz: „Correctiv“ und „Katapult“ haben
       das kurzfristig auch gemacht und kostenfrei angeboten. Doch dann mussten
       sie das Portal wieder einstellen, weil die Daten mutmaßlich von der Zeit
       geklaut waren. Können Medien noch Fakten checken?
       
       Küppersbusch: Ja. Hier guck: Die Dokumente stammen aus dem „Berlin Document
       Center“ der US-Besatzungsmacht. 1994 bekam sie die Bundesrepublik, die USA
       behielten Mikrofilm-Kopien. Nachdem das US-Archiv Nara diese digitalisiert
       dem Publikum öffneten, übernahmen Zeit und Spiegel die Daten von dort und
       bereiteten sie auf. „Correctiv“ und „Katapult“ stellten fest, sich bei der
       Kopie der Kopie bedient zu haben. Soweit die Fakten.
       
       taz: Haben Sie das ESC-Finale geschaut? 
       
       Küppersbusch: Zuletzt fand ich die Musik einheitspampig doof und schaute
       nur das Auszählungsritual. Diesmal fand ich die Beiträge vielfältiger, auch
       weniger missionarisch. Dafür trug's mich dann bei der Punktevergabe aus der
       Kurve. Manche Länder dürfen wegen ihrer völkerrechtswidrigen Angriffskriege
       nicht mitmachen. Andere Länder landen während ihrer völkerrechtswidrigen
       Angriffskriege auf dem zweiten Platz.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Dritter der dritten Liga, Relegation zur Zweiten, und
       Dramatik mindestens Erste: Durch Ben Hünings Tor in der 90 +2-ten Minute.
       Ach, was. Nervenmäßig Championsleague.
       
       17 May 2026
       
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