# taz.de -- Gerhard Schröder bei Putin im Kreml: Ein Freund, ein guter Freund
       
       > Russlands Präsident Wladimir Putin setzt weiter auf Ex-Kanzler Schröder
       > als „neutralen Vermittler“ im Ukrainekrieg. Nun trafen sich die beiden in
       > Moskau zu einem Plauderstündchen.
       
 (IMG) Bild: Händchen-Halten mit Autokraten: Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Wladimir Putin bei dessen vierter Amtseinführung im Kreml vor acht Jahren
       
       dpa/taz | Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich nach Kreml-Angaben zu
       einem Vieraugengespräch mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
       getroffen. „Es war ein gutes Gespräch“, sagte der außenpolitische Berater
       Putins, Juri Uschakow, der Agentur Interfax. Zum Inhalt und möglichen
       Perspektiven für Verhandlungen zwischen Russland und der Europäischen Union
       machte er keine Angaben. Das Treffen fand demnach im Kreml in Moskau statt.
       
       Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind seit der russischen
       Vollinvasion in der Ukraine 2022 und der Unterstützung Kyjiws durch Brüssel
       auf dem Tiefpunkt. Erst am Donnerstag hatte Bundesaußenminister Johann
       Wadephul (CDU) der Ukraine nach der Absage von Kremlchef Putin an ein
       Verhandlungsangebot seines ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj
       unverbrüchliche Unterstützung zugesagt.
       
       Die Unterredungen von Putin und seinem alternden Kumpel Schröder wurden
       kurz nach einer öffentlichen Fürsprache des Kremlchefs für den
       Ex-Bundeskanzler als Mittelsmann bekannt. Als Vermittler zwischen der EU
       und Russland kämen nur neutrale „Leute“ infrage, „denen man vertrauen
       kann“, sagte Putin bei einem Treffen mit Vertretern internationaler
       Nachrichtenagenturen in St. Petersburg. Dabei zeigte er sich „verwundert“,
       dass sein Plädoyer für Schröder als Vermittler wild diskutiert worden sei
       in Deutschland.
       
       Es gehe nicht darum, ob Schröder sein Freund sei oder nicht; der Ex-Kanzler
       sei ein Staatsmann, der für die Interessen Deutschlands eintrete und seine
       eigenen Positionen verteidige, sagte Putin bei dem Gespräch [1][am Rande
       des Internationalen Wirtschaftsforums], an dem aus Deutschland mehrere
       Politiker der extrem rechten AfD teilnahmen. Wegen der Waffenlieferungen an
       die Ukraine wetterte Putin gegen Deutschland und Europa.
       
       ## Externer Unterhändler unwahrscheinlich
       
       Die Benennung eines Unterhändlers durch die 27 Mitgliedsstaaten der
       Europäischen Union, der nicht einer Regierung angehört, gilt als sehr
       unwahrscheinlich. Das wurde bereits vergangene Woche bei einem informellen
       EU-Außenministertreffen auf Zypern deutlich. Dort warnte die
       EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor weiteren Diskussionen darüber: „Es ist
       eine Falle, in die Russland uns locken will.“
       
       Neben Schröder waren von anderer Seite die frühere Kanzlerin Angela Merkel,
       der finnische Präsident Alexander Stubb sowie Ex-EZB-Chef Mario Draghi als
       mögliche Vermittler genannt worden.
       
       Trotz [2][zunehmender Kampfhandlungen im Ukrainekrieg] geht man in der
       Bundesregierung davon aus, dass es in den nächsten Monaten zu Gesprächen
       mit Russland über ein Ende des Krieges kommen kann. „Langsam öffnet sich
       ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland“, hieß es aus
       Regierungskreisen. „Die harten Kämpfe der letzten Tage zeigen aber, es
       dürfte nicht Wochen, sondern Monate dauern.“
       
       ## Deutschland, Großbritannien und Frankreich wollen mitreden
       
       Wer die [3][Gespräche für die Europäer] führen könne, werde derzeit auf
       europäischer Seite diskutiert. Es müsse sich um ein möglichst
       handlungsfähiges Format handeln, das von den Europäern als möglichst
       legitim angesehen werde. „Es spricht einiges dafür, dass die E3 dabei
       weiter eine wichtige Rolle spielen werden.“
       
       Als E3 werden Deutschland, Großbritannien und Frankreich bezeichnet. Am
       Sonntagabend wird es nach Angaben eines britischen Regierungssprechers
       Beratungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs
       Staatspräsident Emmanuel Macron und des britischen Premiers Keir Starmer
       mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in London geben. Die
       E3-Gruppe war bereits im vergangenen Jahr über Gespräche mit den USA und
       der Ukraine an den Bemühungen um ein Ende des Krieges beteiligt.
       
       Im Juni und Juli stehen zudem mehrere Gipfeltreffen an, bei denen das Thema
       eine Rolle spielen könnte. Übernächste Woche kommt zunächst die G7 der
       wirtschaftsstarken westlichen Demokratien und dann die EU auf Spitzenebene
       zusammen. Anfang Juli folgt der Nato-Gipfel in der Türkei.
       
       ## Erst Bundeskanzler, dann russischer Lobbyist
       
       Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. In seiner Regierungszeit
       baute er beste Beziehungen zu Wladimir Putin auf, der seit 2000 Präsident
       der Russischen Föderation ist. Zum Ende von Schröders Amtszeit vereinbarte
       er mit Putin den Bau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream unter
       Umgehung der Ukraine.
       
       Später wurde der Ex-Kanzler zuerst Aufsichtsratschef der Nord Stream AG und
       im weiteren Verlauf auch des russischen Energiekonzerns Rosneft. Das
       brachte ihm den Ruf eines russischen Lobbyisten ein. Ob der 82-Jährige
       gesundheitlich überhaupt einer Vermittlerrolle gewachsen wäre, bleibt dabei
       im Unklaren. 2025 hatte er Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss
       zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baues der
       Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer „Burnout-Erkrankung“
       abgesagt.
       
       6 Jun 2026
       
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