# taz.de -- Israelische Aktivitäten in Irak: Israel versteckt Militärposten in der Wüste
> Israelische Soldat*innen sollen im Irak laut Medienberichten geheime
> Militärbasen errichtet und auf Zivilisten geschossen haben. Wie souverän
> ist der Irak?
(IMG) Bild: Der Truck des Schäfers, der mutmaßlich von israelischen Soldaten angegriffen worden war
In der irakischen Westwüste, einer endlosen Weite aus Sand und Geröll unter
der sengenden Sonne, sollen zwei Militärposten emporragen. Doch nicht
irakische, [1][sondern israelische Soldat*innen] sollen sie errichtet
haben. Auch sollen sie auf Menschen gefeuert haben, die sich den
Außenposten genährt haben – mit tödlichen Folgen. Das berichtet die
US-Zeitung The New York Times und beruft sich dabei auf irakische
Offiziere, Augenzeugen und Experten.
Israel, ein mit Irak verfeindeter Staat, soll über ein Jahr lang die zwei
Stützpunkte auf irakischem Boden betrieben haben, unter anderem haben diese
offenbar dazu gedient, israelische Streitkräfte bei den [2][Luftangriffen
auf den Iran] zu unterstützen. Iran ist indes ein wichtiger regionaler
Partner des Iraks. Ob die irakische Regierung davon wusste?
Eine Anfrage der taz blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet. Laut der
New York Times ist dies ebenfalls unklar. Ein irakischer Generalmajor sagte
der Zeitung, man habe bereits Anfang des Jahres etwas vermutet. Doch die
Regierung äußerte sich bislang nicht dazu. Das Gemeinsame irakische
Einsatzkommando verneinte, dass es unerlaubte Militärposten im Land gebe.
Die Berichte werfen Fragen auf, über die Souveränität Iraks auf eigenem
Boden und die Sicherheitslage in den abgelegensten Regionen. Sowie über die
Beziehungen zu seinen regionalen Nachbarn und dem Westen.
## Komplizierte Beziehung
Irak und Iran haben eine schiitische Bevölkerungsmehrheit sowie enge
Kooperationen im Energiebereich. Etwa ein Drittel des Stroms im Irak stammt
aus Anlagen, die sich mit iranischem Gas speisen. Ein Fünftel der Waren auf
irakischen Märkten stammt aus Iran, gut 12 Milliarden US-Dollar, etwa 10
Milliarden Euro, betrug 2024 der Handel zwischen beiden Ländern.
Politisch gesehen, ist die Beziehung komplizierter. Nach dem Sturz des
sunnitischen Diktators Saddam Hussein durch US-Truppen im Jahr 2003 haben
die beiden Nachbarländer ihr Verhältnis verstärkt und verbessert, wenn auch
dies die irakische Regierung in eine komplizierte Lage bringt. Zum einen
sind schiitische Milizen im Land aktiv, vom Iran unterstützt, die immer mal
wieder der Menschenrechtsverletzungen an Zivilist*innen beschuldigt
werden.
Ein Teil von diesen Milizen sind in den Staat integriert und operieren
unterdes neben der regulären Armee. Andere richten ihre Operationen eher
gegen Israel und die USA, vor allem seit dem [3][Krieg in Gaza] und dann
gegen Iran.
Die USA versuchen seit eh und je die irakische Regierung dazu zu bringen,
den Einfluss dieser Milizen einzuschränken. Doch bislang ohne großen
Erfolg. Gleichzeitig will Bagdad eine Konfrontation mit den USA vermeiden
und sich die wirtschaftlichen Beziehungen mit Washington nicht verspielen.
Das Pentagon weigerte sich auf Nachfrage, Fragen zu den israelischen
Geheimbasen zu beantworten. Anonyme Offiziere sagten der US-Zeitung, die
Existenz der Stützpunkte sei den USA mindestens seit Juni 2025 bekannt
gewesen. Das israelische Militär ließ die Anfrage der taz unbeantwortet.
## Schäfer entlarvt israelisches Militär
Doch wie flogen die Militärposten auf? Eine der zwei Geheimbasen ist
offenbar einem Schäfer aufgefallen, der nicht allzu weit entfernt wohnte.
Er meldete den irakischen Streitkräften eine ungewöhnliche Aktivität mitten
in der Wüste: Soldaten, Helikopter und Zelte neben einer Landebahn. Doch
als er in seinen Toyota-Pick-up stieg und sich auf dem Weg ins
nächstgelegene Dorf machte, trafen ihn Schüsse und Rakete aus dem Himmel.
Sein Pick-up blieb im Sand stehen, verkohlt, die Türen mit Einschusslöchern
gesäumt. Die Bilder kursieren im Netz. Das Geschehen rekonstruieren Familie
und Augenzeugen. Beduinen, die in der Nähe ihr Lager aufgeschlagen hatten,
haben nach eigenen Angaben die Tötung beobachtet.
Das war am 3. März 2026. Einen Tag später haben irakische Streitkräfte das
Gebiet erkundet – und sind selbst unter Feuer geraten. Ein Soldat kam dabei
ums Leben, zwei weitere trugen Verletzungen davon. Das Team zog sich
zurück. Das Gemeinsame irakische Einsatzkommando sprach von „ausländischen
Soldaten“, die seine Truppen angegriffen hatten.
## Auf Spuren der Militärbasen
Wieso der Irak mutmaßlich ausgewählt wurde, ist ungewiss, doch aus
geopolitischer Sicht relativ gut erklärbar. Irak teilt eine knapp 1.600
Kilometer lange Grenze mit Iran und liegt neben Jordanien, Israels
Nachbarn. Außerdem zwangen die USA laut der New York Times die irakische
Regierung, ihre Radare während der israelisch-iranischen Kriege
auszuschalten, um US-Flugzeuge zu schützen.
Inzwischen durchkämmen irakische Truppen die Nadschaf-Wüste im Südwesten
des Landes, wie arabische Medien berichten. Auf Jeeps, zu Fuß, in
Vollmontur. Ob dies ausreicht, um den Unmut in der Bevölkerung zu
besänftigen, Spuren der Militärbasen zu finden und weitere
Geheimoperationen zu verhindern, ist fraglich.
22 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rechtsradikaler-israelischer-Minister/!6180556
(DIR) [2] /Spannungen-zwischen-Israel-und-Iran/!6093750
(DIR) [3] /Internationaler-Strafgerichtshof/!6180432
## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
## TAGS
(DIR) Israel Defense Forces (IDF)
(DIR) Irak
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) USA
(DIR) Israel
(DIR) Gaza
(DIR) Israel
(DIR) Westjordanland
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Beduinen im Westjordanland: Die Vertreibung eines Dorfes
Finanzminister Smotrich will ein gesamtes Dorf im Westjordanland
evakuieren. Und behauptet, der Internationale Strafgerichtshof wolle ihn
verhaften. Aber stimmt das?
(DIR) Siedlerterror im Westjordanland: Brandanschlag auf eine Moschee, Angriff auf Schafhirten
Die Gewalt israelischer Siedler im besetzten Westjordanland hält an. Am
Wochenende traf es unter anderem ein Dorf nahe Ramallah – und einen Hund.
(DIR) Friedensgespräche für Libanon: Am Washingtoner Tisch Hisbollah die Zähne ziehen
Unter US-Vermittlung verlängern Israel und Libanon ihre Waffenruhe. Sie
wird aber nicht eingehalten und Hisbollah, um die es geht, ist nicht dabei.