# taz.de -- Nachwahlen irisches Parlament: Gangster an die Macht
       
       > Der Wahlkreis Dublin Central muss seinen Sitz für das irische Parlament
       > nachwählen. Nicht alle Kandidat*innen haben eine weiße Weste.
       
 (IMG) Bild: Dublin-Central, 6. Mai: Kandidatinnen und Kandidaten der Nachwahl bei einer öffentlichen Versammlung
       
       Der eine sitzt im Hochsicherheitsgefängnis, der andere strebt einen Sitz im
       Parlament bei den Nachwahlen in Dublin an. Daniel Kinahan und [1][Gerry
       Hutch] haben dennoch einiges gemeinsam: Beide haben fünf Kinder, beide sind
       Chefs von zwei rivalisierenden Drogenkartellen, die zu den gewalttätigsten
       in Europa zählen. Und beide haben versucht, sich gegenseitig umzubringen.
       Dem Bandenkrieg sind bisher rund 20 Menschen zum Opfer gefallen.
       
       Kinahan wurde Ende April im Rahmen einer geheimen Operation der irischen
       Polizei und der Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate in Dubai
       festgenommen. Ihm werden mindestens zwei Morde sowie der versuchte Mord an
       Hutch – Spitzname „The Monk“ – vorgeworfen.
       
       Der wiederum kandidiert im Wahlkreis Dublin Central bei der Nachwahl zum
       irischen Parlament am Freitag, die notwendig geworden ist, weil der
       ehemalige Finanzminister und Präsident der Eurogruppe, Paschal Donohue,
       einen Job als Direktor der Weltbank angenommen und seinen Dubliner
       Abgeordnetensitz geräumt hat.
       
       Der Wahlkreis Dublin Central ist sehr unterschiedlich, er umfasst die
       Arbeiterviertel der nördlichen Innenstadt, aber auch wohlhabendere Viertel
       wie Glasnevin. Dass Ray McAdam von Paschal Donohues Mitte-rechts-Partei
       Fine Gael es schafft, den Sitz für die Partei zu verteidigen, ist ziemlich
       unsicher. Fine Gael ist in einer Regierungskoalition mit der anderen
       Mitte-rechts-Partei Fianna Fáil, und bei Nachwahlen triumphiert meist die
       Opposition.
       
       ## Gute Ergebnisse für die Linken
       
       Bei den letzten Wahlen konnten die linken Parteien in diesem Wahlkreis gute
       Ergebnisse erzielen. Daniel Ennis kandidiert für die Sozialdemokraten und
       ist bei den Buchmachern Favorit, dicht gefolgt von Sinn Féins Janice
       Boylan. Den Kandidatinnen und Kandidaten von Labour, People Before Profit
       und den Grünen werden nur Außenseiterchancen eingeräumt – ebenso wie Gerry
       Hutch.
       
       Bei dem dubiosen Wettanbieter Polymarket, der anonyme Wetten mit
       Kryptowährung erlaubt, sind mehr als eine Million Dollar auf die Dubliner
       Wahl gesetzt worden. Die Wettmuster deuten auf illegale Aktivitäten wie
       Geldwäsche oder Marktmanipulation hin. Die Hälfte der Wetten wurde darauf
       platziert, dass Hutch am Freitag verlieren würde.
       
       Seine Chancen sind in den Arbeitervierteln am größten. Bei den Wahlen 2024
       verpasste er nur sehr knapp einen der fünf Sitze, die zu vergeben waren. Da
       diesmal nur ein Sitz zur Wahl steht, wird Hutch es schwer haben, aber
       irische Wahlen sind immer für eine Überraschung gut.
       
       Und er dominiert zumindest die Schlagzeilen. Hutch versprach, sich für mehr
       Polizisten auf den Straßen Dublins einzusetzen. In einem
       Social-Media-Beitrag sprach er von „denen, die aus Somalia kommen, und
       solchen Leuten“ und sagte: „Die Illegalen – man soll sie füttern, in ein
       Boot setzen und zurückschicken.“
       
       ## Ire auf Lanzarote
       
       Sollte er gewählt werden, wäre er der reichste Abgeordnete im Parlament,
       prahlte der 63-Jährige. Allerdings haben die spanischen Behörden sein
       Immobilienvermögen im Rahmen einer Geldwäscheuntersuchung eingefroren.
       Hutch lebt seit 2015 überwiegend auf Lanzarote. Dort ist er in der
       Silvesternacht 2015 nur knapp einem Mordanschlag im Auftrag seines
       Widersachers Daniel Kinahan entgangen.
       
       Dafür wollte sich Hutch ein Jahr später mit einem Anschlag im Dubliner
       Regency-Hotel rächen. Kinahan entkam jedoch, aber sein Komplize David Byrne
       wurde erschossen. Hutch wurde vom Mordvorwurf freigesprochen, weil der
       Zeuge, ein Sinn-Féin-Stadtrat, unglaubwürdig war. Die Tatwaffe stammte
       jedoch von Hutch, befand das Gericht, aber er wurde deshalb nicht
       angeklagt.
       
       Kinahans Bande besitzt ebenfalls Immobilien, und zwar [2][in Irland,]
       Spanien, Belgien, Dubai, Südafrika, Brasilien und auf Zypern, im Wert von
       über 150 Millionen Euro. Im Knast hat er allerdings nicht viel davon. Und
       vielleicht bekommt er demnächst Gesellschaft von Gerry Hutch. Der irische
       Generalstaatsanwalt prüft derzeit, ob gegen ihn Anklage erhoben wird, weil
       er eine kriminelle Vereinigung geleitet haben soll.
       
       22 May 2026
       
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