# taz.de -- Rassismus in Irland: Kongolese Yves Sakila stirbt nach Gewalt durch „Securitys“
> In der irischen Hauptstadt Dublin verstirbt ein prekär lebender Mann aus
> dem Kongo. Fünf Kaufhausmitarbeiter sind auf ihn losgegangen.
(IMG) Bild: Wurde mit einem Knie zu Boden gedrückt und verstarb kurz darauf: der Kongolese Yves Sakila
Vor einem Kaufhaus in der Dubliner Innenstadt fand am Donnerstag erneut
eine Mahnwache statt – wie jeden Tag seit Freitag voriger Woche. An jenem
Tag starb der 35-jährige Yves Sakila aus der Demokratischen Republik Kongo,
nachdem er wegen eines mutmaßlichen Ladendiebstahls von fünf Männern des
Kaufhaussicherheitspersonals festgehalten worden war.
Im Internet kursiert ein fast fünfminütiges Video, in dem zu sehen ist, wie
zwei der Männer ihn mit den Händen auf den Boden drücken, während ein
weiterer auf seinem Kopf und Nacken kniet. Bei seinem Fluchtversuch hatte
Sakila einen 82-jährigen Rentner umgestoßen und verletzt. Die
herbeigerufenen Polizisten legten Sakila Handschellen an und kümmerten sich
um den Rentner. Als sie feststellten, dass Sakila nicht mehr ansprechbar
war, versuchten sie, ihn wiederzubeleben, aber er starb kurz darauf im
Krankenhaus.
Sakila wurde in der [1][Demokratischen Republik Kongo] geboren. Im Jahr
2004 kam er mit seiner Tante und seinem Onkel nach Irland und besuchte eine
Sekundarschule im Dubliner Stadtteil Blanchardstown. Nach seinem
Schulabschluss habe er „schwere Zeiten“ durchgemacht und „prekär“ gelebt,
sagte Mulang Mika, der an der Organisation der Mahnwache beteiligt war:
„Jeder in der Gegend hier kennt ihn, er ist fast wie ein Einheimischer.“
Seit 2024 lebte er im Granby Centre, einer von fünf
Obdachlosenunterkünften, die von der Kirche und der Heilsarmee in Dublin
betrieben werden.
Sakila hatte keine Kinder, seine Eltern leben im Kongo. Chris Kibiadi, der
ebenfalls aus dem Kongo stammt, kannte Sakila seit seiner Kindheit in
Dublin und hat mit dessen Mutter telefoniert: „Sie ist schockiert. Wir alle
sind es. Wir wollen, dass sie zur Beerdigung nach Irland kommt. Wir fordern
Gerechtigkeit.“
## Rechtsextreme hetzen über den Toten
Sakila war in der Vergangenheit mehrfach wegen Diebstahl und Raub
verurteilt worden. Zum Beispiel zu einer Haftstrafe von etwas mehr als
einem Jahr oder zu Geldstrafen.
Rechtsextreme Gruppen versuchen jetzt, den Fall für ihre Zwecke zu nutzen.
Auf der Webseite Real Irish News wird der Verstorbene als
„Gewohnheitsverbrecher“ und „asozialer Schläger“ diffamiert. Ihm wird
unterstellt, ein falsches Alter angegeben zu haben. So schreiben die
Rassisten: „Das Fehlen von Dokumenten und die Behauptung, unter 18 zu sein,
sind eine gängige Täuschungsmasche afrikanischer Asylsuchender. Die Frage
ist nicht, wie Yves Sakila starb, sondern warum man ihm trotz seiner
umfangreichen Vorstrafen erlaubt hat, in Irland zu bleiben.“
Walter Kabangu, ehemaliger Vizepräsident der kongolesischen Gemeinschaft in
[2][Irland] und Schulkamerad von Yves Sakila, nimmt täglich an der
Mahnwache teil. Er warnt: „[3][Bertie Ahern], pass auf, was du sagst!“
Kabangu meint damit den ehemaligen Premierminister, der kurz vor dem Tod
Sakilas im Wahlkampf gesagt hatte: „Wir können keine Menschen aus dem Kongo
aufnehmen.“
Ebun Joseph, eine nigerianische Dozentin für Black Studies am University
College Dublin, erklärte in einem Schreiben an Polizei und
Justizministerium hingegen: „Das unverhältnismäßige und unnötige Maß an
Gewalt, das bei der Festnahme von Yves Sakila angewendet wurde, ist
zutiefst beunruhigend und wirft dringende und schwerwiegende Fragen auf,
die einer umfassenden Untersuchung bedürfen.“ Diese soll laut der Regierung
nun eingeleitet worden sein.
21 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-Demokratische-Republik-Kongo/!t5007877
(DIR) [2] /Irland/!t5008739
(DIR) [3] /Bertie-Ahern/!1532881/
## AUTOREN
(DIR) Ralf Sotscheck
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Rassismus
(DIR) Anti-Rassismus
(DIR) Polizeigewalt
(DIR) Irland
(DIR) Dublin
(DIR) antimuslimischer Rassismus
(DIR) Schwerpunkt Rassismus
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nachwahlen irisches Parlament: Gangster an die Macht
Der Wahlkreis Dublin Central muss seinen Sitz für das irische Parlament
nachwählen. Nicht alle Kandidat*innen haben eine weiße Weste.
(DIR) Attentat auf Moschee in San Diego: Nur radikaler Universalismus kann den Hass bekämpfen
Selbst bei Attentaten solidarisieren sich viele selektiv – je nachdem,
welche Gruppe betroffen ist. Dabei gibt es einen gemeinsamen Nenner:
Ignoranz.
(DIR) Alltäglicher Rassismus: Warum nicht einfach nur deutsch
Schwarze Menschen begleiten oft Zweifel an ihrer deutschen Identität. Wie
die Gesellschaft sie wahrnimmt, prägt die eigene Selbstwahrnehmung.