# taz.de -- Schlechte Arbeitsbedingungen: Grüne fordern harte Hand gegenüber Plattformen
> Stärkere Kontrollen und Beratungsangebote: Mit einem Maßnahmenkatalog
> wollen die Grünen den Missständen bei Lieferando, Uber, Wolt und Co
> begegnen.
(IMG) Bild: Fährt zunehmend unter prekären Bedingungen: Ein Beschäftiger bei der Plattformfirma Lieferando
Kriminelle Subunternehmer, die nicht einmal Mindestlohn zahlen,
Lieferkuriere, die bei längerer Krankheit gefeuert werden, von einem Boss,
der nur eine anonyme Handynummer ist: Bislang scheint das Land Berlin den
sich zunehmend verschlechternden Arbeitsbedingungen bei
Plattformunternehmen wie Lieferando, Wolt und Uber nur wenig entgegensetzen
zu können. Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus schlägt nun mit einem
Positionspapier Maßnahmen vor, mit denen der Senat die Situation der
Beschäftigten deutlich verbessern könnte.
„Was wir im Augenblick in Berlin für diese Menschen tun, ist vollkommen
unzureichend“, sagt Fraktionschef Werner Graf zum Auftakt der
Pressekonferenz am Dienstag. Der Senat mache es sich zu einfach und hoffe,
dass die Missstände der Branche durch neue Regelungen im Bundesrecht
beseitigt werden, so die Kritik der Grünen. „Wir sind als Land nicht
handlungsunfähig, sondern könnten deutlich mehr tun“, sagt Graf, der auch
Spitzenkandidat seiner Partei für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September
ist.
Ein Schwerpunkt des Maßnahmenpapiers mit sieben Punkten ist demnach, eine
EU-Plattformrichtline auf Landesebene gründlich umzusetzen. Die 2024 vom
EU-Parlament beschlossene Vorgabe legt Grundprinzipien zur Regulierung von
Plattformarbeit fest. Bis Ende 2026 muss sie von den Mitgliedsstaaten in
nationales Recht umgesetzt werden. [1][Laut der Antwort auf eine
parlamentarische Anfrage aus dem April] arbeitet das Bundesministerium für
Arbeit und Soziales an einem Referentenentwurf.
Die Grünen werfen der schwarz-roten-Koalition von Regierungschef Kai Wegner
(CDU) vor, die Umsetzung auf Landesebene zu verschlafen. „Auf die Behörden
kommen Aufgaben zu, auf die sie weder personell noch finanziell vorbereitet
sind“, sagt Christoph Wapler, arbeitspolitischer Sprecher der
Grünen-Fraktion.
## Stärkere Kontrollen
Beispielsweise sieht die EU-Richtlinie eine „Beschäftigungsvermutung“ vor.
Sobald Menschen für eine Plattform wie Lieferando, Uber oder Helpling
arbeiten, gehen die Behörden davon aus, dass die Beschäftigten direkt bei
den Plattformunternehmen angestellt sind. Ist dem nicht so, müssen die das
Gegenteil beweisen.
Für das zuständige Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und
technische Sicherheit (Lagetsi) bedeutet das mehr Aufwand und neue
Prozesse. Mit einer höheren personellen und finanziellen Ausstattung soll
die Behörde nicht mit der Umsetzung allein gelassen werden.
Doch Berlin müsse nicht auf die Plattformrichtlinie warten, um die
Arbeitsbedingungen zu verbessern, sagen die Grünen. Einen weiteren Hebel
sehen sie in einer konsequenten Kontrolle und Umsetzung bestehender
Regelungen. Zum Beispiel sei es nach Fahrpersonalgesetz verboten, Anreize
für besonders schnelle Lieferungen zu vergeben. Die Sanktionsmaßnahmen für
die Unternehmen sollten dabei „bis hin zu einem Betriebsverbot“ verschärft
werden, schlägt Wapler vor.
Auch soll es mehr Beratungsangebote für Beschäftigte geben. Neben mobilen
Angeboten sollen auch private Hochschulen in die Pflicht genommen werden,
Studierende über ihre Rechte aufzuklären. Betroffen von den Missständen
seien vor allem ausländische Studierende, [2][die schlechte Chancen auf dem
Arbeitsmarkt haben und an Privatunis studieren].
## Hoffnungsträger Direktanstellung
In den letzten Jahren habe sich die Situation der Beschäftigten von
Plattformunternehmen massiv verschärft, berichtet die Soziologin Joanna
Bronowicka. „Teile der Lieferbranche sind [3][komplett durch Subunternehmen
organisiert, die keine Gesetze befolgen“.] Die meisten dieser Praktiken
seien bereits illegal, allerdings schafften die Behörden es kaum, Schritt
zu halten. In manchen Branchen brauche es daher einen gezielteren Ansatz.
Große Hoffnungen [4][liegen deshalb derzeit auf einem
Direktanstellungsgebot auf Bundesebene]. Eine ähnliche Regelung gibt es
bereits seit 2021 in der fleischverarbeitenden Industrie. Auch dort war die
systematische Ausbeutung migrantischer Beschäftigter die Regel. Hier
fordern die Grünen, sich auf Bundesebene weiter für die Einführung einer
solchen Regelung starkzumachen. Laut der Antwort auf die parlamentarische
Anfrage aus dem April „prüft“ die Bundesregierung derzeit eine solche
Maßnahme.
26 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://dserver.bundestag.de/btd/21/054/2105454.pdf
(DIR) [2] /Junge-Inder-in-Deutschland/!6094350
(DIR) [3] /Arbeitskampf-bei-Lieferando/!6112635
(DIR) [4] /Ausbeutung-in-der-Lieferbranche/!6160070
## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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