# taz.de -- Massentourismus in Spanien: Carnaval oder McFiesta?
> Im spanischen Cádiz gehört der Karneval mit seinem Musiktheater zur
> Identität der Stadt. Doch der touristische Ausverkauf bedroht seine
> Besonderheit.
(IMG) Bild: Ein Fest für die Nachbarn: Straßentheater gehört zur Identität der Hafenstadt Cádiz
Atlantiktief Leonardo mit tagelangem stürmischem Regen und seine nicht
weniger rabiate Nachfolgerin Marta sind überstanden, vom darauffolgenden
Atlantiktief Oriana sind noch vereinzelte Windböen zu spüren. Andalusien
steht nach wochenlangem Regen unter Wasser, doch der Rathausplatz in Cádiz
ist wieder touristengerecht sonnendurchflutet.
Ein Glück für den nun beginnenden Straßenkarneval. Ganz in der Nähe des
Rathauses spielen, umringt von einer Menschentraube, die Matacharis,
benannt nach der berühmten Spionin Mata Hari und im hiesigen Dialekt
gesprochen. Maria, Marta, Lucia, Sara, Aurora sind Freundinnen und eine
eingeschworene Chirigoto-Gruppe. Sie nehmen wie viele andere nach
monatelangen Proben und Vorbereitungen am Straßenkarneval teil.
Chirigotas sind Gesangsgruppen, die normalerweise aus bis zu 15 Personen
bestehen. In ihren satirischen, selbstverfassten Texten geht es um
Alltagsfragen, Politik und Gesellschaft. Der Straßenkarneval von Cádiz hat
seine eigenen, freien Regeln. Im Gegensatz zum offiziellen
Karnevals-Gesangswettbewerb im Gran Teatro de Falla, wo alles strengstens
geregelt ist.
Die Matacharis mit selbstgebastelten Kostümen und fantasievollen
Instrumenten, wie Küchenreibe und Schlagstock, nehmen den aufgepeppten
Lifestyle am ehemals wilden, hippiesken Strand von La Palmyra ins Visier.
Kilometerlange Sandstrände, eine Insel-Altstadt und jede Menge Historie –
das ist hier, an der spanischen Südküste, zwangsläufig eine gefährliche
Mischung.
## Ballermann-Alarm
Die Folgen sind zubetonierte Buchten, Partytourismus und Billiggastronomie
von der schlimmsten Sorte. Cádiz, lange Zeit weit weg von den großen,
spanischen Orten mit ihren sommerlichen Strömen von Strandurlaubern und
nicht so einfach mit dem Flugzeug zu erreichen, steht an der Schwelle zum
touristischen Ausverkauf.
Mit Investitionen und Luxussanierungen wird Cádiz für den Tourismus mit
seinen Begehrlichkeiten herausgeputzt. Die Stadt am Atlantik, eine der
ältesten Europas mit einer gut erhaltenen Altstadt, [1][verliert dadurch
immer mehr Einwohner]: Vor allem, weil sie sich die steigenden Mieten nicht
mehr leisten können und Wohnraum zum Spekulationsobjekt wird.
110.000 Einwohner hat Cádiz, vor 20 Jahren waren es noch 150.000. Dafür
steigt die Zahl der touristischen Unterkünfte kontinuierlich. Cádiz hat
selbst für andalusische Verhältnisse eine sehr hohe Dichte an
Ferienwohnungen, rund 21 touristisch genutzte Wohnungen kommen auf 1.000
Einwohner. Und auch die Anzahl der Kreuzfahrttouristen steigt
kontinuierlich: Zwischen Januar und Oktober 2025 wurden im Hafen über
526.000 Kreuzfahrtpassagiere registriert.
Die Matacharis haben mittlerweile zu Ende gespielt, sie verbeugen sich und
ziehen unter Applaus weiter, die nächste Gruppe hat bereits die Gitarren
gestimmt. Beim Kaffee in der Spielpause erzählen die fünf Frauen, was sie
als „Eingeborene“, wie sie sich selbst nennen, am Tourismus nervt. „Die
Kreuzfahrttouristen bringen den Geschäften in der Stadt fast nichts. Sie
überfluten den Fischmarkt und andere Sehenswürdigkeiten, aber sie
konsumieren kaum“, sagt Maria, die ehrenamtlich in der Mieterberatung
arbeitet und Mitglied von Cádiz resiste (zu Deutsch: Cádiz leistet
Widerstand) ist, eine Protestgruppe gegen den touristischen Ausverkauf der
Stadt.
## Kein Wohnraum mehr für Nachbarn
Wie in anderen touristischen Hotspots Spaniens hat sich auch hier eine
Bürgerplattform und Protestbewegung zusammengeschlossen, die Forderungen
und Aktionen gegen die sogenannte „Touristifizierung“ und die Wohnungsnot
organisiert. Ihr Engagement konzentriert sich auf die sozialen und
städtischen Folgen eines massiven, unregulierten Modells sowie auf die
steigenden Mieten und den Verlust von bezahlbarem Wohnraum für
Einheimische. Mit Demonstrationen und Kundgebungen unter dem Motto „Ein
Tourist mehr, ein Nachbar weniger“, fordert Cádiz resiste mehr politische
Regulierung.
Die Stadt hat reagiert und versucht inzwischen den Massentourismus über
[2][rechtliche Beschränkungen von Ferienwohnungen] und Planungsvorhaben zu
steuern. Die Registrierung neuer touristischer Wohnungen wurde
vorübergehend ausgesetzt, Hunderte von Wohnungen wurden aus dem offiziellen
Tourismusverzeichnis gestrichen.
„Wir wollen kein touristischer Themenpark sein“, sagt Maria. „Wir haben
allein durch Airbnb ungefähr 1.600 Kurzzeitvermietungen in der Stadt. Jeder
Tourist, der sich einmietet, ist ein Nachbar weniger. Und unser Karneval
lebt von der Nachbarschaft.“ Aber er lockt jährlich eben zusätzlich
Tausende von Besuchern an.
Die Touristifizierung ist zunehmend Thema bei den Karnevalsauftritten.
[3][„Wir sind die Ratten]“, lautete etwa die Präsentation der Comparsa
Truppe von Jesús Bienvenido über die Verdrängung der Einwohner. Er war
einer der Gewinner des Gesangswettbewerbs 2025 im Gran Teatro Falla. Auch
dieses Jahr hat Bienvenidos’ Truppe den ersten Preis der Kategorie Comparsa
geholt.
## „Hey Penis, Du kommst spät“
Am diesjährigen Sängerstreit im Gran Teatro Falla nahmen in der
Erwachsenen-Kategorie 123 Gruppen teil – 18 Chöre, 53 Comparsas, 45
Chirigotas und sieben Quartette – sowie 38 in der Kinder-Kategorie und 18
in der Jugend-Kategorie. Die Gruppen kommen auch aus anderen Regionen
Spaniens.
Täglich berichtete die Zeitung Diario de Cádiz auf zehn Sonderseiten vom
Wettstreit im Theater. Dort ist alles streng geregelt, die Länge der
Darbietungen und die Anzahl der Personen: Ein Chor hat 45 Personen, ein
Orchester zehn, eine Comparsa 15, eine Chirigota 15. Die Gesangsdarbietung
Chrigota ist die humorvollste, spielerischste Form mit ihren Verkleidungen,
ihrer Darstellung und den zugespitzten Texten.
Die Comparsa ist die ernstere Kategorie. Eine Jury entscheidet über die
Darbietungen. Die Gewinner bekommen Ruhm und Ehre und ein Preisgeld. Den
diesjährigen Chirigota-Wettbewerb gewann zum ersten Mal keine Gruppe aus
Cádiz, sondern die sevillianische Chririgota-Gruppe Bizchocho mit
„Schschsch…“
„Du bist spät, pisha“, beschwert sich Javier Osuna. Er wohnt im siebten
Stock eines der Hochhäuser an der „Playa Victoria“. Ein echter Gaitano, wie
sich die Stadtbewohner von Cádiz nennen. Pisha heißt eigentlich Penis und
wird für Mann und Frau alltäglich gebraucht. Will man gendern, nimmt man
für die Frau das weibliche Geschlechtsteil, Chocho. Man hört es im
Supermarkt, in der Bahn, von Jung und Alt.
## Fiesta seit 500 Jahren
Osuna, Produzent und Radiomoderator, moderierte lange Zeit die
Übertragungen aus dem Gran Teatro Falla zum Karneval. Privat beschäftigt er
sich mit der Geschichte des Karnevals. „Ich gehe in Pfarrarchive,
Diözesanarchive, Zeitungsarchive, Bibliotheken und nutze alle verfügbaren
Quellen.“ Er hat zahlreiche Bücher zum Thema veröffentlicht.
„Der Karneval ist für mich ein Fest von außergewöhnlicher Einzigartigkeit“,
erklärt er seine Begeisterung für das Thema. „Es ist etwas sehr Eigenes von
Cádiz, mit einem offenen Charakter. In dieser Stadt treffen Kulturen
aufeinander – musikalisch, rhythmisch, sprachlich. Das spiegelt sich auch
in der Sprache wider.“ In Cádiz gebe es sehr viel Lateinamerika, und Cádiz
sei auch wiederum in Lateinamerika präsent: im Rhythmus, in der Art zu
sprechen, im Ausdruck.
Seit dem 16. Jahrhundert wird der Karneval in der Stadt gefeiert, dafür
gibt es Belege. Im 16., 17. und 18. Jahrhundert sei er aber völlig anders
gewesen. Einfacher, mit Kostümierung, Satire und Musik, aber keine
entwickelten Gesangskategorien und Wettbewerbe. „Es gibt sogar Randnotizen
in Taufregistern: Der Priester verschiebt die Taufe wegen der
Karnevalszeit“, sagt Javier.
Cádiz hat eine besondere geografische Lage: Es ist ein Seehafen, ein Tor
zum Mittelmeer. Der afrikanische Kontinent ist nur einen Steinwurf
entfernt, und vor allem im 18. Jahrhundert gab es enormen Austausch durch
den Handel mit Südamerika, von dem ganz Andalusien, aber vor allem Sevilla
und Cádiz profitierten.
## Das „Fremde“ als Bereicherung
„Cádiz war im 18. Jahrhundert eine Stadt von enormem Glanz: die drittgrößte
Spaniens, mit 75.000 Einwohnern“, erzählt Osuna. „Als 1717 das Handelshaus
nach Cádiz verlegt wurde, kam der Reichtum der Neuen Welt hier an. Es gab
Theater, Aufführungen auf Französisch, Englisch. Die erste republikanische
Verfassung Spaniens wurde 1812 hier geschrieben.“ Aber als der
transatlantische Handel abbrach, sei Cádiz „zur abgehängten, verarmten
Provinzstadt geworden“.
Es sei kein Zufall, dass die wichtigsten Karnevale der Welt allesamt
maritime Karnevale seien, sagt Osuna, und er zählt auf: „Nizza, Uruguay,
Argentinien, der Karneval von Genua, Venedig, Cádiz, Rio de Janeiro, Santa
Cruz.“ Denn in Hafenstädten gebe es einen Austausch von Lebensweisen, die
Feste könnten so eine Universalität entwickeln. „Viele Lieder und Melodien
aus Amerika haben sich später im Flamenco niedergeschlagen. Sowohl der
Flamenco als auch die Coplas des Karnevals von Cádiz besitzen eine enorme
Fähigkeit, Fremdes aufzunehmen und sich zu eigen zu machen“, sagt der
Historiker.
Cádiz war immer starken kulturellen Einflüssen unterworfen: einerseits aus
Genua, andererseits aus Kuba. Die italienische Tradition brachte
Maskenbälle, die kubanische die Musik. Der Tango kam von Kuba nach Cádiz,
wurde dort verarbeitet und beeinflusste später den argentinischen Tango.
„Eine Stadt wird umso reicher, je mehr sie sich mit dem Fremden vermischt“,
sagt Osuna.
Das gelte allerdings nicht für den heutigen Massentourismus. Er habe die
Stadt stark verändert. „Die Stadt verliert Identität, kleine Läden
verschwinden, Ferienwohnungen nehmen zu. Der Karneval ist teilweise zu
einem riesigen Trinkgelage geworden. Heute kommen Menschen aus ganz Spanien
mit Bussen. Nachts bleiben Tonnen von Müll zurück. Wir sind und waren immer
eine offene Stadt, aber das macht keine Freude mehr“, bedauert er.
## Bei Abtreibung hört der Spaß auf
Der Karneval von Cádiz sei auch ein Garant für Gemeinsinn und
Gemeinsamkeit. „Zum Karneval schließen sich Menschen aus allen
Bildungsschichten, aus allen Berufen zusammen – im wahrsten Sinne des
Wortes aus Liebe zur Kunst. Ich habe zum Beispiel Kolleginnen, die in ihrer
Freizeit gemeinsam eine Straßen-Chirigota gründen. Das schafft eine enorme
Identität. Du hast eine Stadt mit über 100 solcher Gruppen. Es sind viele
Menschen, die ein gemeinsames musikalisches und literarisches Repertoire
erarbeiten – das ist enorm.“
Verschiedene gesellschaftliche Gruppen fänden in den Karnevalsgruppen ein
Instrument zum Ausdruck ihrer Identität und ihrer Kritik an
gesellschaftspolitischen Zuständen. „Beim Feminismus sieht man das sehr
deutlich – es gibt feministische Chirigotas, die spektakulär sind“, sagt
Javier Osuno. „Der Karneval war immer Vehikel für Kritik von unten, aber
auch ein Produkt seiner Zeit. Er war wie unsere ganze Gesellschaft sehr
machistisch, inzwischen gibt es aber immer mehr Frauengruppen. Sie erobern
Terrain.“
In Barrida de la Paz, ein Viertel im modernen Teil von Cádiz mit seinen
schnell gebauten Hochhäusern und breiten Straßen, probt in einer Schule die
16-köpfige Gruppe von Marta Ortiz [4][la Camorra]. Seit September proben
sie jeden Abend. Sie sind Lehrerinnen, Physiotherapeutinnen,
Kosmetikerinnen.
Sie verstehen sich als Feministinnen und setzen sich für gesellschaftlichen
Themen ein, die Frauen berühren. Ihre Texte schreibt Marta Ortiz. Dieses
Jahr sind sie im Vorfinale ausgeschieden, davor hatten sie es ins Finale
geschafft. Der Kritiker des Diario de Cádiz bescheinigt ihnen großes
Potenzial, ihre klaren Worte zu Kirche und Abtreibung hätten sie allerdings
Punkte im Wettbewerb gekostet.
## Frauen? Ja, aber bitte nicht erfolgreich
„Der Erfolg hat uns einen großen Shitstorm auf Social Media vor allem von
Männern eingebracht. Nachdem sie uns nicht mehr ignorieren konnten, haben
sie uns böse angegriffen“, erzählt Marta, die für Organisation und
Verwaltung der Gruppe zuständig ist. „Es gibt nur sehr wenige Frauen in der
Geschichte des Karnevals, die sich getraut haben wie wir, sowohl Texte als
auch Musik zu komponieren für den Sängerstreit im Theater.“
Im Gegensatz zum wilden Straßenkarneval, das Revier der Matacharis, sind im
offiziellen Wettbewerb Frauen erst seit den 1980er Jahren sichtbar. Und das
immer mehr. „Das scheint bei einigen Männern Neid und Aggression
auszulösen. Ihre Reaktionen sind verbale Hässlichkeiten, denn im
offiziellen Wettbewerb geht es um Prestige in ganz Spanien, um Auftritte
und Geldpreise.“
Jeder in der Gruppe hat seine Aufgabe: Maria macht die Organisation, eine
andere kümmert sich um die Kostüme, wiederum eine um die sozialen Medien
und Verträge für Auftritte in ganz Spanien. „Damit halten wir uns über
Wasser, um nächstes Jahr unsere Kostüme und Aufwendungen zahlen zu können“,
sagt Maria.
„Wir proben viel, aber das ist wie Therapie. Wir sind eine Familie und
kümmern uns sehr gut umeinander. Wir respektieren uns, helfen uns. Das hat
einen unglaublichen verbindenden Effekt, um sich nicht allein, verloren zu
fühlen. Und es macht Spaß“, sagt Maria. Das merkt man ihrer Gesangprobe an:
Sie singen expressiv, konzentriert und aufeinander bezogen.
## Kein Komasaufen, kein öffentliches Klo
Aber sie wollen auch, dass ihre Kunst, ihre Mühe respektiert und gesehen
wird. „Unser Karneval ist kein Komasaufen, Cádiz ist keine öffentliche
Toilette, auf der jeder mitten auf der Straße seine Bedürfnisse erledigen
kann. Dieser Tourismus, der in den letzten Jahren zugenommen hat, zerstört
unsere Stadt. Aber das wird in einigen Teilen Spaniens durchaus gefördert.“
„Ja, der Tourismus bringt in vielen Bereichen eine negative Entwicklung,
aber ich sehe keine Lösung, denn es lockt das schnelle Geld in dieser
ökonomisch schwachen Stadt“, sagt [5][El Selu de Cádiz], der Mick Jagger
der Chirigota-Szene und wohl bekannteste Chirgota-Sänger des Landes, in
seiner Stammbar in der Calle San José, wo immer ein Tisch für ihn
reserviert ist. Eine lebende Legende, sympathisch und zugewandt. Nach 46
Jahren Wettstreit im Gran Teatro Falla scheidet der 63-Jährige nun aus dem
offiziellen Wettbewerb aus. Zum großen Bedauern der Gaitanos, denn keiner
verkörpert den Spirit der Stadt so wie er.
2025 war sein letzter Auftritt mit [6][„Apartamentos Turísticos Juani
Wainjou“]. Mit Bienenkorb-Frisur, dickem Eyeliner und Tattoos ahmte seine
Chirigota-Gruppe die britische Sängerin Amy Winehouse nach als Symbol für
Unangepasstheit, Ehrlichkeit und Widersprüchlichkeit. Seine „Juani Wainjou“
aus Cadiz – so lautet Amy Winehouse im hiesigen Dialekt – vermietet ihre
Wohnung an Touristen und weiß selbst nicht mehr wohin.
Musik, Satire, Lokalkolorit, Humor und feine gesellschaftliche
Beobachtungen hat Selu zu einem ganz persönlichen Stil verarbeitet. Ein
sensibler Humorist mit purer Lust am Spiel, der Verkleidung und Satire,
dabei völlig unprätentiös. So unprätentiös wie Cádiz, wo der Ausverkauf
noch nicht alle Lebensbereiche und Schönheit erreicht hat.
## „Ich bin Cádiz, Cádiz ist ich“
„Die Stadt nährt mich. Ich bin hier geboren und das kommt mir immer noch
wie ein großes Geschenk vor“, sagt er. „Ich schätze die kommunikative
Arglosigkeit und Selbstverständlichkeit der Menschen hier. Ihren Sinn für
Ironie. Ich selbst mag es sehr, zu ironisieren. Ich mag es, Kritik zu üben,
und ich glaube, dass Ironie die Art ist, Dinge noch mehr schmerzen zu
lassen.“
Er höre auf, weil ihn der jährliche Wettstreit im Theater nicht mehr
herausfordere, sondern stresse. Das Publikum verändere sich, wie sich auch
die Gruppen veränderten. „Das Negative ist, dass sich das Wesen des
Karnevals ändert, dass Anspielungen auf unsere Eigenheiten, auf
Alltagsschwierigkeiten immer schwieriger werden, weil das Publikum
größtenteils von außen kommt, sogar das Theaterpublikum, und wenn man eine
ganz besondere Anspielung einbaut, lachen nur vier Leute oben auf der
Galerie. Das ist kein begeistertes, leidenschaftliches Publikum mehr.“
Aber was bleibe, sagt er, das sei die Musik. „Und die macht das Leben
definitiv leichter.“
16 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Edith Kresta
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