# taz.de -- Putin zu Besuch in China: Bittsteller auf Betteltour
       
       > Vom russischen Riesenreich zur chinesischen Provinz – Putin macht sich
       > zum Vasallen Pekings. Zu viel Häme aus Europa ist aber nicht angebracht.
       
 (IMG) Bild: Wird sich aus der Umklammerung Xis nicht mehr lösen können: Russlands Präsident Putin in Peking
       
       Putins Strategie war es einmal, Europa durch russisches Öl und Gas vom
       Kreml abhängig zu machen, Warnungen davor wurden im Westen lange in den
       Wind geschlagen. Dass sein Plan nicht aufging, lag am Kremlherrn selbst:
       Sein Angriffskrieg gegen die Ukraine hat harte Sanktionen ausgelöst, mit
       denen er nicht gerechnet hat. Vor allem der Stopp der Importe von
       russischem Erdgas bis spätestens Ende September 2027 stellt Moskau vor ein
       riesiges wirtschaftliches Problem.
       
       Statt Europa abhängig zu machen, hat sich Putin nun [1][völlig an China
       gekettet]. Eilig und mit riesigen Rabatten muss Putin versuchen, sein Gas
       beim östlichen Nachbarn loszuwerden. Xi quetscht Russland dabei wie eine
       Zitrone aus. Putin kann sich kaum wehren. Denn die Kreml-Kasse ist klamm.
       Schon jetzt [2][bettelt Moskau um chinesische Milliarden für
       Infrastrukturprojekte]. Und Russland ist bei Lieferungen von Technik oder
       Glasfaserkabeln für seine Drohnen fast vollständig auf „Made in China“
       angewiesen. 36 Prozent aller seiner Importe bezieht Russland inzwischen aus
       China.
       
       [3][„Unerschütterliche Beziehungen“] nannte der chinesische Staats- und
       Parteichef Xi Jinping das Verhältnis zum nachbarlichen Riesenland. In der
       Tat wird sich Putin aus der Umklammerung Xis nicht mehr lösen können.
       Chinesische Pkws, Lastwagen und Busse dominieren schon jetzt die
       Neuwagenverkäufe in Russland, haben russische Fabriken fast plattgemacht.
       Ähnlich ist es in anderen Branchen. Das ist viel mehr als „intensivierte
       wirtschaftliche Kooperation“, von der beide Seiten sprechen.
       
       Seine expansionistischen Ambitionen am Westrand des Reichs kann sich Putin
       nur leisten, wenn [4][Peking ihm nicht die Unterstützung entzieht]. Würde
       Peking seine Lieferungen an Russland einstellen – Moskau müsste seinen
       Ukrainekrieg beenden.
       
       Von Allmachtsfantasie zur Ohnmachtsrealität
       
       China lässt sich dafür fürstlich entlohnen, will nun einen Gaspreis wie im
       russischen Inland. Immer mehr Chinesinnen und Chinesen siedeln sich im
       Fernen Osten an, wo bisher kaum Menschen leben. Chinesische Firmen roden
       ohne Rücksicht auf die Umwelt sibirische Urwälder. Putin macht durch seine
       imperialistische Politik das Riesenreich zu einer chinesischen Provinz und
       ist nun als Bittsteller auf Betteltour in Peking. Der Drang nach Allmacht
       ist für Putin fast schon in Ohnmacht geendet.
       
       Häme ist indes unangebracht. Chinas Herrscher hat sich nicht nur das noch
       unter Mao Zedong als Rivale angesehene Russland zum Vasallen gemacht. Er
       macht auch den USA und Europa klar, wie übermächtig China inzwischen ist.
       Und zu Chinas bisherigem De-facto-Monopol bei seltenen Erden kommt nun auch
       noch das Absaugen billiger russischer Rohstoffe.
       
       20 May 2026
       
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