# taz.de -- Italienrundfahrt der Radprofis: Masken auf und lüften!
       
       > Beim Giro d’Italia haben etliche Profis mit Virusinfektionen zu kämpfen.
       > Auch die Angst vor Erkältungen grassiert im mittlerweile dezimierten
       > Peloton.
       
 (IMG) Bild: Gegen den Berg und die Kälte: Giulio Pellizzari und Teamkollege Jai Hindley beim Anstieg zum Monte Blockhaus
       
       Die Virusangst geht wieder mal um beim Giro. Man sieht mitunter Masken in
       den Teambussen. Top-Favorit Jonas Vingegaard setzte sicherheitshalber auch
       eine beim Flugtransfer von der Grande Partenza in Bulgarien nach Süditalien
       auf. Und auch bei den obligatorischen Pressekonferenzen als Etappensieger
       und amtierender Bergkönig bittet er regelmäßig darum, die Tür zum
       Interviewwagen für bessere Luftzirkulation offenzulassen.
       
       Vingegaard ist allerdings kein Hypochonder. Erkältungen und
       Magen-Darm-Viren gehören zum Giro wie das rosa Trikot und die
       obligatorische Proseccoflasche auf dem Siegerpodium. Legendär sind etwa die
       Durchfallattacken, [1][unter denen 2017 den Rosa-Träger Tom Dumoulin auf
       der Königsetappe litt]. Auch in diesem Jahr erwischte es einige Fahrer.
       
       Giulio Pellizzari musste beim Anstieg nach Corno alle Scale auf der 9.
       Etappe die Allerbesten ziehen lassen. Knapp anderthalb Minuten verlor er
       auf den Etappensieger Vingegaard. Im Ziel musste der Red-Bull-Profi sich
       gar übergeben. „Es ist schade. Da bereitet man sich so gut auf den Giro
       vor, und dann musst du abreißen lassen, weil dein Körper nicht zu 100
       Prozent da ist“, sagte er der taz.
       
       Froh war der Italiener über den Ruhetag danach. Und beim Zeitfahren am
       Dienstag lief es schon wieder besser. „Besser als befürchtet“, sagte
       Pellizzari sogar. Auf seinem Powermeter sah er aber, dass ihm über die
       gesamten 42 Kilometer etwa 25 Watt zum Normalniveau fehlten.
       
       ## Kälteschlacht von Potenza
       
       Eingefangen hat er sich die Erkältung wohl auf der fünften Etappe,
       vermutete er selbst. Die ging als Regen- und Kälteschlacht von Potenza in
       die Annalen ein. Tagessieger Igor Arrieta und Fluchtkollege Afonso Eulalio,
       der sich an diesem Tag das rosa Trikot holte, waren derart durchgefroren,
       dass sie vollkommen steif vom Rad stiegen und der ganze Körper vor Kälte
       zitterte.
       
       Auch andere Fahrer litten. Florian Stork war mit Platz 2 am zweiten Tag des
       Giro toll in die Rundfahrt gestartet. Die letzten Tage verbrachte er aber
       vornehmlich [2][im Gruppetto]. Auch er litt an einer Erkältung. „Geholt
       habe ich mir die wahrscheinlich schon in Bulgarien. Am ersten Tag in
       Italien habe ich es zumindest gespürt“, sagte er. Mittlerweile geht es dem
       Deutschen besser. Er hofft auf neue Fluchtgruppenabenteuer.
       
       Das ist das Besondere an Grand Tours. Obgleich die Athletenkörper, vor
       allem die der Kletterer, ausgezehrt sind und deshalb wenig Widerstandskraft
       haben, schaffen sie es dennoch, sich trotz aller Strapazen derart zu
       erholen, dass die Leistungsfähigkeit zurückkommt – zumindest ansatzweise.
       Pellizzari hofft nun, erst mal keine weitere Zeit zu verlieren, um am
       Samstag anzugreifen.
       
       Am schlimmsten hatte es bei diesem Giro allerdings den Lotto-Rennstall
       erwischt. Das Team musste seinen halben Giro-Kader schon vor dem Rennen
       austauschen, weil sich die Rennfahrer zuvor bei einem Rennen in Belgien
       [3][offenbar eine Dungvergiftung] zugezogen hatten. Einige mussten mit
       Magenbeschwerden, Durchfall und Erbrechen sogar ins Krankenhaus gebracht
       werden.
       
       ## Radler versus Kuhscheiße
       
       Vermutet wird, dass Bakterien aus Rinderdung durch schwere Regenfälle
       herausgespült wurden und irgendwie an die Trinkflaschen der Rennfahrer
       kamen. Zwei Lottofahrer, die zunächst keine Symptome aufwiesen und zum Giro
       fuhren, mussten mittlerweile aussteigen.
       
       Sie sind bereits an Phase 1 des Radsports gescheitert. Laut Christian
       Pömer, dem sportlichen Leiter bei Red Bull-Bora-hansgrohe, definierte sein
       Road Captain und Alltagsphilosoph Gianni Moscon Radsport als
       Dreiphasenzyklus: „Erstens, du musst bis ins Ziel kommen.
       
       Das heißt, man darf nicht stürzen oder krank werden. Zweitens muss man an
       den besten Rennfahrern dranbleiben. Nur wenn das möglich ist, kann man an
       die dritte Phase denken, nämlich selbst attackieren.“
       
       Das von 184 auf 167 Fahrer geschrumpfte Peloton teilt sich also in
       Dreiphasenfahrer auf: Jene, die trotz Sturz oder Krankheit noch dabei sind
       und nur ans Erreichen des Zielstrichs innerhalb der Karenzzeit denken.
       Jene, die versuchen, mit den Besten mitzuhalten.
       
       Und jene, die sich trauen können, die Besten zu attackieren. Es wäre doch
       mal was, wenn der datengetriebene Radsport während einer Übertragung eines
       Rennens visualisieren würde, wie viele Fahrer sich allein aufgrund ihrer
       Gesundheitsdaten aktuell in Phase 1, 2 oder 3 befinden. Die groben
       Verhältnisse kann man allerdings mit halbwegs geübtem Auge auch so
       erfassen.
       
       21 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=QhCFmoTIxxg
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppetto
 (DIR) [3] https://www.theguardian.com/sport/2026/may/06/cowpats-blamed-cyclists-fall-sick-after-race-in-belgium-ardenne-classic
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tom Mustroph
       
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