# taz.de -- Zwei Radprofis mit besten Perspektiven: Duell der Zukunft
       
       > Die 21-jährigen Radprofis Isaac Del Toro und Giulio Pellizzari dominieren
       > die Rundfahrt Tirreno Adriatico. Vor allem Del Toro weckt große
       > Erwartungen.
       
 (IMG) Bild: Die Erfolgsstatistiken des Mexikaners Isaac Del Toro erinnern an die ganz Großen des Radsports
       
       Der Fußball lässt auch den Radsport nicht los. Isaac Del Toro und
       [1][Giulio Pellizzari] sind nicht nur gute Kumpels. Sie spielen auch gern
       Fifa auf der Konsole gegeneinander, verriet Pellizzari am Rande des
       Tirreno. „Ich nehme Real Madrid, er Paris St.-Germain“, sagte der
       Italiener. Das sind sozusagen die umgekehrten Verhältnisse. Denn der
       Mexikaner Del Toro ist beim Pogačar-Rennstall UAE Emirates unter Vertrag.
       Man könnte das Unternehmen als das Real Madrid des Radsports bezeichnen.
       Pellizzari hingegen, der die Königlichen auswählt, tritt in den Farben des
       Aufsteigerrennstalls Red Bull – Bora – hansgrohe an.
       
       Wer bei der Zockerei an den Digitalgeräten gewinnt, wollte Pellizzari nicht
       preisgeben. Auf der Straße sind die Verhältnisse momentan jedenfalls
       spannend. Die beiden 21-Jährigen, die sich schon zu Teenagerzeiten gerne
       herausforderten, bestimmen bislang diesen Tirreno Adriatico. Bei der
       Schotteretappe nach San Gimignano lieferten sie sich einen packenden Kampf.
       Del Toro eroberte als Tageszweiter die Gesamtführung, Pellizzari wurde
       Tagesdritter und Gesamtzweiter.
       
       Das ist, so urteilte auch [2][Altmeister Primož Roglič], das herausragende
       Duell dieser Rundfahrt. „Diese Jungen sind einfach stark“, sagt er
       anerkennend. Selbst hofft er natürlich, dass Red-Bull-Teamgefährte
       Pellizzari gewinnt.
       
       Der wäre tatsächlich mal an der Reihe. Denn während die beiden in den
       Nachwuchsklassen gleichwertig waren, zog Del Toro bei den Erwachsenen
       davon. Im vergangenen Jahr verblüffte er zunächst als Gesamtzweiter beim
       Giro d’Italia und legte danach einen Spätsommer und Herbst der Extraklasse
       hin. Er gewann kleinere Rundfahrten und Eintagesrennen wie er wollte. 16
       Erfolge an 33 Renntagen standen zu Buche – eine Ausbeute, die früher ein
       Eddy Merckx hatte und zuletzt [3][Tadej Pogačar.]
       
       ## Erwartungen „massiv übertroffen“
       
       Lange versuchte man im Lager von UAE die Vergleiche zwischen Chef Pogačar
       und dem aufstrebenden Adjutanten Del Toro wegzumoderieren. Man wollte Druck
       vom Mexikaner nehmen. Doch in diesem Jahr funktionierte diese
       Sprachregelung nicht mehr. „Es ist ein bisschen wie mit Tadej“, gab
       Teamchef Mauro Gianetti zu, nachdem Del Toro souverän die UAE Tour im
       Heimatland des Rennstalls gewonnen hatte. Beim Schotterstraßenrennen Strade
       Bianche legte er nach, sicherte als Dritter den Sieg seines Kapitäns aus
       Slowenien mustergültig ab.
       
       „Er hat unsere Erwartungen massiv übertroffen“, gab auch UAEs Sportdirektor
       Matxín Fernández zu. „Und das will etwas heißen, denn im Hinblick auf
       unsere Fahrer bin ich der optimistischste Mensch“, meinte er im
       Trainingslager.
       
       Del Toro stammt eigentlich aus einer Surfer-Hochburg, dem Küstenort
       Ensanada in Baja California. Aber weil sein Vater ein begeisterter
       Radsportler war und auch sein Bruder Angel in Liebe zum Zweirad entbrannte,
       entschied sich auch der kleine Isaac dafür. Schnell wurde die mexikanische
       Radsportszene für ein Talent wie ihn zu klein. Er entschied sich, noch als
       Teenager nach Europa zu gehen. Seine erste Station war in San Marino beim
       Entwicklungsrennstall AR Monex. Der wurde speziell für Radtalente aus
       Mexiko gegründet, um sie an die europäische Rennszene heranzuführen.
       
       In San Marino lernten sich auch Pellizzari und Del Toro kennen, sie wohnten
       eine Zeitlang sogar im gleichen Haus und freundeten sich schnell an.
       Aktuell sieht der Italiener den Mexikaner ein ganzes Stück besser. „Im
       Moment fährt er auf einem anderen Niveau als ich. Aber ich bemühe mich, den
       Rückstand aufzuholen und auf sein Niveau zu kommen“, versprach er. Einen
       kleinen Vorteil hat er bei diesem Tirreno. Er stammt aus Camerino, dem
       Zielort der fürs Gesamtklassement wohl entscheidenden Etappe am Samstag.
       Man wird sehen, ob das reicht, um den Spieß einmal umzudrehen. Der Tirreno
       endet am Sonntag mit einer Sprintetappe entlang der Adriaküste in San
       Benedetto del Tronto.
       
       13 Mar 2026
       
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