# taz.de -- Windsurfen auf dem Müggelsee: Perlen auch in Flauten finden
       
       > Unsere Autorin hat hohe Erwartungen an ihre erste Windsurfstunde und will
       > dann gar nicht mehr aufhören. Schade, dass sie nicht in Rocky Beach
       > wohnt.
       
 (IMG) Bild: Windsurfer:innen auf dem Müggelsee in Berlin
       
       Ich bin ein Meerestier. Das hab ich schon immer gedacht, und ich erinnere
       mich von Zeit zu Zeit daran, [1][wenn ich mindestens bis in den Knien im
       Wasser stehe.] Seit Neuestem verbringe ich deshalb jeden Tag im Freibad.
       Denn was interessiert mich die passiv-aggressive Mail eines Kollegen, wenn
       ich dabei in meinem Lieblingsbadeanzug auf dem Handtuch liege und
       Wasserperlen mein Gesicht runtertropfen?
       
       Selbst jetzt, wo ich im Schlick des Badewannenwassers vom Berliner
       Müggelsee dümpel, denke ich das. Vor mir liegt das Board, an dem etwa in
       der Mitte ein Mast mit einem Segel befestigt ist. Eben haben wir ihn am
       Board befestigt, die Befestigung so fest reingedreht, wie man eine Bialetti
       drehen sollte, hab ich mir gemerkt.
       
       Meine Erwartungen an meine erste Windsurfstunde sind hoch. Schon beim
       Wellenreiten hatte ich einen Höllenspaß, als ich es mal probiert habe. Ich
       weiß noch, wie ich damals ein Board mit zwei Freundinnen ausgeliehen habe –
       drei Boards waren uns damals zu teuer – und es am Ende nicht mehr abgeben
       wollte. In meinem Kopf schwirren die Worte, die ich eben auf der Autofahrt
       zum See gelernt habe: Luv, Lee, Bug, Heck, Mast, Board, Schwert usw. Sie
       vermischen sich mit den Liedzeilen vom H2O-Titelsong: „So come on this is
       our adventure, there's no telling where we'll go, and all I want is just to
       live amongst the H2O!“
       
       Der ganze Prozess, um überhaupt auf das Brett zu kommen, ist komplex. Hände
       auf dem Brett abstützen, mit Schwung die Knie auf das Brett hieven, daraus
       in die Hocke und die Leine greifen, an der der Mast befestigt ist, und sich
       selbst aufrichten und den Mast auch. Dabei noch aufpassen, dass man nicht
       direkt wieder vom Board fällt.
       
       ## Wenig Wind und ein malerischer Sonnenuntergang
       
       Ich muss mich so sehr auf das Gleichgewicht konzentrieren, dass ich den
       Anweisungen, die ich dabei von einer Kollegin bekomme, die mir etwas
       Surfunterricht gibt, gar nicht mehr folgen kann. „Nun im Uhrzeigersinn
       drehen“, sagt sie. Ich bleibe wie erstarrt stehen. Wo ist mein linker Fuß,
       wo mein rechter und in welche Richtung jetzt? Wo halte ich jetzt den Mast
       und in welche Richtung kommt das Segel?
       
       Man hat viel zu tun. Nur der Wind macht sich an diesem Augusttag rar, es
       weht nur ab und zu mal eine Mini-Böe zu uns herüber. Um Fahrt aufzunehmen,
       soll ich das Segel an mich ziehen, wie wenn ich eine Tür leise schließe.
       „Dichtholen“ heißt das in der Segelsprache. Das Gesicht dreht man nach Luv,
       also dahin, wo der Wind herkommt. In diesem Fall schaue ich in die
       malerisch untergehende Sonne.
       
       Während ich die Segeltür in weichen Bewegungen öffne und schließe, fühle
       ich mich wie eine Meerjungfrau. „The world is my oyster and I am the
       pearl“, singe ich. Wahrscheinlich sieht es von außen nur halb so grazil
       aus, wie ich mich gerade fühle. Aber ist ja egal. Und die Flaute hat sogar
       was Gutes: So kann ich alle Bewegungen ganz langsam lernen und werde nicht
       davon gestört, dass der Wind mich irgendwo hinträgt, wo ich dann eh nicht
       wüsste, wie ich zurückkommen würde. Denn Lenken habe ich in der ersten
       Surfstunde jetzt eh noch nicht gelernt. Von daher bleibt es einfach beim
       Aufstehen, Segel richten, Reinfallen. Und ich kann nicht damit aufhören.
       
       Für ein neues Hobby ist es mir leider zu teuer, zu aufwendig und ich wohne
       leider auch nicht in Rostock oder in Rocky Beach. Und die Aussicht, das nur
       auf dem Müggelsee zu machen, ist mir dann doch ein bisschen zu
       unromantisch. Aber ich denke natürlich jetzt schon darüber nach, wann ich
       es das nächste Mal ausprobieren kann, und dann hoffentlich mit mehr Wind.
       
       12 Aug 2026
       
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