# taz.de -- Naturtalent in einem Wurfsport: Nonchalant am Äxte werfen
       
       > Welch Überraschung! Ohne es zu wissen, bin ich vermutlich schon viele
       > Jahre Axt-Werf-Profi. Ein Sport, der binnen kürzester Zeit süchtig macht.
       
 (IMG) Bild: Noch einmal! Aufhören ist vielleicht das Schwierigste beim Axtwerfen
       
       Weil meine Friends und Kolleg:innen wissen, dass ich oft Kaugummi dabei
       habe, kommt es häufiger vor, dass ich ihnen eins abgeben möchte. Um dabei
       natürlich komplett nonchalant rüberzukommen, werfe ich die Dose oft rüber
       und versuche sie bei der Rückgabe auch wieder zu fangen. Aber ich bin mega
       schlecht im Werfen, weshalb das meistens nicht so toll aussieht und sich
       auch nicht so anfühlt.
       
       Deshalb bin ich sehr überrascht, dass ich, ohne es zu wissen, vermutlich
       schon viele Jahre Axt-Werf-Profi bin. Die Erkenntnis kam mir vor wenigen
       Tagen, als ich gemeinsam mit einer Freundin den Sport ausprobiert habe.
       Dafür musste ich mal wieder in die Vorhölle, genauer gesagt in die Nähe des
       Alexanderplatzes, weil sich hier so einige moderne/gentrifizierte
       Sportangebote wie etwa Paintball tummeln. Axtwerfen habe ich bisher mit
       Männern, Holzfällerhemden, Bier, Jagd, Junggesellenabschiede, Gefahr und
       Horrorfilmen verbunden.
       
       Höchste Zeit also, dass ich dieses Bild für mich umdeute. Im Gegensatz zu
       Kaugummi-Packungen habe ich noch genau nullmal eine Axt geworfen, ich
       glaube sogar, ich habe noch nicht einmal eine Axt in der Hand gehalten.
       Falls es euch auch so geht: Es fühlt sich etwa wie ein Hammer an.
       
       Ich stehe also mit der kleinen Axt in meinen kleinen Händen in diesem
       Event-Space zum Axtwerfen und soll das Gerät auf eine sehr große
       nummerierte Zielscheibe werfen. „Wie viele Leute sterben dabei so?“, frage
       ich die Person, die uns gerade die Wurf-Einweisungen gegeben hat?
       Eigentlich habe sich noch niemand verletzt, antwortet die. Während ich noch
       Angst habe, mir selbst oder meiner Axt-Wurf-Partnerin die Axt in den Kopf
       zu rammen, fange ich einfach schon mal an mit Werfen.
       
       ## Lässiger Trickwurf
       
       Ungewohnt ist, dass man den Fuß auf der Seite, mit der man wirft, nach vorn
       stellen muss. Dann streckt man seinen Arm über den Körper und holt den
       Schwung aus seinem ganzen Körper. Im richtigen Moment loslassen und zack,
       landet die Axt bei mir perfekt in der Mitte des Riesenbaumstumpfs – 4
       Punkte. Ich kann es nicht glauben, aber ich werfe und werfe und werfe und
       treffe meist gut bis super. Auch meine Freundin zocke ich bei einem Spiel
       irgendwie total ab. Und noch viel genugtuender: Neben uns hat sich eine
       Gruppe von Männern eingefunden. Die sehen alle so aus, als hätten sie schon
       mindestens zehnmal eine Axt in der Hand gehabt. Aber, ich werfe besser als
       die.
       
       Ich darf sogar eine Special Axt ausprobieren und bekomme noch einen
       Trickwurf gezeigt, der noch viel lässiger aussieht als der normale Wurf.
       Dabei hält man die Axt falsch herum und nur locker am Griff fest. Dann mit
       einem leichten Schwung von unten nach oben werfen. Die Axt landet dann über
       Kopf im Ziel. Das funktioniert so smooth, ich bin einfach komplett
       begeistert. Und extrem süchtig. Als die Zeit um ist, fange ich völlig
       wahnsinnig zu rennen an, wenn ich die Axt aus dem Stumpf ziehen will. Nur
       noch einmal!
       
       Das Einzige, was mir passiert ist, weil ich irgendwie auf natürliche Art
       Axtwerfen konnte: Am Ende hat es schlechter geklappt. Weil ich dann zu
       verkopft wurde und zu viel über die Bewegung nachgedacht habe. Ich glaube,
       da hilft nur eins: Ab und zu noch mal Axtwerfen gehen. Dafür war mir nur
       der Stundenpreis zu teuer. Also: Axtwerfer:innen Deutschlands: Wo seid
       ihr? Kann ich mich anschließen? Bitte nur ernste Angebote, danke.
       
       15 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ann-Kathrin Leclere
       
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