# taz.de -- Korruption der Trump-Regierung: Entschädigung für die militanten Kapitolstürmer von 2021
> In einem beispiellosen Deal mit seinem eigenen Justizministerium will
> Trump einen Entschädigungsfonds für angebliche Opfer der Biden-Justiz
> auflegen.
(IMG) Bild: Sollen Geld vom Staat bekommen: Trump-Anhänger, die am 6.1.2021 das Kapitol stürmten, um den Regierungswechsel zu verhindern
Nicht nur, dass Donald Trump unmittelbar nach seiner zweiten Vereidigung
als US-Präsident [1][alle wegen des Kapitolsturms am 6. Januar 2021
verurteilten Straftäter*innen auf einen Schlag begnadigte]: Hat die
jüngste Volte präsidentieller Korruption vor Gericht Bestand, können die
über 1.600 verurteilten militanten Trump-Fans und viele von Trumps
kriminell gewordenen Anhängern auch noch mit einer finanziellen
Entschädigung für das „erlittene Unrecht“ rechnen.
Und das geht so: Trump selbst hatte im Januar die Steuerbehörde seiner
eigenen Regierung verklagt. Zehn Milliarden US-Dollar Schadensersatz
verlangte er, weil ein Leak der Behörde es möglich gemacht hatte, dass
seine Steuerdaten in die Öffentlichkeit gerieten. Dass praktisch jeder
andere US-Präsident seine Steuerdaten ohnehin selbst veröffentlicht, sei
dahingestellt – Trump beharrte darauf, ihm sei immenser Schaden entstanden.
Noch bevor es aber zu einem Verfahren kommt, hat Trump jetzt mit dem – von
ihm selbst eingesetzten – interimsmäßig amtierenden Justizminister Todd
Blanche einen Deal abgeschlossen. Blanche war zuvor einer von Trumps
persönlichen Anwälten, der ihn in etlichen Verfahren verteidigt hat. Der
Deal sieht so aus: Trump zieht die Forderung zurück, dafür legt das
Justizministerium einen sogenannten Anti-weaponisation fund auf – einen
Fonds gegen den politischen Missbrauch der Justiz in Höhe von symbolischen
1,776 Milliarden US-Dollar. Die darf Trump nach eigenem Gutdünken an
Menschen verteilen, die er zu Opfern der politisch-juristischen Verfolgung
durch die Biden-Regierung erklärt.
Das heißt: Hunderte, wenn nicht Tausende von beinharten Trump-Anhängern
werden mit Steuergeldern dafür belohnt, Gesetze übertreten zu haben und
dafür rechtmäßig verurteilt worden zu sein. Darunter könnten auch Leute wie
Alex Jones fallen, der frühere Besitzer der Plattform infowars.com, der für
seine Falschbehauptung, das Schulmassaker von Sandy Hook sei eine reine
Erfindung gewesen, [2][Entschädigungen in Millionenhöhe an die Angehörigen
der getöteten Kinder] zahlen musste.
## Senatorin Warren: „Korruption auf Steroiden“
Für Donald K. Sherman, den Vorsitzenden der Watchdog-Organisation Citizens
for Responsibility and Ethics in Washington ist das der „korrupteste
Vorgang in der Geschichte der USA“. So sagte er es der [3][New York Times.]
Von Entschädigungszahlungen ausgeschlossen sind immerhin Donald Trump
selbst und sein engster Familienkreis – sie sollen lediglich eine
offizielle Entschuldigung des Justizministeriums für das ihnen angetane
Unrecht erhalten.
Zur Erinnerung: Trump war nach dem Ende seiner Amtszeit in vier
verschiedenen Verfahren angeklagt worden. Anders als von ihm stets
behauptet, waren nicht die Verfahren politisch motiviert. Einen politischen
Grund hatte es allerdings, dass er nicht einmal in dem einen Verfahren –
wegen Verschleierung von Schweigegeldzahlungen – bestraft wurde, das trotz
aller Verzögerungstaktiken seiner Anwälte bis zu einem Schuldspruch geführt
werden konnte. Die [4][Verkündung des Strafmaßes wurde immer wieder
verschoben] – bis Trump schließlich die Wiederwahl gewonnen hatte und das
Verfahren eingestellt wurde. Seit er wieder im Amt ist, überzieht Trump an
den Ermittlungen gegen ihn Beteiligte mit haltlosen Strafverfahren oder hat
sie schlicht gekündigt.
Großzügig verzichtet Trump in seinem Deal mit dem Justizministerium auch
darauf, weiterhin Entschädigungen für Ermittlungen wegen einer mutmaßlichen
russischen Einmischung in seinen Wahlkampf 2016 zu verlangen oder wegen der
FBI-Razzia auf sein Anwesen in Mar-a-Lago, wo er nach Ende seiner Amtszeit
illegal geheime Unterlagen aus dem Weißen Haus gelagert hatte.
Von demokratischen Kongressabgeordneten und Senator*innen kam sofort
nach Bekanntgabe des Deals helle Empörung: Nicht nur könne ausschließlich
der Kongress Haushaltstitel vergeben und die Einrichtung eines
Entschädigungsfonds sei niemals beschlossen worden. Senatorin Elizabeth
Warren aus Massachusetts schrieb auf X, was hier geschehe, sei „Korruption
auf Steroiden“.
Allgemein wurde erwartet, dass ein juristisches Vorgehen gegen Trumps
Vorgehen eher eine Frage von Stunden als von Tagen sein dürfte.
19 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /US-Praesident-Trump-unterzeichnet-Dekrete/!6064117
(DIR) [2] /Strafe-fuer-Alex-Jones/!5870329
(DIR) [3] https://www.nytimes.com/2026/05/18/us/politics/trump-irs-lawsuit.html
(DIR) [4] /Entscheidung-ueber-Urteil-vertagt/!6049143
## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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