# taz.de -- Musk verliert gegen OpenAI: Zwei zankende Milliardäre vor Gericht
       
       > Elon Musk scheiterte mit seiner Klage gegen OpenAI-Gründer Sam Altman.
       > Dem größten Börsengang der Geschichte steht nun nichts mehr im Weg.
       
 (IMG) Bild: Eine Zeichnung der Richterin Yvonne Gonzalez Rogers. Sie leitete in Oakland den Prozess zwischen Musk und Altman
       
       Sam Altman nahm sich am Montag keine Zeit, seinen Sieg gegen Elon Musk zu
       feiern. Der Chef des KI-Konzerns OpenAI überließ dies seinen Anwälten, die
       den Geschworenen des Gerichts im kalifornischen Oakland für ihre rasche
       Entscheidung dankten. Altman selbst bewarb lieber auf [1][X, der
       Social-Media-Plattform seines Gegners Musk], die neueste Version seines
       Hauptproduktes ChatGPT. Schließlich steht ein Börsengang von OpenAI an.
       
       Musk hingegen wetterte nächtens auf selbigem X gegen das Urteil. Eine
       „aktivistische Richterin“, die die Jury lediglich als Feigenblatt benutzt
       habe, um ihre Agenda durchzusetzen, so Musk, der mit einem Vermögen von
       rund 800 Milliarden US-Dollar der reichste Mensch der Welt ist. Das Urteil
       setze eine „furchtbare Präzedenz“. In Zukunft könne jeder, der wolle, eine
       wohltätige Organisation einfach ausrauben, ärgerte sich Musk.
       
       Inwiefern OpenAI noch eine wohltätige Organisation ist, spielte bei Musks
       Klage gegen Altman eine zentrale Rolle. Das KI-Unternehmen, das Musk im
       Jahr 2015 mitgegründet hatte, behauptete anfangs, eine gemeinnützige
       Forschungseinrichtung zu sein, die die Chancen und Risiken der
       [2][künstlichen Intelligenz (KI)] für die Zukunft der Menschheit auslotet.
       
       2018 stieg Musk bei OpenAI aus, im Jahr darauf wurde eine gewinnorientierte
       Tochterfirma gegründet. Heute wird OpenAI mit 852 Milliarden Dollar
       bewertet. Wie die Zeitschrift New Yorker jüngst berichtete, war damit dem
       Goldgräbertum auf dem KI-Markt Tür und Tor geöffnet. Anstatt, wie in den
       ursprünglichen Statuten von Open AI vorgesehen, vor jedem
       Entwicklungsschritt die Risiken abzuwägen, ging es nun hauptsächlich darum,
       mit neuen Produkten so schnell wie möglich Geld zu verdienen.
       
       ## Altman verlor zeitweilig seinen Chefposten
       
       Dabei spielt Altman bis heute eine dubiose Rolle. Wie Zeugenaussagen
       während des Prozesses bestätigten, nimmt der OpenAI-Chef es mit der
       Wahrheit nicht immer so genau. Er erzählt zum Beispiel seinem Vorstand das
       eine und den Investoren gerne etwas anderes. Eine Angewohnheit, die im Jahr
       2023 dazu führte, dass Altman vorübergehend seinen Chefposten verlor. Der
       Coup dauerte jedoch nur fünf Tage. Altman manövrierte sich wieder zurück
       auf seinen Posten.
       
       Die große Frage, die bei dem Prozess in Oakland zur Debatte stand, war
       demnach dieselbe, die der New Yorker stellte: Kann man Altman trauen?
       Schließlich besitzt er mit OpenAI eine unziemliche Macht, über die Zukunft
       der Menschheit zu bestimmen, und wird dabei kaum von der US-Regierung
       Donald Trumps beschränkt.
       
       Im Grunde belegten die Aussagen und Indizien, die während des Prozesses
       zutage traten, dass man Altman absolut nicht trauen kann, obgleich er von
       sich selbst behauptete, er sei ein „vertrauenswürdiger, ehrlicher
       Geschäftsmann“. Der ehemalige Chef-Forscher von OpenAI, Ilya Sutskever,
       sagte, dass die Geschäftsleitung nie die nötigen Informationen gehabt habe.
       Eine Flut an E-Mails und Sitzungsprotokollen bestätigte eine Firmenkultur
       der „Heimlichkeit und Täuschung“, wie ein Prozessbeobachter schrieb.
       
       Doch dass ausgerechnet Musk gegen Altman klagte, verhinderte, dass über die
       notwendige Regulierung von künstlicher Intelligenz diskutiert wurde.
       Schließlich ging es Musk in seiner Klage vor allem ums eins: Schadenersatz
       in Höhe von bis zu 134 Milliarden Dollar (umgerechnet 114 Milliarden Euro),
       die Absetzung Altmans und die Rückumwandlung des Unternehmens in eine rein
       gemeinnützige Organisation.
       
       So sah man in Oakland vor Gericht zwei zankende, kleinliche Milliardäre,
       die ihre Profite schützen wollten. Der Fall wurde wegen Verjährung
       geschlossen. Dem größten Börsengang der Geschichte steht nun nichts mehr im
       Weg. Ebenso wenig der Tatsache, dass die Entwicklung von KI weiterhin
       allein den [3][Gesetzen des Marktes] folgt.
       
       19 May 2026
       
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