# taz.de -- Linke, SPD und Grüne verlassen X: Der Rückzug in die Bubble ist ein strategischer Fehler
> X ist eine der wenigen Plattformen, wo man Menschen jenseits des eigenen
> politischen Spektrums erreicht. Ein Boykott nutzt Linken nichts.
(IMG) Bild: Natürlich ist es scheiße, dass ein rechter Milliardär eine Plattform mit einer solchen Meinungsmacht besitzt und kontrolliert
Linke, SPD und Grüne haben am Montag in einer gemeinsamen Aktion [1][die
Musk-Plattform X verlassen]. Die Plattform sei in den vergangenen Jahren im
Chaos versunken und fördere Desinformation, begründen die Parteien diesen
Schritt. Diese Erklärung ist nicht nur wenig überzeugend – auch strategisch
tun sich Rot, Rot und Grün mit dieser Entscheidung keinen Gefallen.
Natürlich ist es scheiße, dass ein rechter Milliardär eine Plattform mit
einer solchen Meinungsmacht besitzt und kontrolliert. Nur ändert der
Boykott zum einen nichts daran und zum anderen bedeutet er schlicht den
Rückzug in die eigene Bubble. Denn was sind die Alternativen? Auf Bluesky
tummeln sich ohnehin größtenteils User*innen, [2][die eine der drei
Parteien wählen]. Und bei den Meta-Plattformen Instagram, Threads und
Facebook versinkt man qua Algorithmus im Sumpf des eigenen
Meinungsumfeldes. Ganz zu schweigen davon, dass das Unternehmen Meta und
sein CEO Mark Zuckerberg [3][nicht weniger schrecklich sind als X und Elon
Musk] – nur einfach nicht ganz so exzentrisch.
X ist zwar voll mit Rechten, Konservativen, Trolls und Bots, Desinformation
und AI-Slop – [4][wie andere Plattformen auch]. Aber es ist eine der
wenigen Plattformen, wo Austausch und Konfrontation über das eigene
politische Spektrum hinweg stattfindet. Wer Meinungsmacht aufbauen will –
und das haben Linke dringend nötig, wenn sie etwas bewirken wollen –, muss
Andersdenkenden dort begegnen, wo sie sind. Muss wissen, wie sie
argumentieren, ihnen Paroli bieten und sie von der eigenen Sache
überzeugen.
Klar, noch idealer wäre ein soziales Medium, das von einem breiten Spektrum
an Menschen genutzt wird und in der Hand von Linken ist. In [5][Sibylle
Bergs] utopischer [6][Grime-Trilogie] ist genau das einer der Schlüssel zur
linken Revolution: Eine Gruppe revolutionärer Hacker*innen schafft eine
Plattform, die alle benutzen, und baut dadurch linke Meinungsmacht auf. Bis
das geschieht, bleibt Linken nichts anderes übrig, als mit den Plattformen
zu arbeiten, die da sind. Auch wenn es nervt.
5 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/gruene-spd-und-linke-stellen-aktivitaeten-auf-x-ein-100.html
(DIR) [2] https://www.zeit.de/kultur/2023-10/bluesky-twitter-alternative-linke-oeffentlichkeit-digital-politisch
(DIR) [3] /Meta-und-Joe-Rogan-verstehen-sich-gut/!6058674
(DIR) [4] /Factchecking-bei-Facebook-und-Instagram/!6057237
(DIR) [5] /Sibylle-Berg/!t5020250
(DIR) [6] https://www.perlentaucher.de/buch/sibylle-berg/rce.html
## AUTOREN
(DIR) Pauline Jäckels
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