# taz.de -- Französischer Sänger und Schauspieler: Vergewaltigungsvorwürfe gegen Patrick Bruel
> Chansonnier, Schauspieler, Teenie-Schwarm: Patrick Bruel war eine
> französische Ikone. Trotz Vergewaltigungsvorwürfen bleibt er auf Tour.
(IMG) Bild: Einfach nur charmant: Patrick Bruel, Stargast bei der Gala zum 200-jährigen Bestehen des „Figaro“ im Januar 2026, grüßt seine Fans
Die Affäre um Patrick Bruel ist ein französisches Trauerspiel. Dienstagfrüh
hat Corinne Herrmann, Anwältin der französischen TV-Moderatorin Flavie
Flament, es noch einmal zugespitzt. Als „7.50 Uhr“-Gast [1][hat sie auf
France Inter präzisiert, der Chansonnier, Schauspieler und Misswahlen-Juror
habe auch ihre Mandantin in seinem Anwesen vergewaltigt]. Zuvor sei sie
unter Drogen gesetzt worden. Das soll 1991 gewesen sein. Flament war damals
16 und trug den Titel der Miss Normandie.
Schon [2][Ende März hatte Mediapart, das Flaggschiff des französischen
Investigativjournalismus], von sexuellen Übergriffen des Künstlers zwischen
1992 und 2009 berichtet. In dem Beitrag wurden die Fälle von acht Frauen
geschildert. Ein 2019 niedergeschlagenes Verfahren soll wiedereröffnet
werden. Um mindestens 19 Fälle geht es inzwischen. Per Instagram-Kommuniqué
hat Bruel am Montag noch einmal alles pauschal bestritten.
Seine 20-Stationen-Tournee durch Belgien, die Schweiz und Frankreich soll
dennoch stattfinden. Sie beginnt im Juni in Paris. Inzwischen [3][rufen 120
feministische Kollektive zu Protestaktionen dagegen auf]. Aus der Musik-
und Show-Branche dröhnt dagegen vor allem Schweigen. Als mutig gilt, dass
Nachwuchsschauspieler Niels Schneider am Rande der Filmfestspiele von
Cannes im Regional-TV festgestellt hat, diese Stille belege, „wie schwer es
fällt, sich die Taten einer geliebten Person einzugestehen“.
Geliebt ist nicht zu stark. Bruel ist jenseits des Rheins eine Ikone.
Zwischendurch war sogar von „Bruelmania“ die Rede, so stark wurde er dort
angehimmelt. Er war ein Lieblingsschauspieler von Claude Lelouch, Agnès
Varda hat mit ihm gedreht, Claude Zidi und immer wieder Alexandre Arcady.
Seine in der Tradition von Jacques Brel oder Michel Sardou vor Gefühl nur
so triefenden, aber mit Funk aufgepeppten Chansons waren für
französischsprachige Teens seit Ende der 1980er der übliche Soundtrack zum
ersten Sex.
Und er schien eben auch politisch so stabil: Er hat SOS-Racisme in den
frühen Jahren unterstützt, hat sich mit Bullen bei Demos gekloppt, hat
karitativ gewirkt, hat Aids-Benefizkonzerte gegeben – und [4][war ein
Lieblingsfeind des Rechtsextremistenführers Jean-Marie Le Pen]. Als dessen
Front National 1995 erste Rathäuser erobern konnte, hatte Bruel seine
Konzerte in den entsprechenden Städten gecancelt. „Mit solchen wie Ihnen“,
hatte Le Pen dem 1959 in Algerien geborenen Juden Bruel daraufhin in
Aussicht gestellt, „machen wir das nächste Mal einen Ofen voll.“
„Je ne peux plus dire, je t’aime“ heißt ein Hit von Bruel: Ich kann nicht
mehr sagen, ich liebe dich. Das war ein Cover. Das Gedicht stammt von
Jacques Higelin. Bruels viele Verse über Gefühle, Zuneigung und
Zärtlichkeit zitieren wir hier nicht. Sie klingen so falsch.
19 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.radiofrance.fr/franceinter/podcasts/l-invite-de-7h50/l-invite-de-7h50-du-mardi-19-mai-2026-9222730
(DIR) [2] https://www.mediapart.fr/journal/france/dossier/l-affaire-patrick-bruel
(DIR) [3] https://www.instagram.com/p/DYFbnSSjH3K/?img_index=1
(DIR) [4] /Antisemitische-Ausfaelle-von-Le-Pen/!5040492
## AUTOREN
(DIR) Benno Schirrmeister
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