# taz.de -- Simone Venturini: Ein Delfin, der die Kuh Venedig weiter melken will
       
       > Der neue Chef in Italiens Lagunenstadt hofft auf gute Einnahmen. Mit fünf
       > Euro ist man in Venedig dabei und sogar zehn, wer nicht frühzeitig bucht.
       
 (IMG) Bild: Simone Venturi feiert am 26.05.2026 in Venedig seinen Sieg als neuer Bürgermeister
       
       Venedig bekommt einen neuen Bürgermeister. Das ist von Interesse, weil
       Venedig ja irgendwie allen Menschen gehört, als Welterbe schlechthin. Der
       neue Mann heißt Simone Venturini – und das ist das Langweiligste an ihm.
       Wobei er entgegen dem Klischee, dass Politiker sich doch erst mal im
       wirklichen Leben bewährt haben sollen, auch so schon einen enorm
       unspannenden Lebenslauf hat. Er ist in Marghera geboren, dem alten
       Industriehafen von Venedig, kommt also vom Festland, wo inzwischen 200.000
       der insgesamt ca. 250.000 Einwohner Venedigs leben.
       
       Mit nur 22 erwirbt er seinen Jura-Abschluss, im benachbarten Padua. Die
       Doktorarbeit dreht sich um: genau, Verwaltungsrecht. Gleich darauf steigt
       er in die Politik ein, wird – noch immer erst 22-jährig – in den Stadtrat
       gewählt. Fünf Jahre später ist er Referent für Infrastruktur und
       Wirtschaft, weitere fünf Jahre später kommt die Zuständigkeit für Tourismus
       dazu, der – in der inzwischen klassischen Formulierung des italienischen
       Soziologen Marco d’Eramo – „Schwerindustrie des 21. Jahrhunderts“.
       
       Und in der Tat lassen ja die [1][Menschenströme, die sich aus dem Bahnhof
       Santa Lucia] ergießen, an die ikonischen Fotografien der Fabrikarbeiter des
       19. Jahrhunderts denken. Venturini, das ist auch noch wichtig, ist der
       Dauphin des scheidenden Bürgermeisters [2][Luigi Brugnaro], was er aber
       nicht gern hört. Der einzige Delfin in der Gegend sei ein seit einiger Zeit
       munter die Lagune durchschwimmendes Tierchen.
       
       Venturini hat die Wahl gleich im ersten Durchgang gewonnen. Er sagt, das
       liege daran, dass er sich um die Themen kümmere, die den Bürgern
       tatsächlich am Herzen lägen, nicht um solche Dinge wie die
       [3][Biennale]-Bestückung mit Kriegsverbrecherkunst: „Das sind Themen, die
       dem kleinen Kreis der linken Medienintelligenz am Herzen liegen. Die
       Menschen machen sich Gedanken um ihre Wohnung, ihre Arbeit, den Nahverkehr
       und die Sicherheit.“
       
       Was er hier nicht sagt, ist das Entscheidende, das Geld, gli schei, wie der
       Venezianer die Moneten nennt. Venturini, der das Eintrittsgeld für Venedig
       erfunden hat, wurde gewählt, damit die Schwerindustrie Tourismus weiter
       liefert oder, wenn man idyllischere Vergleiche schätzt: die Kuh Venedig
       weiter gemolken werden kann – von einem Delfin, der mit allen Wassern der
       Lagune gewaschen ist.
       
       1 Jun 2026
       
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