# taz.de -- Kabinett beschließt neue Heizungsregeln: Reform ohne Freunde
       
       > Die Pläne von Union und SPD für eine radikale Entkernung des
       > „Heizungsgesetzes“ stoßen auf Unmut – auch von unerwarteter Seite.
       
 (IMG) Bild: Das wird künftig richtig teuer für die Mieter:innen: Gasheizung in einem Mehrfamilienhaus
       
       Unzufriedenheit auf allen Seiten: [1][Der Beschluss des Bundeskabinetts zur
       Abschaffung der Heizungsregeln] der Ampel wird nicht nur von
       Klimaaktivist:innen, Umweltverbänden und Opposition, sondern auch von
       Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften kritisiert.
       
       Union und SPD haben im Koalitionsvertrag festgehalten, dass sie das
       sogenannte Heizungsgesetz der Ampel abschaffen wollen. Gemeint sind damit
       die Regeln im Gebäudeenergiegesetz (GEG), die für einen Umstieg von fossile
       auf erneuerbare Wärme sorgen sollen. Das GEG soll künftig
       Gebäudemodernisierungsgesetz heißen (GMG). Der unter Federführung von
       [2][Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)] entstandene Entwurf
       für ein neues GMG ist am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet worden.
       
       Damit soll die Vorgabe wegfallen, dass neue Heizungen zu 65 Prozent mit
       neuen Energien betrieben werden sollen. Außerdem sollen nach dem Willen der
       Bundesregierung Gas- und Ölheizungen zeitlich unbeschränkt eingebaut und
       betrieben werden können. Nach der jetzigen Gesetzeslage ist damit
       spätestens 2045 Schluss – dem Jahr, in dem Deutschland klimaneutral sein
       soll.
       
       Das Klimaziel soll nach den Plänen der Regierung erreicht werden, indem bei
       neuen Gas- und Ölheizungen ein steigender Anteil von Biobrennstoffen
       genutzt werden muss, die sogenannte Grüngasqoute. Woher die erforderlichen
       Mengen kommen sollen, kann die Bundesregierung nicht sagen. Fest steht:
       Diese Brennmittel sind knapp und werden auch in Zukunft teuer sein. Vor
       allem für Mieter:innen sind damit erhebliche Kostenrisiken verbunden,
       denn sie entscheiden nicht selbst über die von ihnen genutzte Heizung.
       
       ## DUH: Fossile Rolle rückwärts
       
       Klimaaktivist:innen, Umweltorganisationen, die Grünen und die Linkspartei
       üben seit Bekanntwerden der Pläne wegen der Klima- und Kostenrisiken
       heftige Kritik am GMG. Entsprechend werten sie den Kabinettsbeschluss. Die
       Aktivist:innen von Fridays for Future etwa werfen Union und SPD vor,
       mit den neuen Heizungsregeln vor der fossilen Lobby einzuknicken. Der
       Hintergrund: Laufen Gas- und Ölheizungen unbegrenzt weiter, können fossile
       Energiekonzerne an ihren Geschäftsmodellen festhalten. Ministerin Reiche,
       die für das neue GMG maßgeblich verantwortlich ist, war bis zu ihrem
       Amtsantritt Managerin eines fossilen Energiekonzerns. „Der Gesetzentwurf
       ist an ökologischer und sozialer Verantwortungslosigkeit kaum zu
       übertreffen“, heißt es in einer Erklärung von Fridays for Future.
       
       Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist der Auffassung, dass die Bundesregierung
       mit dem Vorhaben eine „fossile Rolle rückwärts“ macht. „Wir werden
       rechtlich nichts unversucht lassen, um das Gebäudemodernisierungsgesetz in
       seiner jetzigen Form zu stoppen“, kündigte DUH-Geschäftsführerin Barbara
       Metz an.
       
       Kritik kommt nicht nur von erwarteter Seite. Der Verband kommunaler
       Unternehmen (VKU), dessen Hauptgeschäftsführerin Reiche einst war und in
       dem unter anderem Stadtwerke mit fossilen Geschäftsmodellen organisiert
       sind, begrüßt zwar die Verabschiedung des GMG durch das Kabinett. [3][Aber
       er verweist auf etliche offene Fragen, etwa bei den Biobrennstoffen.]
       „Stadtwerke brauchen Klarheit von der Bundesregierung zur konkreten
       Ausgestaltung der Grüngas-Quote“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert
       Liebing. Er fordert von der Bundesregierung, rasch für Planungssicherheit
       zu sorgen und eine Biomethanstrategie zu entwickeln.
       
       ## IG Metall fürchtet Jobabbau
       
       Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) glaubt zwar, dass das neue
       GMG besser ist als sein Ruf und hält die Neuerung für den richtigen
       Schritt, um Investitionen auf den Weg zu bringen. Aber auch hier gibt es
       Skepsis. So fordert der BDI, die vorgesehene Evaluation des GMG um ein Jahr
       auf 2029 vorzuziehen. Der Verband will, dass frühzeitig nachgesteuert wird,
       wenn die angestrebten Klimaziele nicht erreicht werden. „Gerade die
       aktuelle geopolitische Lage – nicht zuletzt die Eskalation im Irankonflikt
       – zeigt, wie verwundbar Deutschland durch hohe Öl‑ und Gasabhängigkeiten
       bleibt“, erklärte Carsten Rolle, Co-Bereichsleiter Energie, Mobilität und
       Umwelt beim BDI. Und klingt fast wie eine Klima-NGO: „Umso dringender
       braucht es jetzt Investitionen in effiziente, zukunftsfähige Gebäude, um
       Energieverbräuche zu senken, Resilienz zu stärken und Haushalte dauerhaft
       vor steigenden Kosten zu schützen.“
       
       Die Gewerkschaft IG Metall fürchtet dagegen, dass durch die geplanten neuen
       Heizungsregeln Investitionen ausbleiben und deshalb Arbeitsplätze in der
       Heizungsindustrie gefährdet sind. „Der Gebäudeenergiepolitik der
       Bundesregierung fehlt es an strategischer Klarheit“, sagte der Vizechef der
       IG Metall Jürgen Kerner. Das Gebäudemodernisierungsgesetz bleibe weit
       hinter den Erwartungen von Beschäftigten und Industrie zurück.
       
       14 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Beschluss-des-Kabinetts/!6178818
 (DIR) [2] /Katherina-Reiche/!t6100268
 (DIR) [3] https://www.vku.de/presse/pressemitteilungen/vku-zum-gebaeudemodernisierungsgesetz-eigentliche-arbeit-beginnt-erst-jetzt/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Energiewende in Gefahr
 (DIR) Katherina Reiche
 (DIR) Heizung
 (DIR) Schwerpunkt Fridays For Future
 (DIR) Deutsche Umwelthilfe
 (DIR) IG Metall
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Energiewende in Gefahr
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Heizungsgesetz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Klimaschutz in Deutschland: Die Regierung schützt die Bürger*innen nicht
       
       Schwarz-Rot überschätzt die Wirkung der geplanten Klimamaßnahmen deutlich.
       Von den geplanten Antiklimamaßnahmen ganz zu schweigen.
       
 (DIR) Energiegesetze beschlossen: Verantwortungsloses Rollback
       
       Das neue Heizungsgesetz und der geplante Bau neuer Gaskraftwerke sind
       klimaschädlich und teuer. Verstörend ist das Verhalten des
       SPD-Umweltministers.
       
 (DIR) Transformation und Wärmegewinnung: Reiches Heizungsgesetz ist fatal fürs Klima
       
       Die Wirtschaftsministerin nährt selbst das Gerücht, sie sei Agentin ihrer
       alten Branche. Für sie könnte beim Heizen alles so bleiben, wie es ist.
       
 (DIR) Kritik an Reiches Heizungsgesetz-Reform: Klimaschädlich – und teuer für Mieter
       
       Wirtschaftsministerin Reiches Heizungsgesetz-Reform begrabe Klimaziele im
       Gebäudesektor, so Umweltschützer. Mieter müssten für Biomethan mehr zahlen.