# taz.de -- Mehrwegprojekt der Grünen Liga: Gut gespült in die Mehrweg-Ära
       
       > Die Grüne Liga startet in Berlin ein Pilotprojekt für Mehrweggeschirr.
       > Mit dem „mobilen Spülmobil“ besucht sie Wochenmärkte.
       
 (IMG) Bild: Kai Guttmann und Claudia Kapfer von der Grünen Liga in ihrem Spülmobil auf dem Markt am Maybachufer
       
       Berlin taz | Schon vor der offiziellen Öffnungszeit um 11 Uhr herrscht
       reges Treiben auf dem Wochenmarkt am Nord-Neuköllner Maybachufer. Händler
       legen ihre Waren aus und locken die Besucher mit lauten Rufen an: „taze
       sebzeler!“ – „frisches Gemüse“, ruft ein Mann. Ein anderer preist
       „Erdbeeren, zwei Schalen nur zwei Euro“ an. Unter der warmen Frühlingssonne
       werden Stoffe, Haushaltswaren, Obst, frisches Brot, Käse, Seifen und
       verschiedenste Speisen verkauft.
       
       Doch hinter der freundlichen Fassade lauert der Feind: [1][jede Menge
       Verpackungsmüll]. Gegen den will die Grüne Liga nun mit ihrer Initiative
       „Mehrweg auf Wochenmärkten“ vorgehen. „Wir wollen den Standbetreibern einen
       positiven Anreiz zur Verwendung von Mehrweggeschirr geben“, sagt Claudia
       Kapfer. Die tatkräftige Frau mit der runden Brille ist Projektleiterin und
       Landesgeschäftsführerin der Umweltorganisation. An diesem Freitag sei die
       Grüne Liga mit einem „Spülmobil“ und einem Infostand vor Ort, erklärt sie.
       
       Das Spülmobil ist ein großes Lastenrad, auf dem eine Spülmaschine steht.
       Kai Guttmann von der Grünen Liga ist morgens damit zum Markt geradelt, er
       wird nun den ganzen Tag das benutzte Mehrweggeschirr von den Imbissständen
       einsammeln und spülen: „Eigentlich bekommen wir nur gute Rückmeldungen“,
       berichtet er.
       
       6 von 18 Imbissständen am Maybachufer machen bei dem Projekt mit. Die Grüne
       Liga hatte sie vorher mit Geschirr ausgestattet. Nach dem Mehrwegtag
       bringen die Aktivisten es zum nächsten Markt. „Ich finde das Projekt
       ideal“, sagt eine Verkäuferin. Sie sei sowieso gegen Einweggeschirr und
       könne sich vorstellen, in der Zukunft ganz darauf zu verzichten.
       
       Ein Mann, der an seinem Stand Fried Chicken vertreibt, freut sich über den
       eingesparten Plastikmüll. Ein Betrieb ganz ohne Einweg sei aber schwer
       möglich, gibt er zu bedenken. Von den nicht teilnehmenden Standbetreibern,
       mit denen die taz am Freitag spricht, hat freilich noch niemand vom
       Mehrweg-Markttag gehört.
       
       ## Wissenschaftliche Begleitung
       
       Die Initiative wird wissenschaftlich begleitet. Ziel ist dabei,
       herauszufinden, wie stark der Gebrauch von Mehrweggeschirr den
       Verpackungsmüll in den umliegenden Müllcontainern verringert. „Dafür findet
       an vorangehenden und nachfolgenden Markttagen sowie am Mehrweg-Markttag
       selbst eine sogenannte Wertstoffanalyse statt“, erklärt Claudia Kapfer.
       
       Außerdem führt die Grüne Liga mit der Universität Bielefeld eine Studie zum
       Thema „Mehrweg auf Wochenmärkten“ durch. Dafür spricht die studentische
       Mitarbeiterin Anne Marktbesucher*innen an. Sie erzählt, dass Menschen
       schon durch die Teilnahme an der Befragung für die Thematik sensibilisiert
       würden. „Manche nehmen sich vor, in Zukunft an ihren Jutebeutel oder die
       Brotbox zu denken, wenn sie zum Markt kommen“, sagt sie.
       
       Sarah Gohm vom Bottleneck Project wurde eigens zum Mehrweg-Markttag
       eingeladen. Die Berlinerin hat während der Coronazeit eine Maschine zum
       Upcycling von Altglas erfunden, nun reist sie damit von Ort zu Ort. An
       ihrem Stand am Maybachufer bastelt sie Zahnputzgläser, Weinschalen und
       Lampenschirme. „Mit dem Projekt wollen wir auf die richtige Trennung von
       Altglas in Containern aufmerksam machen“, sagt Gohm.
       
       Am Nachmittag gibt es einen „Mehrweg-Dialog“ mit Politiker*innen und
       Umweltorganisationen. „Es braucht Strukturen, die Mehrweg ermöglichen“,
       sagt Claudia Kapfer. Derzeit blockiere die regierende CDU noch einen Antrag
       der Grünen zur Einführung einer Verpackungssteuer. Dabei würde die einen
       starken Anreiz für Imbissstände bieten, Mehrweggeschirr zu verwenden. „Wir
       hoffen, mit unserem Pilotprojekt dafür einen Anstoß zu bieten“, so Kapfer.
       
       Das Spülmobil und seine Entourage werden noch bis nächstes Jahr auf
       Berliner Wochenmärkten unterwegs sein. Am kommenden Samstag geht es auf dem
       Neuköllner Schillermarkt weiter.
       
       4 Apr 2025
       
       ## LINKS
       
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