# taz.de -- Wahl von Cem Özdemir zum Regierungschef: Ein hartes Stück Arbeit
> Auch wenn das Ergebnis des neuen Regierungschefs eher mau ist – von der
> neuen Koalition in Stuttgart könnte ein Signal der Stabilität ausgehen.
(IMG) Bild: Hoffnungsträger Cem Özdemir
Es ist ein Satz, den man sich in der Union für die nächsten Monate merken
sollte. Als die AfD als Störmanöver Manuel Hagel als Gegenkandidat von Cem
Özdemir vorschlägt, weil das Land angeblich rechtskonservativ gewählt habe,
steht CDU-Chef Hagel kerzengerade und entgegnet: „Ich stehe für diesen
Vorschlag nicht zur Verfügung.“ Seine Partei stehe für Verlässlichkeit. Man
mache, was man vor der Wahl gesagt habe.
Man würde jetzt gerne schreiben, dass die CDU in Baden-Württemberg gegen
rechte Versuchungen wie ein Mann hinter ihrem Parteichef und
Vize-Ministerpräsidenten steht. Leider dementiert [1][das eher maue
Wahlergebnis für Cem Özdemir (93 Ja-Stimmen bei einer Koalitionsmehrheit
von 112)] Hagels forsche Ansage. Zwar ist es wenig wahrscheinlich, dass
eine relevante Zahl an CDU-Abgeordneten der Spaltungsstrategie der AfD auf
den Leim gegangen wäre. Aber bis zu 19 Nein-Stimmen aus den eigenen Reihen
sind nicht wenig – der weitaus größte Teil dürfte aus der CDU-Fraktion
gekommen sein.
Es ist der Union nicht leicht gefallen, erneut als Juniorpartner in die
Koalition mit den Grünen zu gehen, zumal sie sich im Wahlkampf schon als
Gewinner gefühlt hatte. Sie war danach strategisch, aber wohl auch
tatsächlich gekränkt über eine vermeintliche Schmutzkampagne. Es hat viel
Geduld gebraucht, zwischen Özdemir und Hagel ein Vertrauensverhältnis
aufzubauen. Jetzt duzt man sich.
Während [2][die große Koalition in Berlin in wilden Gewässern ist], könnte
von der Koalition in Stuttgart also ein Signal der Stabilität ausgehen. Von
Seiten der CDU ist das an der Personalie Andreas Jung festzumachen. Der
auch bei Grünen geachtete Klimapolitiker wechselt aus der
Bundestagsfraktion ins baden-württembergische Kultusministerium. Wohl
weniger aus Begeisterung für dieses schwierige Amt, sondern erklärtermaßen,
um Brücken zum Koalitionspartner zu bauen. Ideologische Quertreiber wie der
frühere Landwirtschaftsminister Peter Hauk stehen dagegen nicht mehr auf
der Kabinettsliste. Özdemir setzt zum großen Teil auf bewährte Minister aus
der Ära Kretschmann. Das ist sicher klug als Neuling in der Landespolitik.
Doch das Abstimmungsverhalten der „Abweichler“ zeigt: Es wird ein hartes
Stück Arbeit bleiben, Schwarz und Grün auch im Südwesten zusammenzuhalten.
Cem Özdemir bekam vom neuen Landtagspräsidenten Thomas Strobl, einem
bekennenden Fan von Schwarz-Grün, noch vor der Vereidigung ein
Marathon-Trikot geschenkt. Die Botschaft: Er muss bis zum Schluss
durchhalten.
13 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Benno Stieber
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