# taz.de -- Besetztes Haus in Rotterdam: Diese Pommes sind politisch
       
       > Das Hausprojekt Frieda in Rotterdam serviert der Nachbarschaft jeden
       > Freitag kostenlos Pommes. Es ist ein Protest gegen eine verfehlte
       > Wohnungspolitik.
       
 (IMG) Bild: Ronja (l.) und Bo frittieren Pommes für die wöchentliche Snackbar der Frieda
       
       Bo nimmt eine dunkelblaue Stoffschürze aus dem Regal, bindet sie sich um
       und schrubbt mit einer Gemüsebürste die Kartoffeln im Waschbecken. Ihre
       dunkelblonden Locken wippen dabei auf und ab. Auf dem Herd steht ein großer
       silberner Topf. Das Wasser darin fängt langsam an zu kochen.
       
       Die geputzten Kartoffeln legt Bo auf die große Arbeitsfläche in der Mitte
       der Küche. Minous nimmt sich eine nach der anderen, schneidet mit einem
       Messer die Enden der Kartoffeln ab und drückt sie durch einen metallenen
       Kartoffelschneider. Heraus fallen ein Dutzend längliche Kartoffelschnitze.
       
       Es ist kurz vor drei Uhr am Nachmittag, Bo und Minous stehen in der Küche
       der Snackbar Frieda [1][im niederländischen Rotterdam] und bereiten Pommes
       für den Nachmittag vor. Die gibt es hier, in dem alten Backsteinhaus mit
       den großen Ladenfenstern im westlichen Teil der Stadt, nämlich jeden
       Freitag kostenlos.
       
       Denn Frieda ist keine klassische Snackbar. Vor über einem Jahr hat eine
       Gruppe Aktivist*innen das Gebäude besetzt. Mittlerweile ist das
       ehemalige Wohnhaus vieles zugleich: kostenloser Imbiss, sozialer Treffpunkt
       und, auch das: ein Raum für politischen Widerstand.
       
       „Wir wollten mit dem Squat“, wie Bo die Hausbesetzung, so ist es in der
       Szene üblich, auf Englisch nennt, „bewusst einen Raum schaffen, in dem
       Menschen sich begegnen.“ Und zwar auch solche, die keine Aktivist*innen
       und die nicht Teil der Hausbesetzungsszene seien. „Frieda soll ein
       politischer, aber auch ein sozialer Ort sein.“ Bo wischt sich ihre Hände an
       der Schürze ab. Sie ist 27 Jahre alt, studiert Maschinenbau und ist seit
       vergangenem Sommer bei Frieda. In der Squat-Szene ist sie schon länger
       aktiv.
       
       Minous ist 26, sie arbeitet als Grundschullehrerin. Erste Berührungspunkte
       mit der Hausbesetzungsszene hatte sie schon als Jugendliche. Neben Minous
       und Bo steckt eine kleine Gruppe von insgesamt etwa zehn Leuten hinter dem
       Projekt. Darüber hinaus gibt es viele Freiwillige, die beim Kochen, Putzen
       oder bei Veranstaltungen aushelfen.
       
       Die Kartoffeln bekommen sie vom Großmarkt geschenkt. Oder sie holen sie aus
       ihrem eigenen Kartoffelkeller. Darin lagern seit letztem Herbst kiloweise
       Kartoffeln, denn die Aktivist*innen haben im September nach der
       industriellen Ernte die übriggebliebenen Kartoffeln von den Feldern
       gesammelt.
       
       „Besetzte Häuser haben oft eine sehr bestimmte, punkige Ästhetik, von der
       sich viele Menschen nicht angesprochen oder sogar ausgeschlossen fühlen“,
       erklärt Minous und ergänzt: „Wir wollen aber so offen sein, wie es geht.
       Bei Frieda sollen sich alle willkommen fühlen.“
       
       Tatsächlich ähnelt das Gebäude von außen kaum dem, was man sonst von
       Hausbesetzungen gewohnt ist: keine Banner, keine Graffitis. Die politischen
       Botschaften sieht nur, wer genau hinschaut. An der Tür klebt ein kleiner
       Sticker, auf dem „Squat“ steht. Auf der Fensterbank liegen Flyer und Poster
       aus. Darauf steht: „Stand up for your housing rights“, „Support your local
       Antifa“ oder „Queer Oriental Party“.
       
       Zum Pommes-Essen kommen Kinder und Erwachsene aus der ganzen Nachbarschaft.
       Viele von ihnen, ohne je vorher einen Fuß in ein besetztes Haus gesetzt zu
       haben.
       
       „Gemeinsam zu essen ist eine niedrigschwellige Art und Weise, Menschen
       zusammenzubringen, jeder muss ja schließlich essen“, findet Ronja. Auch sie
       ist Teil des Kollektivs. Außerdem seien Snackbars in den Niederlanden sehr
       verbreitet, vergleichbar mit Dönerbuden in Deutschland.
       
       ## Die Frieda ist zu einem sozialen Treffpunkt geworden
       
       Rund um die kostenlosen Pommes ist ein Treffpunkt entstanden: Verschiedene
       politische Gruppen treffen sich hier, es gibt eine Wohnberatung, einen
       Supportdesk für transsexuelle Asylsuchende, eine Einführung ins
       Häuserbesetzen, Bastelgruppen, Filmvorführungen, Kochworkshops und vieles
       mehr. Fast jeden Tag findet eine Veranstaltung in der Snackbar statt und
       das Kollektiv bekommt ständig neue Anfragen. Mittlerweile muss die Gruppe
       sogar einige Events absagen, weil sie nicht alle stemmen können.
       
       Dass Menschen aus der Nachbarschaft auch an den politischen Events
       teilnehmen, ist bislang aber eher selten. Sie kommen hauptsächlich wegen
       der Pommes vorbei. Die meisten von ihnen engagieren sich nicht in dem
       Projekt selbst und bleiben oft nur kurz.
       
       Dennoch ist Ronja überzeugt: „Es ist schon etwas Besonderes, dass so viele
       verschiedene Menschen gemeinsam einen Raum teilen und in Kontakt kommen,
       die das sonst nicht tun würden“, sagt sie. Schon darin sieht sie etwas
       Politisches.
       
       Das Besetzen von Häusern – gerade leerstehenden Wohnhäusern – sei ein
       Mittel, „um aufzuzeigen, was politisch falsch läuft“, sagt Bo. Falsch läuft
       aus Sicht der Aktivist*innen die Wohnungspolitik. Denn [2][in Rotterdam
       fehlt es an Wohnraum]. Und das, obwohl in der Stadt fast 11.000 Wohnungen
       leer stehen, ein Drittel davon länger als ein Jahr. Im ganzen Land sind es,
       Stand Ende 2025, über 200.000 Wohnungen. Das lässt sich auf der Webseite
       des niederländischen Statistikbüro CBS nachlesen.
       
       Die Wohnungskrise ist ein politisches Problem, da ist sich Bo sicher:
       „Schließlich ist es kein Naturgesetz, dass manche Menschen auf der Straße
       leben müssen, während andere Wohnraum leer stehen lassen, nur um damit zu
       spekulieren und Geld zu verdienen“.
       
       Chantal Zeegers ist Stadträtin von Rotterdam und gehört den [3][Democraten
       66 (D66)] an, die gemeinsam mit drei anderen Parteien die Regierung
       Rotterdams bildet. D66 bezeichnet sich selbst als liberal-progressiv.
       Zeegers ist im Stadtrat zuständig für Klima, Bauwesen und Wohnen.
       
       Sie ist kein Fan von Squats: „Hausbesetzungen sind keine strukturelle
       Lösung für die Wohnungsknappheit. Nachhaltige Lösungen bestehen darin, mehr
       Wohnraum zu schaffen, unnötigen Leerstand zu reduzieren und den bestehenden
       Wohnungsbestand besser zu nutzen“, sagt sie.
       
       ## Besetzung gegen die Wohnungskrise
       
       Dass genau das noch nicht passiert ist, werfen die Aktivist*innen aber
       wiederum der Regierung vor – an der Zeegers Partei schließlich beteiligt
       ist.
       
       Auch Zeegers sagt zwar: „In einer Stadt, in der viele Menschen auf
       Wohnungssuche sind, ist langanhaltender Leerstand unerwünscht.“ Doch sie
       sieht einen anderen Weg als zielführender an als autonome Projekte: „Wir
       planen für Eigentümer und Vermieter, die ihren Wohnraum länger als sechs
       Monate stehen lassen, eine mögliche Abgabepflicht einzuführen“, erklärt
       sie. Darüber muss der neue Stadtrat jedoch noch entscheiden.
       
       Zwei Tage vorher, ein Mittwochmorgen, kurz nach halb sieben auf einem
       Parkplatz in Spaanse Polder, einem Industriegebiet im Nordwesten von
       Rotterdam. Der Wind peitscht, vereinzelt fallen Regentropfen vom grauen
       Himmel. In den Lagerhallen rechts und links vom Parkplatz verkaufen
       Großhändler hier schon früh am Morgen ihre Waren. Bo, Mark und Luna haben
       sich wie jeden Mittwoch auch heute um kurz nach sechs hier getroffen, um
       Lebensmittel für die Snackbar Frieda zu sammeln. Sie hoffen, dass
       Händler*innen ihnen Obst, Gemüse oder anderes schenken, das sie nicht
       verkaufen können, weil die Produkte abgelaufen sind oder die Verpackungen
       beschädigt. Mark und Luna engagieren sich ebenfalls bei Frieda.
       
       „Am Anfang hatten wir Flyer dabei, wir haben erklärt, warum und für wen wir
       die Lebensmittel sammeln“, erklärt Bo. Mittlerweile sind sie auf dem
       Großmarkt bekannt. Noch bevor sie fragen müssen, winkt der erste Händler
       sie schon zu sich und überreicht ihnen eine Kiste Grüntee.
       
       Nach einer guten Stunde sind sowohl Lunas als auch Marks Auto voll mit
       Lebensmitteln. Die Beute ist beeindruckend: Litschis, Pflaumen, Grapefruit,
       Süßkartoffeln, Kochbananen, Dill, Lauchzwiebeln, Weintrauben, Mandarinen,
       Ingwer sowie bestimmt 20 Kilosäcke Kartoffeln, ein Dutzend Kisten Grieß,
       Kekse – und Unmengen von grünem Tee.
       
       Zurück in der Snackbar entladen die drei die Autos. Einen Teil der
       Lebensmittel verstauen sie in der Küche, den Rest stellen sie im
       Eingangsbereich auf Kisten. Um neun Uhr ist „Food-Pickup“, dann können sich
       Menschen aus der Nachbarschaft die geretteten Lebensmittel mitnehmen. Schon
       kurz darauf kommen fünf ältere Frauen mit Einkaufstrolleys. Ein paar von
       ihnen kommen regelmäßig und grüßen herzlich. Sie packen ihre Wägen voll mit
       Essen, manche von ihnen machen ihren „Einkauf“ für eine ganze Woche hier.
       Nicht alle von ihnen wissen, dass Frieda ein besetztes Haus ist.
       
       „Das ist aber auch nicht so wichtig“, findet Bo. „Wenn Leute uns fragen,
       reden wir natürlich über unser Projekt und über unsere politischen
       Positionen. Außerdem steht es auch auf unseren Flyern und unserem Programm.
       Aber ich finde auch wichtig, dass wir keine Situation erschaffen, in der
       Menschen sich unsere politische Ideologie anhören müssen, damit sie Essen
       bekommen, was ja allen zusteht“, sagt die 27-Jährige.
       
       Die Aktivist*innen setzen sich an den großen Tisch im Eingangsbereich,
       jemand hat Kaffee und Tee gemacht, es gibt warmes Brot, Marmelade und
       Honig. Eine ältere Frau, die ihren Namen nicht sagen möchte, setzt sich zu
       ihnen an den Tisch. Sie kommt ursprünglich aus Marokko, sie hat den
       marokkanischen Grüntee vom Großmarkt entdeckt und erzählt, wie man ihn
       trinkt. „Am besten schmeckt er, wenn man ihn fünf Minuten ziehen lässt“,
       sagt sie. Bo holt den Wasserkocher und gießt auf, gemeinsam trinken sie den
       Tee.
       
       ## Ein Ort, der Menschen zusammenbringt
       
       Es ist einer der Momente, in denen deutlich wird, was Frieda sein kann –
       was auch Ronja gemeint hat, als sie von der politischen Idee hier sprach:
       ein Ort, der Menschen zusammenbringt.
       
       „Es ist absurd zu sehen, wie viele Lebensmittel jeden Tag weggeschmissen
       werden, während gleichzeitig so viele Menschen Schwierigkeiten haben, am
       Ende des Monats genug Geld fürs Essen zusammenzukratzen, besonders hier in
       der Nachbarschaft. Wir wollen diese Widersprüche aufzeigen und sichtbar
       machen“, erklärt Ronja.
       
       Im Stadtteil, West, in der die Snackbar Frieda liegt, wohnen viele
       türkische und arabische Migrant*innen, außerdem ist der Anteil an
       Sozialwohnungen hier recht hoch. Viele Menschen können das kostenlose Essen
       gut gebrauchen. Es gehe ihnen dabei jedoch nicht um klassische
       Wohltätigkeit. Stattdessen wollen sie einen Ort schaffen, an dem Menschen
       selbst lernen können, wie sie solche Projekte auf die Beine stellen können.
       Ronja überlegt kurz, dann ergänzt sie: „Ohne dabei auf den Staat oder eine
       Charity angewiesen zu sein, sondern solidarisch miteinander“.
       
       Frieda ist nicht das einzige Projekt dieser Art. Mittlerweile entstehen in
       Rotterdam immer mehr Hausbesetzungen mit sozialem Anspruch. Im Süden der
       Stadt, auf der anderen Seite der Nieuwe Maas, liegt BuurToren. Manche
       Aktivist*innen der Snackbar engagieren sich sowohl dort als auch bei
       Frieda. Das Haus, das den BuurToren-Besetzer*innen zufolge über 18 Jahre
       leer stand, wurde Ende 2024 besetzt und als Projekt neu ins Leben gerufen.
       Es bietet wohnungslosen Menschen und Migrant*innen ohne
       Aufenthaltspapiere ein Zuhause.
       
       Mittlerweile ist die Kanne mit Grüntee leer. Ronja, Minous und die anderen
       Aktivist*innen fangen an, die leeren Tassen abzuräumen. Auch die
       marokkanische Frau steht auf und bedankt sich. Bevor sie geht, fragt Minous
       noch: „Kommst du Freitag zum Pommes-Essen?“ Die Frau lächelt und nickt
       zögerlich. Bislang war sie immer nur mittwochmorgens zum Essenabholen da.
       Dass Frieda ein besetztes Haus ist, wusste sie bis heute nicht.
       
       Kaum jemand scheint sich daran zu stören, dass die Aktivist*innen das
       Haus vor einem Jahr illegal besetzt haben. „Die Menschen sind immer offener
       der Idee gegenüber, leerstehende Orte zu nutzen und in soziale Treffpunkte
       umzugestalten, und zwar nicht nur Linke“, meint Ronja. Das sei vor ein paar
       Jahren noch anders gewesen, erinnert sie sich.
       
       ## Seit Jahren steigen in den Niederlanden die Mieten
       
       Das mag unter anderem daran liegen, dass immer mehr Menschen in den
       Niederlanden den angespannten Wohnungsmarkt zu spüren bekommen, nicht nur
       die Allerärmsten. Seit Jahren steigen in den Niederlanden die Mieten, doch
       die Gehälter werden nicht entsprechend erhöht. Die Folge: Viele
       Mieter*innen geben einen immer größeren Teil ihres Einkommens für die
       Miete aus; das gilt vor allem für den privaten Wohnungsmarkt. Letztes Jahr
       haben Mieter*innen unter 35 Jahren dort im Durchschnitt fast die Hälfte
       ihres Einkommens ausgegeben. Das ergab eine Untersuchung von ING.
       Sozialwohnungen gibt es hingegen nicht genug. Menschen, die einen Anspruch
       auf eine Sozialwohnung haben, warten oft Jahre, bis sie an eine
       Sozialwohnung kommen. Auch die offizielle Zahl der wohnungslosen Menschen
       ist deshalb in den vergangenen zwei Jahren von 27.000 auf 33.000
       angestiegen.
       
       Auf den ersten Blick ist es dennoch überraschend, dass in Rotterdam aktuell
       so viele Hausbesetzungen überleben. Denn obwohl Hausbesetzungen eine lange
       Tradition in den Niederlanden haben, sind sie illegal.
       
       Seit 2010 gilt „Kraken“, also das Besetzen von Häusern, als Straftat. „Im
       schlimmsten Fall drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis“, erklärt Willem
       Jebbink. Der 57-Jährige ist Rechtsanwalt und spezialisiert sich seit 2009
       auf internationale Menschenrechtsverfahren und Meinungsfreiheit. Mit seiner
       Kanzlei vertritt er immer wieder auch Hausbesetzer*innen.
       
       Seit der Gesetzesänderung komme es zwar zu deutlich mehr Verurteilungen,
       Geldstrafen und in manchen Fällen auch Gefängnisstrafen, so Jebbink.
       Dennoch würden viele Hausbesetzungen auch toleriert, wie zum Beispiel die
       Snackbar Frieda. Das liegt unter anderem am niederländischen Rechtssystem.
       Es erlaubt der Staatsanwaltschaft, bei einer Straftat von einer Verfolgung
       abzusehen oder Verfahren einzustellen. Gerichte haben in den vergangenen
       Jahren oft zugunsten der Hausbesetzer entschieden, wenn
       Eigentümer*innen vor Gericht nicht glaubhaft darlegen konnten, dass
       sie konkrete Pläne für die Nutzung des Gebäudes haben.
       
       Auch die Snackbar Frieda ist bereits siegreich aus einem Gerichtsverfahren
       hervorgegangen. Anfang vergangenen Jahres hatte ein Gericht entschieden,
       dass die Besetzer*innen nicht geräumt werden dürfen, da die
       Wohnungsbaugesellschaft Woonstad, der Frieda so wie die meisten Häuser in
       der Straße gehören, noch keine konkreten Pläne für das Haus hat. Geklagt
       hatte die Wohnungsbaugesellschaft, die Anwaltskosten musste Frieda selbst
       zahlen.
       
       Klar ist jedoch, dass Woonstad das Haus irgendwann abreißen will. Doch bis
       dahin müssen die Besetzer*innen sich vorerst keine Sorgen mehr machen,
       geräumt zu werden.
       
       ## Kinder kommen zum Keksebacken
       
       Freitagnachmittag, kurz vor vier Uhr, Minous hat alle Kartoffeln
       geschnitten. Sie müssen nur noch frittiert werden. Zwei Freiwillige
       bereiten das Frittiergerät hinter der Bar vor. Drei Kinder aus der
       Nachbarschaft betreten die Snackbar. Einen kurzen Moment stehen die
       achtjährige Fara, der siebenjährige Mohammed und seine ältere Schwester
       Kawtar schüchtern in der Tür. Dann sehen sie Minous am Treppenaufsatz
       stehen und laufen auf sie zu. Die drei Kinder kommen seit einigen Monaten
       regelmäßig vorbei. Sie gehen gegenüber von der Snackbar zur Schule. „Wir
       nennen es fry party, es ist super. Manchmal kommen noch mehr Freunde aus
       unserer Schule“, erzählt Mohammed mit einem Grinsen.
       
       Heute sind sie gekommen, um Kekse zu backen. „Das hatten sie sich vor zwei
       Wochen gewünscht“, erzählt Minous. Dann reicht sie den drei Kindern die
       gleichen dunkelblauen Schürzen, die auch sie trägt. Bei Fara und Mohammed
       schleifen sie auf dem Boden, die beiden lachen. In einer kleinen Schüssel
       vermengen sie die Zutaten, dann schaltet Fara den Handmixer an. Mehl und
       Krümel fliegen durch die Luft. Später schenken sie die Kekse einem der
       Aktivisten, denn es ist sein Geburtstag.
       
       Im Laufe des Nachmittags kommen noch mehr Kinder vorbei, sie rennen,
       lachen, vor allem essen sie viele Pommes.
       
       Und dann kommt auch die Frau, die wusste, wie lange der marokkanische
       Grüntee ziehen muss. Sie hat eine Freundin mitgebracht, gemeinsam setzen
       sie sich an einen kleinen Tisch in der Ecke und teilen sich eine Portion
       Pommes. Das Politische, es zeigt sich eben nicht immer in den großen
       Gesten.
       
       3 Jun 2026
       
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