# taz.de -- Hohe VW-Abschreibung: Porsche SE schreibt hohe Verluste
> Währenddessen wettert die deutsche Autolobby weiter gegen EU-Klimaziele,
> um Jobs zu sichern. Warum das nicht ganz sauber ist, erklärt ein Experte.
(IMG) Bild: Die Kunst des Absturzes – Installation in Zuffenhausen in Zeiten hoher Verluste
dpa/taz | Eine milliardenschwere Abschreibung auf die Beteiligung am
Volkswagen-Konzern hat die Beteiligungsgesellschaft Porsche SE auch im
ersten Quartal 2026 in die roten Zahlen gezogen. Unter dem Strich machte
Porsche SE einen Verlust von 923 Millionen Euro, wie das Dax-Unternehmen in
Stuttgart mitteilte. Ein Jahr zuvor war ein etwas größeres Minus von 1,08
Milliarden Euro angefallen.
Sowohl Europas größter Autobauer Volkswagen als auch der
Sportwagenhersteller Porsche – die [1][zwei Kernbeteiligungen der
Eigentümerholding Porsche SE] – haben derzeit mit schwierigen
Marktbedingungen zu kämpfen. Und: Sie tun sich noch immer schwer mit dem
Umbruch in der Autoindustrie. Die ehemaligen Vorzeigeunternehmen haben den
Wandel hin zur Elektromobilität zu spät begonnen.
Porsche-SE-Vorstandschef Hans Dieter Pötsch sagte, sein Unternehmen habe
bei dem um Abschreibungen bereinigten Konzernergebnis einen Gewinn erzielen
können. „Allerdings müssen die lange Zeit gut funktionierenden
Geschäftsmodelle unserer Kernbeteiligungen grundsätzlich auf neue
Marktbedingungen ausgerichtet werden.“ Heißt: VW und Porsche waren lange
Erfolgsgaranten, jetzt müssen sie sich vor allem angesichts [2][starker
E-Auto-Konkurrenz aus China] und geopolitischer Spannungen mit der
Volksrepublik und den USA transformieren – ein Kraftakt.
Pötsch verwies auf die laufenden Sparprogramme bei den Kernbeteiligungen.
Der Volkswagenkonzern will seine Kosten bis Ende 2028 [3][um ein Fünftel
drücken und zwischen 2025 und 2030 rund 35.000 Jobs streichen]. Porsche
kündigte an, bis 2029 mindestens 4.000 Stellen abzubauen. Der
Luxusautobauer wollte zwischenzeitlich komplett auf elektrische Fahrzeuge
setzen, seit 2024 sollen wieder mehr Verbrenner gefertigt werden –
[4][dieser Strategieschwenk] kostete Porsche viel Geld.
## Autolobby droht mit Jobabbau
Derweil rechnet der Lobbyverband der Automobilindustrie VDA mit einem
zusätzlichen deutlichen Stellenabbau in der Branche. „Wir müssen leider
nach aktuellen Berechnungen von einem Beschäftigungsverlust von 225.000
Arbeitsplätzen bis 2035 ausgehen, also etwa 35.000 Arbeitsplätze mehr als
bisher angenommen“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Von 2019 bis 2025 seien schon 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen,
sagte Müller weiter. Ursprünglich war laut VDA der Abbau von 190.000
Arbeitsplätzen im Zeitkorridor von 2019 bis 2035 vorhergesagt worden.
„Betroffen sind insbesondere die Zulieferbetriebe, weil auf dem Weg vom
Verbrennermotor zur Elektromobilität gerade in der Zulieferindustrie viele
Arbeitsplätze verloren gehen werden“, erklärte die VDA-Chefin.
Berechnungen zeigen laut VDA aber, dass die weitere Job-Entwicklung
wesentlich auch vom Antriebsmix abhänge. „Technologieoffenheit“, sprich
eine verlängerte Herstellung klimaschädlicher Verbrenner, könnte 50.000
Arbeitsplätze am Standort Deutschland erhalten, hieß es.
So macht sich der VDA für eine weitere Abschwächung der europäischen
CO2-Regeln für Pkw und Vans stark, nach der ab dem Jahr 2035 ausschließlich
batterieelektrische und Brennstoffzellen-Fahrzeuge neu zugelassen werden
können. Die EU-Kommission hatte erst im Dezember vorgeschlagen, [5][die
Flottengrenzwerte aufzuweichen] und auch nach 2035 in der EU Autos mit
Verbrennungsmotor neu zuzulassen. Im Vergleich zum Basisjahr 2021 müsste
die Flotte eines Autoherstellers 2035 dann nur noch bis zu 90 Prozent CO2
einsparen. Der EU-Rat soll im Juni über die Vorschläge abstimmen.
## BUND fordert kleine, bezahlbare E-Autos
Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim Umweltverband BUND, ärgert die
Forderung des VDA. „Mit plakativen Zahlen versucht die Autolobby erneut
Stimmung gegen die CO2-Mindeststandards für neue Pkw in der EU im Jahr 2035
zu machen“, sagte er der taz. Der VDA verschweige: Nicht zuletzt der
Verzicht deutscher Autobauer wie Mercedes, BMW und Audi auf kleine,
bezahlbare und elektrische Volumenmodelle führe dazu, dass die Zahl der in
Europa produzierten Autos sinkt.
Hilgenberg ist überzeugt, dass deutsche Marken zu viele Autos gebaut
hätten, die für den wichtigen chinesischen Markt nicht attraktiv seien. So
seien Überkapazitäten in der Produktion entstanden, die jetzt abgebaut
werden sollen. „Hinzu kommt noch eine verstärkte Automatisierung und
Verlagerung von Produktion in Länder mit niedrigerem Lohnniveau“, das koste
hierzulande gut bezahlte Arbeitsplätze.
„Das alles hat jedoch nichts damit zu tun, ob 2035 noch neue Pkw mit
Verbrennungsmotor in der EU verkauft werden dürfen“, meint Hilgenberg.
Darüber hinaus [6][schreibe der VDA selbst]: Mit einer Aufweichung der
EU-Regeln würden „die negativen Effekte der Transformation auf die
Beschäftigung spürbar abgemildert“. Laut dem BUND-Experten würde der
Jobabbau also höchstens verzögert.
13 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.porsche-se.com/beteiligungen
(DIR) [2] /Messe-Auto-Beijing/!6174614
(DIR) [3] /VW-praesentiert-schwaechstes-Ergebnis-seit-11-Jahren-Zehntausende-Stellen-werden-gestrichen/!6161165
(DIR) [4] /E-Mobilitaet-bei-VW/!6022739
(DIR) [5] /EU-Kommission-beerdigt-Verbrenner-Aus/!6138919
(DIR) [6] https://www.vda.de/de/presse/Pressemeldungen/2026/260513_PM_Beschaeftigungsentwicklung_2035
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