# taz.de -- Nachruf auf Marjane Satrapi: Die große iranische Comicautorin ist tot
> „Frau – Leben – Freiheit“: Marjane Satrapi veränderte mit „Persepolis“
> den Blick auf Iran, die Kultur und die Revolution. Sie starb mit 56
> Jahren.
(IMG) Bild: Marjane Satrapi (geboren 22. November 1969 in Rascht, Iran; gestorben 4. Juni 2026 in Paris)
Ihr Comicroman „Persepolis“ sollte Marjane Satrapi weltberühmt machen. In
den 2000er-Jahren entstanden, eröffnete ihr Werk vielen im Westen eine kaum
bekannte Perspektive auf Iran. Satrapi erzählt humorvoll aus Kinder- und
Mädchenperspektive von den Revolutionsjahren um 1979.
In die autobiografischen Erlebnisse arbeitete sie die größere Geschichte im
Hintergrund ein, macht die gewalttätig durchgesetzte Islamisierung von
Alltag und Gesellschaft in Iran deutlich. Die Heiterkeit und der Widerstand
der Mädchen trifft auf gänzlich humorlose, angeblich von Gott geleitete
Sittenwächterinnen.
Im Vorwort der 2004 in der Edition Moderne erschienenen deutschsprachigen
Erstausgabe von „Persepolis“ skizzierte die 1969 in Iran geborene Autorin
und Künstlerin ihre politischen Absichten mit diesen Sätzen:
„Ich glaube, dass man eine ganze Nation nicht aufgrund der Fehler einer
extremistischen Minderheit verurteilen darf. Ich will auch nicht, dass jene
Iranerinnen und Iraner vergessen werden, die für die Freiheit gekämpft
haben und im Gefängnis gestorben sind, die ihr Leben im Krieg gegen den
Irak verloren und unter den verschiedenen repressiven Systemen gelitten
haben oder gezwungen waren zu fliehen. Man kann vergeben, aber man soll
niemals vergessen.“
## „Persepolis“ – Mädchencomic als Bestseller
Zu diesem Zeitpunkt lebte Satrapi schon längere Zeit im französischen Exil.
„Persepolis“ verdeutlichte der Weltöffentlichkeit erstmals in größerem
Maßstab, dass es im Iran von Satrapis Kindheit und Jugend eine nennenswerte
Linke gab – sowie eine gerade auch heute wieder sehr sichtbar säkular
orientierte Zivilgesellschaft.
Die beiden „Persepolis“-Bände – „Eine Kindheit in Iran“ sowie „Jugendjahre“
– machten dies anschaulich. Und sie zeigten auch, dass der
ethnisch-kulturell konstruierte Gegensatz von „West“ und „Ost“ ein
willkürliches Phantasma ist. Michael-Jackson-Sticker zu tragen, war für
Mädchen wie Marjane schon in den 1980er-Jahren im Teheraner Underground ein
subversives Zeichen. Genauso, ob und wie man als Frau ein aufgezwungenes
Kopftuch oder als Mann einen Bart trägt.
„Persepolis“ nahm in vielem die Entwicklung zu den „Frau – Leben –
Freiheit“-Protesten bis hin zu den heutigen vorweg und machte sie auch
außerhalb Irans nachvollziehbar.
Kaum jemand hätte allerdings bei Erscheinen damit gerechnet, dass Satrapis
widerständige iranische Mädchengeschichte – eine Graphic Novel in
Schwarz-Weiß – über eine Million Exemplare verkaufen würde. 2007 folgte die
Verfilmung in Eigenregie der Graphic-Novel-Autorin. Ebenfalls ein
Welterfolg und beim Filmfestival von Cannes mit dem Großen Preis der Jury
bedacht sowie 2008 für den Oscar nominiert.
## Große Lücke
Marjane Satrapi, die große iranisch-französische Zeichnerin und Autorin,
starb nun im Alter von 56 Jahren. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes
Mattias Ripa „an Traurigkeit“, wie es aus ihrem persönlichen Umfeld am 4.
Juni heißt.
„Mit ihrem Werk war sie vielen ein Vorbild, mir ganz besonders“, sagt der
prominente französische Comicautor Riad Sattouf („Der Araber von morgen“).
Und Comicautor und Regisseur Joann Sfar gibt ihr diesen letzten Gruß mit
auf den Weg: „Du hast die Welt mit deinen Comics verändert, und dabei waren
Comics dir egal. Ich habe meine Zwillingsschwester verloren.“ Nicht nur die
Comicgemeinde trauert.
4 Jun 2026
## AUTOREN
(DIR) Andreas Fanizadeh
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