# taz.de -- Das SchwuZ ist tot! Das SCHWUZ lebt!: Tanz in die Zukunft
> Das SCHWUZ meldet sich mit einer großen Kick-off-Party am 16. Mai im
> Metropol am Nollendorfplatz zurück. Die Suche für einen Clubstandort
> läuft.
(IMG) Bild: Der neue Vorstand des SchwuZ e. V.: Marcel Rohrlack, Maximiliane Elspaß, Kiki Sparklez, Tarek Stukki und Katja Schmidt (v.l.n.r.)
Das SchwuZ ist tot. Das SCHWUZ lebt! Schon an der veränderten
Eigenschreibweise ist erkennbar, dass es einen Neustart geben soll. Eine
motivierte Truppe von Ehrenamtler:innen hat sich zusammengetan, um den
queeren Club zu retten und diesen eines Tages an einem neuen Standort und
mit neuem Konzept wiederzueröffnen. Deshalb meldet sich das SCHWUZ –
gewissermaßen als ein Ausrufezeichen – mit einer großen Kick-off-Party am
16. Mai im Metropol am Nollendorfplatz zurück. Die Veranstaltung ist seit
Wochen ausverkauft. Wenn das kein gutes Omen ist.
Zur Erinnerung: Im Sommer letzten Jahres ging der queere Club am Rollberg
in Neukölln in die Insolvenz und schloss am 1. November seine Pforten. Der
Aufschrei und die Trauer waren groß. Die SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH
ging [1][damals in Liquidatio]n, der Verein blieb bestehen, auch wenn noch
Verbindlichkeiten bestehen.
Der SchwuZ e. V. wächst in dieser Krise dank neuer Mitglieder. Mittlerweile
wurde ein neuer, fünfköpfiger Vorstand gewählt. Marcel Rohrlack ist der
Vorsitzende des Vereins, der rund 150 Mitglieder zählt. Der alte Vorstand
hatte sich stark in der Insolvenzphase engagiert, sagt Rohrlack im Gespräch
mit der taz, „das war sehr anstrengend und hat viel Energie gekostet“. Auch
darum der Vereinsneustart – mit „einem fließenden Übergang“, wie Rohrlack
sagt, der für einige Wochen auch Mitglied des alten Vorstands war.
Neben ersten Gesprächen auf der Suche nach geeigneten Locations hat sich
der SchwuZ e. V. ein neues Logo zugelegt, der Clubname kommt nun in
Versalien daher. Das soll unter anderem verdeutlichen, dass das SchwuZ
längst mehr ist, als die Abkürzung für „Schwulenzentrum“ – ein Hinweis auf
die lange Geschichte des 1977 gegründeten Clubs aus Zeiten, zu denen das
Wort queer noch nicht benutzt wurde – nahelegt. Die Großbuchstaben sollen
den Ursprung würdigen und Diversität unterstreichen – und die Partyreihen
spezifischer und diverser werden, kündigt Rohrlack an. Das ist eine
Erkenntnis im Rahmen der Aufarbeitung der Umstände, die zur Schließung des
Clubs führten.
## Der neue Club soll kleiner werden
Eine andere ist, den Club zu verkleinern. „Das SchwuZ am Rollberg lief
viele Jahre gut und hat in seine Zeit gepasst“, sagt Rohrlack. Doch das
Ausgehverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert, junge Leute
gehen weniger und anders aus; das Geld sitzt nicht mehr so locker. „Wir
müssen uns neu erfinden“, sagt Rohrlack, „und im Zuge dessen soll der Club
kleiner werden.“
Das hätte mehrere Vorteile: „Wir wollen mehr Flexibilität und den Druck
herausnehmen, jeden Abend möglichst viele Gäste zu haben, um wirtschaftlich
sein zu können. Lieber mit einer etwas kleineren Kapazität“, erläutert
Rohrlack die Idee und den Lernprozess, der dahintersteckt.
„Dafür können wir uns diversifizieren“, sagt Rohrlack. „Dann würden wir
mehr ins Risiko gehen und spezialisierte, kleinere, abwechslungsreiche
Veranstaltungen anbieten, die sich zum Beispiel an Flinta* oder BIPoC
richten oder bestimmte Musikrichtungen stärker in den Fokus nehmen, weil
viele junge Leute dezidierter zu bestimmten Veranstaltungen, zu bestimmten
DJs, zu bestimmten Künstler:innen gehen und nicht mehr in DEN einen
Club.“ Diese Flexibilität habe es am Rollberg am Ende nicht mehr gegeben,
der Club musste voll werden, damit es sich rechnet. Das habe zum Mainstream
gezwungen.
Und da kommt die Community ins Spiel. „Jetzt ist ein Moment, wo wir als
Community Kraft entwickeln müssen“, sagt Marcel Rohrlack und nennt das
lachend ein „wahnsinniges Projekt“. Stimmt ja auch. „Wir versuchen, uns
gegen den [2][Trend des Clubsterbens] zu stellen und wollen einen neuen
Nachtclub aufmachen, wo viele queere Institutionen um ihr Überleben
kämpfen.“ Und das ließe sich nur als „Communityprojekt“ stemmen, also aus
der Community heraus.
Das heißt, dass der Verein um neue Mitglieder wirbt, die sich auf die eine
oder andere Art einbringen wollen, mit ihren Netzwerken und Ideen, mit
ehrenamtlicher Arbeit. Und auch um Spenden wird geworben. „Fünf Leute im
Ehrenamt machen das alles nicht alleine“, sagt Rohrlack und bringt es auf
die Kurzformel: „Was wir brauchen ist Zeit, Wissen oder Geld.“
Das mit dem Ehrenamt klappt zur Auftaktparty für ein neues SCHWUZ am 16.
Mai trotzdem schon richtig gut, freut sich Marcel Rohrlack. „Wir haben 50
ehrenamtliche Künstler*innen und zusätzlich 30 ehrenamtliche
Helfer*innen an Tür, Garderobe, Organisation und als flexible
Unterstützung.“
Wer kein Ticket ergattern konnte (an der Abendkasse gibt es noch ein
kleines Kontingent), muss nicht traurig sein. Bis es zur Eröffnung an einem
neuen Standort kommt, könnten zwar noch Monate vergehen, doch bis dahin
soll es ab und an eine SCHWUZ-Party an wechselnden Locations geben. „Wir
sind in der Absprache für Termine Richtung Sommer.“
## Auf Standortsuche
Die Standortsuche für das neue SCHWUZ gestaltet sich nicht leicht. Man
sucht vorzugsweise innerhalb des innerstädtischen S-Bahn-Rings, da ist sich
der Vorstand einig. Der Weg in den neuen Club soll für alle sicher sein,
auch nachts sollen sich alle, auch und gerade junge Leute, wohlfühlen.
Daher haben die belebte Innenstadt und eine gute öffentliche Anbindung
Vorrang.
Es soll ein Gebäude sein, dass zwischen 400 und 800 Menschen Platz bietet
und zwei Dancefloors möglich macht. Insidern fällt da natürlich sofort die
„Busche“, der queere Traditionsclub in Friedrichshain ein – eine der
größten LGBTIQ*-Discos in Berlin, [3][die im Juli 2025 schließen musste];
nach Corona waren die Kosten aus dem Ruder gelaufen.
„Das wäre schon ein idealer Standort“, bestätigt Rohrlack. „Es gab und gibt
verschiedene Standorte, die wir ins Auge gefasst haben.“ Gespräche auf
Bezirks- und Senatsebene laufen. „Am Ende muss es passen. Wir nehmen nicht
das Erstbeste. Der Standort soll ja von Dauer sein.“
15 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Hergeth
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