# taz.de -- Keine Öl-, Gas- und Waffenkonzerne: Aus der Cloud schmeißen, bitte!
       
       > Greenpeace fordert Tech-Konzerne auf, ihre Rechenzentren nicht allen zur
       > Verfügung zu stellen. Stattdessen sollen deren Kunden Ethikstandards
       > einhalten müssen.
       
 (IMG) Bild: Rechenzentrum: Blinkt und verbraucht viel Strom – aber besser nicht für ethisch fragwürdige Daten, findet Greenpeace
       
       Im Finanzsektor ist das Prinzip bekannt: Einige Banken schließen die
       Finanzierung klimaschädlicher Unternehmen oder kontroverser Waffensysteme
       vertraglich aus. Am Dienstag forderte Greenpeace erstmals [1][ökologische
       und ethische Mindeststandards, die Big-Tech-Unternehmen] von Kund*innen
       ihrer Datenzentren verlangen sollen.
       
       Konkret will die Umwelt-NGO, dass die weltweit dominierenden Cloud-Anbieter
       wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft oder Google eine [2][Richtlinie]
       unterschreiben, laut der Nutzer*innen der Dienste keine „Unternehmen mit
       schädlichen Geschäftspraktiken“ sein dürfen. Ausgeschlossen werden sollen
       etwa Öl- und Gaskonzerne mit Expansionsplänen, Unternehmen, die Regenwälder
       roden, Hersteller autonomer Waffensysteme und von Software für
       Überwachungstechnologien wie Echtzeit-Gesichtserkennung und dem
       computergestützten Einsatz von Algorithmen zur Analyse von
       Kriminalitätsdaten.
       
       „Big Tech macht sich mit der Ausbeutung fossiler Rohstoffe, der Abholzung
       von Regenwäldern, umstrittenen Waffensystemen und Massenüberwachung die
       Taschen voll“, sagte Greenpeace-Expertin Linda Klapdor. „Wer die digitale
       Zukunft bauen will, muss die Zerstörung der Gegenwart konsequent von seinen
       Servern verbannen.“
       
       ## Rückgrat und Motor der digitalen Transformation
       
       Ethische Mindeststandards wären neu für die Industrie, in der viele das
       Rückgrat und den Motor der digitalen Transformation sehen. Digitalminister
       Karsten Wildberger (CDU) nennt Rechenzentren „Fabriken des 21.
       Jahrhunderts“, wichtig für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft. Die
       Leistung der hiesigen Rechenzentren soll sich bis 2030 auf über 5.000
       Megawatt verdoppeln, die Kapazitäten für künstliche Intelligenz sogar
       vervierfacht werden.
       
       Die Ethikrichtlinie von Greenpeace adressiert auch ein weiteres Problem der
       Branche: ihren immensen Energiehunger. 26 Terawattstunden verbrauchten
       Rechenzentren im vergangenen Jahr allein in Deutschland, rund fünf Prozent
       des Strombedarfs. 2030 soll es doppelt so viel sein.
       
       Laut Greenpeace kommt dafür nur Energie aus Erneuerbaren infrage. So sieht
       das auch die im März verabschiedete [3][Rechenzentrumsstrategie der
       Bundesregierung.] Danach soll die benötigte Elektrizität „ab dem 1.1.2027
       bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien“ kommen. Laut
       Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sollen jedoch die kurz vor der
       Ausschreibung stehenden fossilen Gaskraftwerke die Energie liefern.
       
       Das würde einen Trend aus den USA bestätigen. Reihenweise werden dort
       fossile Kraftwerke zum Betrieb der Rechenzentren gebaut. Das schadet dem
       Klima: Google beispielsweise plant den Bau eines Gaskraftwerks für ein
       [4][Rechenzentrum in Texas], das jährlich 4,5 Millionen Tonnen CO2
       emittiert – etwa so viel wie San Francisco.
       
       ## Moratorium für den Bau von Rechenzentren in Maine
       
       Die Umweltauswirkungen, der Energiebedarf, überlastete Netze und steigende
       Strompreise führen in den USA bereits zu heftigem Widerstand: Im
       US-Bundesstaat Maine hat das Parlament ein Moratorium für den Bau von
       Datenzentren beschlossen. Ähnliche Bestrebungen gibt es in weiteren elf
       US-Bundesstaaten.
       
       In Deutschland ist die Entwicklung noch nicht so weit. Hier geht es
       zunächst vor allem um knappe Netzkapazitäten. Deshalb müssen die Betreiber
       von Rechenzentren lange Wartelisten erdulden: In Frankfurt am Main – dort
       ist ein bedeutender Internetknoten – warten neue Rechenzentren derzeit bis
       2035 auf einen Netzanschluss.
       
       In nahegelegenen [5][Maintal] vertagte das US-Unternehmen Edgeconnex gerade
       den Bau eines Gaskraftwerks zum Betrieb eines Rechenzentrums für eine
       Milliarde Euro. Bürger und Stadtverordnete hatten sich gegen ein neues
       fossiles Kraftwerk ausgesprochen, das 600.000 Tonnen CO₂ pro Jahr ausstoßen
       sollte. Im Februar hatte der Rat der südhessischen Kreisstadt Groß-Gerau
       den [6][Bau eines Rechenzentrums mit einem Investitionsvolumen von 2,5
       Milliarden Euro gestoppt]. Die Anwohner fürchteten, der Riesenkomplex werde
       das Stadtbild verschandeln.
       
       Wegen all dieser Probleme ist die Branche von der Greenpeace-Richtlinie für
       Anbieter kritischer digitaler Infrastruktur wenig begeistert: „Aufgrund der
       ohnehin bereits intensiven diversen Regulierungsansätze und der in Europa
       besonders hohen Energiekosten sind Rechenzentren in Deutschland im
       internationalen Vergleich heute schon mit die energieeffizientesten“, heißt
       es in einem Statement der Branchenvereinigung Eco. „Weitere Einschränkungen
       der Standortbedingungen durch weitere Regulierung erscheinen vor diesem
       Hintergrund nicht sinnvoll, da sie nur zu einer Verlagerung von
       Rechenkapazitäten ins Ausland und damit zu einer Schwächung der digitalen
       Souveränität in Deutschland und Europa führen würde.“ Die Branchenriesen
       AWS und Google äußerten sich bis Redaktionsschluss nicht zum
       Greenpeace-Vorstoß.
       
       Keine Anwohnerproteste, kein Energie-, kein Platzmangel und sowieso keine
       Bedenken wegen möglicherweise unmoralischer Kunden: Elon Musk, selbst im
       KI-Business tätig, prophezeite unlängst, dass es binnen zwei Jahren
       [7][Rechenzentren im All] geben werde, die mit Sonnenkraft betrieben
       werden.
       
       12 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://postman.mynewsdesk.com/ls/click?upn=u001.4PdZePhxntwqZWXf9n80CvP4JICAcBa2VqO0QIPjGU47yQh077NbfY3U9GjlsIOWvev-2B09doG9m6UB5Tq2O5DREYVVUMDRmohbLsXTDj4Hs94Xty9NI2ij1PMbdjt2KXpI2BIVp631WsHcCa3bmiqw-3D-3D3mkL_E-2FHrofugvk7cCWqxTIYCVcgmBiM6sPpa5Vf6G2v8QFLLtWASQArup9JC32sYoxlpIT0Zex2ybQO8LS-2FZ1NwhrlQ-2Bf69MlDyMqGDFowewh1MeMZ6qaTaiuyM5goeXLiAVtkNmAlhH4GLEN4vi0nL1m-2BlvSilxUcdKzr9uLN4mbyouwaP4A3jtsdGPwKmHMnxsecOmKho9CQ-2F7o9WyqP2B-2F2u1Q8OrbybKjnalsA5CtqW5M3CZmrJ0g2ip6oPnI9lwTUQZ2g1rnpK6Z6SKVsJJwFC6iW1Kq-2F1stpHS7EXzysE9RRIOYjLlKIVbmTsNBHRl11AVwc7NRt-2Fq7eCNmS0qLMAW-2B3EbQPFojSjFypPQx3Ifxzm6Bq9t12B5u7eho65-2FDyhSNxGmZrSdZlA5K-2BQhvA-3D-3D
 (DIR) [2] https://www.greenpeace.de/publikationen/Ethik_Richtlinie_kritische_digitale_Infrastruktur.pdf
 (DIR) [3] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rechenzentrumsstrategie-2412884
 (DIR) [4] https://www.theguardian.com/technology/2026/apr/02/google-ai-datacenter
 (DIR) [5] https://www.hessenschau.de/wirtschaft/rechenzentrum-in-maintal-proteste-bringen-projekt-ins-stocken-v2,maintal-rechenzentrum-gestoppt-100.html
 (DIR) [6] https://www.welt.de/politik/deutschland/article698c2fd410c65e72bdaa4721/gross-gerau-hessen-stadt-stoppt-bau-von-2-5-milliarden-komplex-bye-bye-rechenzentrum-jubeln-die-gruenen.html
 (DIR) [7] https://www.zdfheute.de/wissen/musk-weltall-rechenzentren-satelliten-experte-100.html
       
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 (DIR) Kai Schöneberg
       
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