# taz.de -- UNICEF-Studie zum Kinderwohl: Mathe und Deutsch? Kein Problem für Deutschlands reiche Kids
       
       > Wer gute Noten kriegt, hängt meist am Einkommen der Eltern. In anderen
       > Ländern ist Gesundheit und Glück viel weniger eine Sache des Geldes.
       
 (IMG) Bild: Nicht nur Mathe und Deutsch sind für viele ärmere Kinder schwierig
       
       Vor zehn Jahren schon zeichnete sich ab, dass für Kinder hierzulande nicht
       alles so prima läuft. An der Grundschule meines Sohnes, bürgerlicher
       Berliner Stadtbezirk, wurden [1][die Toiletten] gesperrt. Engagierte Eltern
       hatten die Hygieneaufsicht benachrichtigt. Aufgrund von Sparauflagen wurde
       die komplette Schule nämlich von einer einzigen Frau geputzt. Und so sah es
       auch aus.
       
       Dann kam [2][Corona]. Fast anderthalb Jahre verbrachte mein Teenager
       überwiegend zu Hause. Viel gelernt hat er nicht in dieser Zeit. Doch es gab
       Hilfsangebote. Also eins, um genau zu sein. Fünf Tage freiwilliges
       „Aufholprogramm“ in den Winterferien. Erstaunlicherweise hatte mein
       16-Jähriger andere Ferienpläne. Und dann wurde über die Coronalücken
       einfach nie wieder gesprochen.
       
       Die in diesen Tagen vorgestellte internationale
       [3][Unicef-Vergleichsstudie] zum Wohlbefinden von Kindern zeigt, dass
       unsere Probleme damals Peanuts waren im Vergleich zu dem, was andere Kinder
       im reichen Deutschland erleben. Denn unser Land belegt Platz 25 – von
       insgesamt 37 bewerteten Ländern. Einmal mehr erfahren wir, dass das
       Wohlergehen eines Kindes in Deutschland vor allem vom Einkommen der Eltern
       abhängt.
       
       Ganze 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen die Mindestkompetenz in Lesen
       und Mathematik. Bei reichen Kindern kümmern sich wohl die Eltern, schicken
       den Nachwuchs auf Privatschulen und finanzieren, wenn nötig,
       Nachhilfeunterricht. Wozu also – wird sich Friedrich Merz denken – sollte
       man das Kindeswohl zur Chefsache machen?
       
       ## Warum im sozialen Bereich sparen?
       
       Nicht nur Mathe und Deutsch sind für viele ärmere Kinder schwierig. Mehr
       als die Hälfte ist auch in keiner guten körperlichen Verfassung. Ähnlich
       ist es um ihren seelischen Zustand bestellt. Warum dann nicht auch im
       sozialen Bereich sparen? So wird jetzt zum Beispiel die größte
       [4][Kindersuchtklinik geschlossen].
       
       Der Kanzler setzt auf Eigenverantwortung und Investition der Eltern in den
       eigenen Wohlstand. Denn reiche Kinder sind in Deutschland gesünder und
       zufriedener. Wir müssen uns also nur ordentlich anstrengen, 40 Stunden
       arbeiten, erst mit 70 in Rente gehen und natürlich mehr verdienen. Und dann
       geht’s sicher auch den Kindern hierzulande endlich besser. Mit der
       aktuellen Bundesregierung sind wir da auf einem guten Weg.
       
       22 May 2026
       
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