# taz.de -- Unicef zu Wohlbefinden von Kindern: Die armen Kinder
> Eine Unicef-Studie zeigt einmal mehr: Das Wohlergehen deutscher Kinder
> ist abhängig vom Geldbeutel der Eltern. Viele Länder Europas schneiden
> besser ab.
(IMG) Bild: Da sitzt die Zukunft, wer richtet sie auf? Jugendliche auf einer Bank
Die Zahlen des jüngsten [1][Unicef-Reports zum Wohlbefinden von Kindern]
sind alarmierend: Nicht einmal die Hälfte der Jugendlichen aus ärmeren
Familien in Deutschland, nämlich 46 Prozent, können im Alter von 15 Jahren
Grundfertigkeiten in Mathe und Lesen nachweisen. Aus privilegierten
Familien sind es hingegen 90 Prozent. Insgesamt belegt Deutschland in der
am Sonntag veröffentlichten internationalen Studie des Kinderhilfswerks der
Vereinten Nationen nur Platz 25 von 37 bewerteten Industrienationen – und
verharrt damit, wie 2025, weiter im unteren Drittel. Die ersten Plätze
belegen die Niederlande, Dänemark und Frankreich.
Entsprechend harsch kommentiert der Geschäftsführer von Unicef Deutschland,
Christian Schneider, am Sonntag den Report: „Unser Land vergibt
Zukunftschancen.“ Wer „heute nicht in Teilhabe“ investiere, zahle „morgen
einen hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Preis“.
Der Sozialverband Deutschland nannte die Zahlen katastrophal: „Nur Bildung
kann den Teufelskreis der Armut durchbrechen.“ Es sei zwar gut, dass die
Bundesregierung mehr Geld für digitale Ausstattung von Schulen
bereitstelle. Aber es brauche eben auch mehr Lehrkräfte, kostenfreie
Nachhilfe-Angebote und eine bessere schulärztliche, psychologische und
sozialpädagogische Unterstützung.
## Einkommen und Chancengerechtigkeit
Die Unicef-Studie zum Wohlbefinden von Kindern erscheint regelmäßig. Sie
vergleicht anhand von sechs Indikatoren, darunter schulischen Fähigkeiten,
aber auch der Suizidrate bei Teenagern, Kindersterblichkeit und allgemeiner
Lebenszufriedenheit, wie sich unterschiedliche Einkommensverhältnisse auf
Chancengleichheit sowie die körperliche und mentale Gesundheit von Kindern
auswirken. Als Datengrundlage für den Vergleich zwischen den
Industrienationen der OECD-Länder dienen Unicef andere internationale
Vergleichsstudien wie die Pisa-Studie im Bildungsbereich, OECD-Daten und
Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO.
Der Report kann deshalb auch keinen ganz überraschend neuen Trend verkünden
– alleine, weil es nicht für alle Bereiche neue umfassende Datengrundlagen
gibt. Ein Update gibt es vor allem in den Bereichen zur körperlichen und
mentalen Gesundheit, konkret bei Kindersterblichkeit und Suizidrate. Bei
Letzterem steht Deutschland mit einer Rate von 4,1 Fällen pro 100.000
Kindern vergleichsweise gut da (bei Uruguay mit der höchsten Rate sind es
17,9). Allerdings betonen die Studienautor*innen auch die mangelnde
Aussagekraft von diesem Indikator allein mit Blick auf die mentale
Gesundheit, zumal sich hier auch nicht deutlich ein Zusammenhang zwischen
wirtschaftlicher Stärke und Suizidrate ziehen lässt.
Auffällig allerdings: Auch Länder mit vergleichsweise schlechterer
Wirtschaftsleistung wie Rumänien oder Ungarn liegen insgesamt deutlich vor
Deutschland – vor allem, weil die befragten Kinder deutlich besser bei der
mentalen Gesundheit abschneiden. Ein [2][Unicef-Report aus dem November
2025] zur Lage der Kinder in Deutschland passt da gut ins Bild: Im
Durchschnitt schätzten die Jugendlichen ihre psychische Gesundheit nicht
gut ein; die schlechtesten Zufriedenheitswerte hatten dabei Mädchen aus
ärmeren Familien, die besten Jungen aus privilegierten Familien.
## Lebenszufriedenheit steigt mit dem Einkommen
Im jüngsten Bericht wird das nun untermauert: Nur 61 Prozent der
15-Jährigen aus einkommensschwachen Familien berichten von einer hohen
Lebenszufriedenheit, bei Jugendlichen aus wohlhabenderen Familien sind es
hingegen 73 Prozent. Zudem ist die Schere zwischen Arm und Reich in
Deutschland seit 2012 auch noch weiter aufgegangen: Das wohlhabendste
Fünftel besitzt fünfmal mehr Einkommen als Menschen im ärmsten Fünftel.
2012 lag der Faktor noch bei 4,3-mal so viel.
Zwar versucht die Politik seit Jahren gegenzusteuern, am prominentesten mit
dem [3][Startchancenprogramm im Bildungsbereich], das seit Sommer 2024
läuft. Es sieht unter anderem mehr Schulsozialarbeiter*innen und
-psycholog*innen an Schulen mit besonders vielen armutsgefährdeten Kindern
vor.
Allein, es ändert sich wenig: Der jüngst Ende April vorgestellte
Chancenmonitor des Ifo Zentrum für Bildungsökonomik stellte sogar noch
einen verschärften Zusammenhang zwischen Einkommen des Elternhauses und
Bildungschancen des Kindes seit 2023 fest. Ein Faktor, der immer wieder
genannt wird: das in Deutschland sehr früh sortierende Schulsystem. Unicef
mahnt deshalb umso dringender einen Zugang zu gut ausgestatteten Schulen
auch in prekäreren Wohnvierteln an.
Ein weiter Vorschlag: Das Amt eines Kinderbeauftragten flächendeckend
einzuführen. Einige Bundesländer wie Brandenburg haben so eine Ombudsperson
bereits. Auf nationaler Ebene gibt es das Amt aber nicht; Schweden,
Dänemark und andere Länder haben einen Kinderbeauftragten.
17 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.unicef.org/innocenti/media/8521/file/UNICEF-Innocenti-Report-Card-20-2026.pdf
(DIR) [2] https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/unicef-bericht-zur-lage-der-kinder-in-deutschland-2025/385504
(DIR) [3] /Neue-Stellen-fuer-Hamburger-Schulen/!6048954
## AUTOREN
(DIR) Anna Klöpper
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